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Nachsorge in der Behandlung des Mammakarzinoms

Autor/en: A.C. Regierer, K. Possinger
Letzte Änderung: 17.10.2005

Die Nachsorge nach einer Mammakarzinomerkrankung beginnt 3 Monate nach Abschluss der Primärbehandlung. Sie ist nicht nur als Verlaufskontrolle oder Nachbeobachtung der Erkrankung zu verstehen, sondern soll einen Beitrag zur physischen, psychischen und psychosozialen Rehabilitation der Betroffenen leisten (s. Tab. 13.1).
Sie ist symptomorientiert zu konzipieren und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen anzupassen. Nachsorgeuntersuchungen sollen dabei allmählich in individuell modifizierte Krebsfrüherkennungsuntersuchungen übergehen, in die die regelmäßige Früherkennung im Genitalbereich integriert wird.

Im Gegensatz zur Situation beim metastasierten Mammakarzinom haben Betroffene mit einem intramammären oder lokoregionären Rezidiv noch eine kurative Therapiechance.
Nach den bisherigen Erfahrungen bringen routinemäßig in regelmäßigen Abständen durchgeführte Bild gebende Verfahren (Rö-Thorax, Sono-Abdomen, Skelettszintigramm) und Laboruntersuchungen (Tumormarker) keine besseren Überlebenszeitergebnisse als der gezielte Einsatz von Bild gebenden Verfahren auf klinischen Verdacht hin. Regelmäßige jährliche Mammographien sind allerdings auch ohne klinischen Tumorverdacht durchzuführen.

Tab. 13.1: Nachsorgeuntersuchungen bei Mammakarzinom; nach [DKG 2004]*

 

Nachsorge

Früherkennung

Jahre nach Primärtherapie

1.-3. Jahr

4.-5. Jahr

ab 6. Jahr

Anamnese 

vierteljährlich

halbjährlich

jährlich

körperliche Untersuchung 

Aufklärung/Information 

Mammographie 

  

befallene Brust

halbjährlich

einmal jährlich        

kontralaterale Brust

einmal jährlich

Laboruntersuchungen,
andere Bild gebende Verfahren (Ausnahme: Mammographie)

nur bei klinischem Verdacht auf Rezidiv und/oder Metastasen

* Information zur Publikation der S3-Leitlinie und PDF-Version Juli 2004 beiwww.krebsgesellschaft.de, HTML-Version Juni 2004 bei AWFM online.

Diagnose eines Lokalrezidivs

Ein lokales Rezidiv nach Mastektomie oder nach Axilladissektion lässt sich am besten durch die klinische Tastuntersuchung diagnostizieren. Die klinische Tastuntersuchung der Thoraxwand sowie sämtlicher Lymphabflussgebiete ist deshalb zentraler Bestandteil der Nachsorgeuntersuchungen.

Lokalrezidive bei brusterhaltend operierten Mammakarzinom-Patientinnen sind kurativ behandelbar und sollten deshalb möglichst früh diagnostiziert werden. Inhalt der Nachsorge ist daher die jährliche Durchführung einer Mammographie der betroffenen Brust.

Da sich die Narbenregion postoperativ häufig verändert und die Differenzialdiagnose zwischen narbigen Veränderungen und Rezidiv schwierig sein kann, wird in den ersten 3 Jahren nach der Operation die Mammographie der betroffenen Seite alle 6 Monate empfohlen (s. Tab. 13.1).

Diagnose eines kontralateralen Mammakarzinoms

Ein vorausgegangenes Mammakarzinom ist ein starker Risikofaktor für ein kontralaterales Mammakarzinom. Daher sollte die kontralaterale Brust bei jeder Nachsorgeuntersuchung abgetastet und jährliche Mammographiekontrollen durchgeführt werden.

Diagnostik der behandlungsassoziierten Morbidität

Bei jedem Nachsorgetermin ist systematisch nach häufig auftretenden therapieassoziierten Symptomen wie Lymphödem, Funktionsstörung im Schulter-Arm-Komplex oder Toxizität der adjuvanten Chemo- und Strahlentherapie zu fragen.

Inhalte und Häufigkeit der Nachsorgeuntersuchungen

Die Nachsorgeuntersuchungen sollten in den ersten 3 Jahren vierteljährlich, im 4./5. Jahr halbjährlich und ab dem 6. Jahr jährlich erfolgen. Inhalt der Nachsorgeuntersuchungen sollte die körperliche Untersuchung einschließlich eines aufklärenden und informativen Gespräches sein.

Bei der Anamnese sollte speziell nach ungewollter Gewichtsabnahme, zunehmender Müdigkeit oder Leistungsminderung sowie nach Änderung des Appetits und spezieller Essgewohnheiten gefragt werden.

Die körperliche Untersuchung beinhaltet die Perkussion und Palpation des gesamten Skelettsystems (Schädel, Wirbelsäule, Rippen, Schulterblätter, Schlüsselbeine, Brustbein, Becken, obere und untere Extremitäten), die Perkussion und Auskultation der Lunge, die Palpation aller erreichbaren Lymphknotenareale sowie die Palpation des Abdomens.

Laboruntersuchungen und Untersuchungen mit Bild gebenden Verfahren (mit Ausnahme der Mammographie) sollten nur bei anamnestischem oder klinischem Verdacht auf ein Rezidiv oder auf Metastasen erfolgen.

Eine Mammographie ist bei einer brusterhaltenden Operation vom 1. bis zum 3. Jahr nach Operation alle 6 Monate, ab dem 4. Jahr einmal jährlich erforderlich. Die kontralaterale Brust sollte einmal jährlich mit einer Mammographie untersucht werden.

Psychosoziale Beratung

Im Rahmen der Nachsorge sollen die betroffenen Frauen auf die Möglichkeit einer psychosozialen Beratung hingewiesen werden. Sie sollten über Angebote wie z.B. Selbsthilfegruppen informiert werden. Auch die Beratung über die Möglichkeiten der sozialen, familiären und beruflichen Rehabilitation muss Bestandteil der Nachsorge sein.

Sozialmedizinische Beratung

Allen Patientinnen muss die Möglichkeit geboten werden, über folgende Fragen Rat einzuholen:

  • Hilfe bei der Ausstellung von Schwerbehindertenausweisen,
  • Beratung zum Schwerbehindertenrecht (Kündigungsschutz, steuerliche Vergünstigungen),
  • Beratung zur Sozialversicherung (Krankenkassenleistungen, Krankengeld, Rentengeld, Leistungen der Arbeitsverwaltung),
  • Pflege- und Haushaltsfragen (Wohngeld, Sozialhilfe).

Schwerbehindertengesetz

Derzeit sieht das Schwerbehindertengesetz bei Mammakarzinomen folgende Einstufungen vor:

  • Stadium I (T1N0M0) 50%
  • Stadium II (T2N1M0) 60%
  • höhere Stadien >80%
  • Arm (bei Lymphödem je nach Funktion von Arm/Hand): Plexuslähmung (komplett) 80%; Nervenausfälle (einzelne) 20-50%
  • Bewegungseinschränkung: Schultergelenk 20-30%; Ellenbogengelenk 10-20%.

Literaturreferenzen:

  • DKG.
    Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau. Eine nationale S3-Leitlinie, 2004. www.krebsgesell-schaft.de


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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