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Palliative Schmerztherapie von Knochenmetastasen

Autor/en: H.-J. Biersack, H. Bender
Letzte Änderung: 11.05.2004
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Post-Therapieszintigramm mit Re-186 HEDP bei multiplen Knochenmetastasen eines Prostatakarzinomes.

Zunächst wurde in den 50er-Jahren Phosphor-32 zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt, wegen der hohen Nebenwirkungsrate (Blutbild) jedoch frühzeitig wieder vom Markt genommen. Mitte der 70er-Jahre erfolgte dann der Einsatz von Sr-89. Wegen einer relativen Unterdosierung waren die Erfolge jedoch gering. Erst der Einsatz höherer Aktivitätsmengen brachte dann den gewünschten Erfolg.

Vor etwa 10 Jahren kamen dann weitere Präparate zur palliativen Schmerztherapie von Knochenmetastasen - wie Rhenium-186 (Re-186), Yttrium-90 (Y-90) Citrat und Samarium-153 (Sm-153) EDTMP - zum Einsatz, wobei die 3 letztgenannten Präparate eine relativ kurze Halbwertszeit von wenigen Tagen haben. Wegen der günstigeren Beta-Energie (größere Eindringtiefe) wird seit mehreren Jahren auch Re-188 HEDP eingesetzt.

Der Einsatz dieser Isotope führt zu einer "Entzündungsbestrahlung" im Randbereich der Metastase (gesteigerter Knochenstoffwechsel), allerdings ist die Eindringtiefe bislang nicht groß genug, um eine direkte Therapiewirkung auf die Metastasen zu erzielen. Die Radioaktivitätsanreicherung beträgt in diesem Randsaum gegenüber normalem Knochen 15:1 bei osteoblastischen und 3:1 bei osteolytischen Metastasen.

Insbesondere Patienten mit Prostata- und Mammakarzinomen profitieren von der palliativen Schmerztherapie [Biersack HJ 1996] [Hoefnagel CA 1991].

  • Es wurden aber auch andere ossär metastasierende Tumoren (Niere, Magen) behandelt.
  • Die Gesamtdosis im Randbereich der Metastasen liegt zwischen 8-90 Gy für Strontium (4 mCi) und 14-140 Gy für Re-186 HEDP (35 mCi ).
  • An Nebenwirkungen tritt häufig eine leichte Thrombozytopenie auf, Leukozytopenien sind seltener.
  • Eine effektive Schmerzpalliation wird in 70-90% der Fälle erreicht, dokumentiert durch Reduzierung der notwendigen Schmerzmedikation, Schmerz-Scale und Schmerztagebücher.
  • Wiederholte Behandlungen sind insbesondere bei den kurzlebigen Präparaten, z.B. Re-186 HEDP und Sm-153 EDTMP möglich.
  • Die Dauer der Palliation variiert von Patient zu Patient beträchtlich und wird bei Sr-89 im Mittel mit 5 Monaten und bei Re-186 mit 3 Monaten angegeben.
  • Der Vorteil der Radionuklidtherapie mit Re-186 HEDP ist der schnell einsetzende, palliative Effekt und die Möglichkeit, die Metastasenspeicherung nach der Therapie mittels sequenzieller Ganzkörperszintigraphie nachzuweisen. Hierdurch wird eine Dosimetrie möglich, um die Dosis zu optimieren.
  • Vor allem für den Einsatz von Sr-89 konnte gezeigt werden, dass die Radionuklidtherapie im Vergleich zur lokalen perkutanen Strahlentherapie folgende Vorteile hat: es kommt seltener zum erneuten Auftreten von Schmerzlokalisationen und neuen Metastasen sowie auch seltener zur Notwendigkeit einer (erneuten) perkutanen Radiatio [Biersack HJ 1999].
  • Es konnte ein Kosten sparender Effekt für den Einsatz der adjuvant zur perkutanen Strahlentherapie durchgeführten Radionuklidtherapie nachgewiesen werden [Biersack HJ 1999].

Literaturreferenzen:

  • Biersack HJ, Bender H, Grünwald F.
    Nuklearmedizinische Tumordiagnostik und -therapie: Gegenwärtiger Stand und Zukunft.
    Onkologe 1996;2:272-277.


  • Biersack HJ, Palmedo H.
    Investigational therapeutic isotopes for treatment of bone metastases: 186/188Re HEDP, 117mSn-DTPA.
    In: Therapeutic Isotopes in Cancer.
    Physician's Education Resource 1999;1:6-8.


  • Hoefnagel CA.
    Radionuclide therapy revisited.
    Eur J Nucl Med 1991;18:408-431. PM:1879447
    [Medline]


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