Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Hinweise zum Morbus Hodgkin beim Erwachsenen: häufig gestellte Fragen, häufig gemachte Fehler

Autor/en: B. Klimm, K. Behringer, A. Engert

Staging

  1. Verwechslung von Lymphknotenarealen und Lymphknotenregionen, so dass fälschlicherweise ein Risikofaktor vorhanden zu sein scheint.
  2. Häufig wird keine Referenz-Histologie eingeholt. Unter diesen Fällen finden sich bis zu 5% Non-Hodgkin-Lymphome und ebenso viele gutartige Veränderungen, so dass diese Patienten nicht sofort der richtigen Therapie zugeführt werden.
  3. Gelegentlich wird initial keine richtige Biopsie des verdächtigen Lymphknotens durchgeführt. Eine Lymphknotenzytologie reicht aber zur Sicherung der Diagnose nicht aus.
  4. Häufig werden Lymphknoten als "fraglich" befallen angegeben. Die Größe eines Lymphknotens alleine ist nur ein Hinweis. Wichtig ist weiterhin seine Lage und die Konfiguration mehrerer verdächtiger Lymphknoten. Im Zweifelsfalle sollte man biopsieren, insbesondere wenn das Ergebnis die Art der Therapie beeinflussen würde.
  5. Die Abgrenzung von E-Stadium und Stadium IV ist manchmal schwierig zu treffen; Das E-Stadium soll nur Fällen mit einem sehr begrenzten extranodalen Befall zugewiesen werden; vgl. hierzu die Definition.
  6. Alkoholschmerz, Juckreiz oder Leistungsknick sind keine Symptome, die für ein B-Stadium qualifizieren.
  7. Patienten, die splenektomiert werden sollen, müssen zuvor eine Pneumovax-23- und möglichst auch eine Haemophilus-influenzae-B-Impfung erhalten.
  8. Durch die Überweisung in ein Krankenhaus geht häufig wertvolle Zeit verloren. Manche der Befunde des Stagings sind beim Abschluss aller Untersuchungen schon vier oder mehr Wochen alt. Dies ist zur Beurteilung des Falles ungünstig. Es sollte daher angestrebt werden, dass insgesamt nicht mehr als zwei Wochen für die Untersuchungen vergehen. In dieser Zeit kann auch gegebenenfalls die Sammlung von Sperma erfolgen.

Therapie

  1. Die Patienten sollten vor Abschluss des Stagings nicht behandelt werden, auch nicht mit Cortison, um eine Verfälschung der Stadieneinteilung und eine Veränderung der Biologie des Tumors zu vermeiden.
  2. Die Therapie sollte nicht zu sehr individualisiert werden. So reichen 6 Zyklen Chemotherapie in der Regel nicht aus, um einen Patienten im fortgeschrittenen Stadium in eine dauerhafte Remission zu bringen.
  3. Häufig kommt es zu Zeitverzögerungen in der Therapie. Diese sollten unbedingt vermieden werden, da ein wichtiges Prinzip in der Behandlung des M. Hodgkin das der Dosisintensität, also der pro Zeiteinheit verabreichten Dosis ist. Es sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um eine zeitgerechte Therapiedurchführung zu gewährleisten, also insbesondere auch der Einsatz von Wachstumsfaktoren und Antibiotika.
  4. Ähnliches gilt für die Dosisreduktion. Bei vorbekannter Organschädigung sollte die Dosis entsprechend den üblichen Richtlinien angepasst werden, ansonsten möglichst in voller Höhe verabreicht werden, da bei zu geringer Dosierung häufiger mit einem Rezidiv gerechnet werden muss, das dann wiederum einer intensiven Therapie bedarf.

Aufklärung

  1. Im Aufklärungsgespräch sollte unbedingt bei Männern auf die Möglichkeit der Sperma-Kryokonservierung hingewiesen werden. Bei Frauen sollten die Möglichkeiten der Kryokonservierung von Ovarialgewebe und die medikamentöse Protektion der Ovarien besprochen werden. Leider ist ein Teil der jungen Männer, insbesondere mit höherem Stadium, bereits vor Beginn der Chemotherapie vermindert fertil oder infertil.

Nachsorge

  1. Treten in der Nachsorge gehäuft Infekte auf, so sollte deren Ursache geklärt werden. Die Immunschwäche kann eine Knochenmarkinsuffizienz ebenso anzeigen wie ein beginnendes MDS (= myelodysplastisches Syndrom) oder eine beginnende AML (= akute myeloblastische Leukämie).
  2. Der Patient sollte auf die Anzeichen eines Rezidivs hingewiesen werden und darauf, dass beim Verdacht eine schnelle Klärung und - falls notwendig - Therapie erforderlich ist, da dies seine Überlebenschancen verbessert.
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