Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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4 Prävention

Autor/en: A. Neubauer
Letzte Änderung: 01.07.2008

4.1 Vorsorgemaßnahmen/primäre Prävention

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine seltene Erkrankung. Eine Möglichkeit der primären Prävention ist nicht bekannt. Wie in Kapitel 3.2 beschrieben, ist bekannt, dass Raucher ein höheres AML-Risiko aufweisen als Nichtraucher. Außerdem ist bekannt, dass eine Exposition gegenüber Radioaktivität oder Benzol bzw. dessen Abbaustoffen ein Risiko dafür darstellt, eine myeloische Erkrankung wie myelodysplastisches Syndrom oder AML zu erleiden. Somit wäre als primäre Prävention zu fordern, dass das Rauchen unterlassen und Schutz vor den genannten Noxen auch am Arbeitsplatz umgesetzt wird, was die gesetzlichen Bestimmungen in den EU-Ländern so auch vorsehen.

4.2 Sekundäre Prävention

Die Rezidivhäufigkeit zu senken ist neben dem Erreichen einer Remission das zweite Hauptziel jeder kurativ intendierten AML-Therapie. Hierbei müssen als kurativ gelten:

  • konventionelle Chemotherapie mit Induktions- und Postinduktionstherapien
  • autologe Stammzelltransplantation
  • allogene Stammzelltransplantation

Es ist bekannt, dass die allogene Blutstammzelltransplantation die Therapie mit dem geringsten Rezidivrisiko darstellt (s. Kap. 8.3). Allerdings muss dies mit anderen, teilweise ernsten Nebenwirkungen des Verfahrens abgewogen werden, die das Leben des Patienten bedrohen können, wie Frühmortalität, Graft-versus-Host-Erkrankung und deutlich erhöhte Infektbereitschaft.

Seit den Untersuchungen von Kolb weiß man, dass der Effekt der allogenen Stammzelltransplantation vermutlich ganz überwiegend auf der allogenen Immuntherapie beruht [Kolb HJ 1995]. Somit könnte die Prognose durch Anwendung dosisreduzierter Konditionierungsverfahren durch Senkung der Toxizität bei gleichbleibender antileukämischer Wirksamkeit möglicherweise weiter verbessert werden. Dies ist eine Fragestellung laufender Studien und gilt auch für die Anwendung autologer Vakzine bei der AML, die an verschiedenen Zentren bei Patienten in erster oder zweiter Remission geprüft werden. Diese können jedoch nicht als Standard gelten und sind daher klinischen Prüfungen vorbehalten.

Eine ungeklärte Problematik ist die der optimalen Nachsorge von AML-Patienten nach Erreichen einer kompletten Remission. Dabei stellen sich folgende Fragen:

  • Wie oft soll Knochenmark untersucht werden?
  • Ist die Detektion einer minimalen Residualerkrankung hilfreich?
  • Hat der Patient bei Entdeckung eines frühen Rezidivs eine bessere Prognose als bei etwas späterer Diagnosestellung?

Meist wird in der ersten Remission wie folgt verfahren:

  • Anfertigung eines kompletten Blutbildes einschließlich Differenzialblutbild alle 1-2 Monate in den ersten 2 Jahren nach Ende der Postinduktionstherapie sowie alle 3-6 Monate in den Jahren 3-5 nach Ende der Postinduktionstherapie
  • Durchführung einer Knochenmarkzytologie ausschließlich dann, wenn im peripheren Blutbild Auffälligkeiten (Zytopenie, Blasten) bestehen

Dieses "Nachsorgeprogramm" ist nach Kenntnis des Autors nicht prospektiv randomisiert evaluiert, dürfte aber den meistens angewandten Standards entsprechen. Natürlich sollte im Fall einer klinischen Studie nach dieser verfahren werden (s. beispielsweise unter http://www.kompetenznetz-leukaemie.de oder unter www.nccn.org).

Literaturreferenzen:

  • Kolb HJ et al.
    Graft-versus-leukemia effect of donor lymphocyte transfusions in marrow grafted patients. European Group for Blood and Marrow Transplantation Working Party Chronic Leukemia [see comments].
    Blood 1995;86:2041-2050.


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag" (Publikation als Buch)
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