Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Morbus Hodgkin beim Erwachsenen: Diagnostik

Autor/en: B. Klimm, K. Behringer, A. Engert
Letzte Änderung: 16.09.2004

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst die Abtastung aller zugänglichen Lymphknotenstationen und die Dokumentation der Lymphknotengröße bzw. der Abwesenheit einer Lymphknotenschwellung. Die abdominelle Palpation berücksichtigt insbesondere Milz, Leber und Resistenzen.

Labordiagnostik

Die Laboruntersuchungen dienen der Bestimmung von Risikofaktoren und der Durchführbarkeit der Therapie. Zum Untersuchungsumfang gehören:

  • Blutbild inkl. Differenzialblutbild,
  • Gerinnungsstatus,
  • BSG nach Westergren,
  • GOT, GPT, Gamma-GT, AP, LDH, Glukose, Bilirubin, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin-Clearance, Elektrolyte,
  • Gesamteiweiß, Albumin,
  • EBV, HIV 1/2-Antikörpersuchtest, Hepatitis B, Hepatitis C,
  • TSH basal.

Der M. Hodgkin kann eine Vielzahl von Veränderungen der Laborwerte zeigen, die allerdings nicht spezifisch sind. Bei vorbekannten Organschädigungen ist die entsprechende Diagnostik zu intensivieren, z.B. Kreatinin-Clearance als Grundlage der Dosisreduktion bei renaler Insuffizienz.

Niedrige Leukozyten- und Thrombozytenwerte machen einen Knochenmarkbefall wahrscheinlich. Die Alkalische Phosphatase kann sowohl bei Leber- als auch bei Knochenbefall erhöht sein, aber auch Normalwerte sind mit einem Befall vereinbar. Die Laktat-Dehydrogenase (LDH) ist beim M. Hodgkin - anders als bei den aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen - seltener und weniger stark erhöht.

Histologische Sicherung

Die Diagnose eines M. Hodgkin erfolgt histologisch durch (eventuell wiederholte) Biopsie vergrößerter Lymphknoten und ist aus prognostischen und therapeutischen Gründen unerlässlich. Die Biopsie inguinaler Lymphknoten ist wegen unspezifischer Veränderungen am unergiebigsten. Ausreichend große Biopsie-Präparate sollten einem erfahrenen Hämatopathologen übergeben werden. Eine Referenzdiagnostik ist empfehlenswert. Eine Zytologie alleine reicht zur Sicherung der Diagnose nicht aus. Umgekehrt sind ausgedehnte chirurgische Eingriffe als therapeutische Maßnahme bei Hodgkin-Lymphomen in der Regel nicht indiziert, auch nicht zur Tumorverkleinerung ("debulking"), weil sie keinen Einfluss auf die Remissionsqualität oder -dauer haben.

Obligate apparative Diagnostik zur Stadieneinteilung

Nur die genaue Stadieneinteilung erlaubt eine risikoadaptierte Therapie. Dementsprechend hoch ist der Stellenwert einer exakten, bildgebenden Diagnostik. Die Untersuchungen richten sich auf Lymphknoten- und Organveränderungen, das Übergreifen der Erkrankung auf benachbarte Strukturen, sowie den Nachweis von Lymphknoten in untypischer Lage und Formation.

Röntgen-Thorax

Standard ist die Aufnahme des Thorax in zwei Ebenen, sagittal und seitlich (Abb. 6).

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Abb. 6: Röntgen-Thorax: Mediastinalverbreiterung.

Sonographie

Standard ist die Sonographie des Abdomens mit der Dokumentation von vergrößerten Lymphknoten, Inhomogenitäten von Milz, Leber und weiteren Bauchorganen (Abb. 7).

MHodgkin_Abb7.jpg

Abb. 7: Abdomen-Sonographie: multiple intraabdominelle Lymphome.

Die Sonographie kann weiterhin zur Beurteilung der Weichteile insbesondere des Halses eingesetzt werden.

Computertomographie

Die Computertomographie von Hals, Thorax und Abdomen (einschließlich der Leistenregion) gilt heute als Standard. Nach der Nativaufnahme erfolgt ein weiteres CT mit Kontrastmittel. Die Lückenlosigkeit und Qualität der CT-Aufnahmen ist für die Beurteilung entscheidend.

Knochenmarkbiopsie

Für die Beckenkamm-Biopsie mit der Jamshidi-Nadel gilt die spina iliaca posterior superior als günstigster Punktionsort. Die Länge des Knochenzylinders sollte ca. 1,5 cm betragen. Die Beurteilung muss durch einen erfahrenen Hämatopathologen erfolgen.

Skelettszintigraphie

Bei jedem Patienten wird eine Skelettszintigraphie durchgeführt.

EKG, Echokardiographie und Lungenfunktion

Die Erhebung dieser kardiologischen Parameter dient der Erfassung vorbestehender Herzerkrankungen, um bei eingeschränkter Herzfunktion die Therapie modifiziert zu planen. Bei der Lungenfunktion sollten PO2, PCO2, DCO und Vitalkapazität bestimmt werden. Bei stark eingeschränkter Auswurfleistung des Herzens ist eine Therapie mit Anthrazyklinen, bei stark pathologischer Lungenfunktion eine Therapie mit Bleomycin gegebenenfalls nicht möglich. Auch ist die Untersuchung der kardialen und pulmonalen Funktion wichtig für die Erfassung von Langzeittoxizitäten bei Nachsorgeuntersuchungen.

Fakultative Diagnostik (Kernspintomographie (NMR), Leberbiopsie)

Klinisch verdächtige extranodale Befälle oder Organbefälle mit den adäquaten Methoden abgeklärt werden (z.B. Röntgen oder NMR bei Verdacht auf Knochenbefall). Bei bildgebend unklaren Befunden zur Klärung des Stadiums ist eine histologische Sicherung anzustreben.
Die Kernspintomographie kann an Stelle der Computertomographie z.B. bei bekannter Kontrastmittelallergie eingesetzt werden.

Die früher bei infradiaphragmalem Befall noch routinemäßig durchgeführte Leberbiopsie findet heute nur noch in Ausnahmefällen statt. Ist sie in bestimmten Sonderfällen und bei Therapierelevanz dennoch indiziert, sollten mit Hilfe bildgebender Diagnostik eventuell vorliegende Inhomogenitäten genau dargestellt werden, um eine gezielte Punktion durchzuführen.

Stellenwert von Lymphangiographie, Laparotomie und Splenektomie

Die bipedale Lymphangiographie wird heute in der Regel nicht mehr durchgeführt.

Die explorative Laparotomie mit Splenektomie wurde früher trotz der hohen Komplikationsrate (Morbidität ca. 10-40%) vorgenommen, da die alleinige Radiotherapie noch die bevorzugte Standardtherapie für die frühen Stadien darstellte. Es war wichtig, im Voraus die genaue Ausdehnung eines abdominellen Befalls abzuklären, für den eine initiale Chemotherapie indiziert gewesen wäre. Aufgrund besserer Bildgebung und prognostischer Faktoren, die eine gezielte Behandlung des Hodgkin-Lymphoms ermöglichen, sowie durch Einführung der Chemotherapie in frühen Stadien, ist die explorative Laparotomie heute zur Stadieneinteilung nicht mehr indiziert.

Fertilitätsdiagnostik

Zur Bestimmung der Gonadenfunktion bei nicht abgeschlossener Familienplanung wird bei Frauen prätherapeutisch die Zyklusanamnese dokumentiert, bei Männern ein Spermiogramm durchgeführt und ggf. FSH, LH, Testosteron bestimmt. Zusätzlich sollte unbedingt auf die Möglichkeit prätherapeutischer Sperma-Kryokonservation hingewiesen werden. Bei Frauen wird der genaue Stellenwert von Kontrazeptiva und GnRH-Analoga bei der Protektion der ovariellen Fertilität unter Chemotherapie derzeit in klinischen Studien ermittelt.

Weitere bildgebende Verfahren

Der Stellenwert der Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) ist gegenwärtig Gegenstand klinischer Studien.

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