Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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1.1 Epidemiologie des malignen Melanoms

Autor/en: C. Pföhler, W. Tilgen
Letzte Änderung: 01.12.2006

1.1.1 Inzidenz

Die Inzidenz des kutanen malignen Melanoms hat in den vergangenen Jahrzehnten weltweit in Industrieländern mit hellhäutiger Bevölkerung dramatisch zugenommen [Desmond RA 2003] [Stang A 2003a] [de Vries E 2003] [Stang A 2003b] [Blum A 2001] [Balch CM 1998] [Gallagher RP 1986]. Die höchsten Inzidenzraten werden aus Australien, Neuseeland, Südafrika, Europa und den USA berichtet (s. Abb. 1.1). Hier kam es bereits zur Prägung des Begriffs "Melanom-Epidemie" [Florez A 2004]. Die niedrigsten Inzidenzraten weltweit finden sich in Nord- und Westafrika sowie Asien einschließlich Japan. Die geographischen Unterschiede in den Inzidenzraten werden insbesondere zwischen einem südeuropäischen Land wie Portugal und dem Land mit der weltweit höchsten Inzidenzrate, Australien, deutlich; sie unterscheiden sich um nahezu das Zehnfache (s. Abb. 1.2).

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Abb. 1.1: Geographischer Überblick über die Inzidenzraten kutaner Melanome bei Männern im Jahre 2002. Die Länder mit den höchsten Inzidenzraten sind rot, die mit den geringsten Inzidenzraten grün unterlegt [Globocan 2002].

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Abb. 1.2: Inzidenzraten für maligne Melanome in Europa, Australien, Neuseeland und den USA im Jahre 2002 [Schätzungen nach Globocan database project].

In der Bundesrepublik Deutschland stieg die Inzidenzrate von 3 Fällen/100.000 Einwohner/ Jahr Anfang der 1970er-Jahre auf etwa 12 Fälle/100.000 Einwohner um die Jahrtausendwende [Blum A 2001]. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland wird auf 10.000 Fälle geschätzt [Blum A 2001]. Da in Deutschland noch kein bundeseinheitliches Krebsregister existiert, wird exemplarisch auf kleinere Register zurückgegriffen. Die Krebsregister für Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen belegen für das Jahr 1999 1.844 Neuerkrankungen an malignen Melanomen, dies entspricht einer Inzidenz von 10,6 Fällen/100.000 Einwohner/Jahr [Gemeinsames Krebsregister 2002].
Das saarländische Krebsregister gibt für den Zeitraum zwischen 1998 und 2000 die Inzidenz bei Männern mit 11,3 Fällen/100.000 Einwohnern/Jahr und 9,5 Fällen/100.000 Einwohnern/Jahr bei Frauen an. Dies entspricht einer standardisierten Inzidenz für die Bundesrepublik Deutschland von 11,6 Fällen/100.000 Einwohnern für Männer und 8,4 Fällen/100.000 Einwohner für Frauen (s. Abb. 1.3).

Bei den Angaben zur altersspezifischen Inzidenz kutaner Melanome zwischen 1998-2000 fällt auf, dass in Altersklassen über 45 Jahre die Inzidenzraten für Männer höher sind als für Frauen, was sich ab dem 65. Lebensjahr noch deutlicher abzeichnet. Aus diesen Daten ergibt sich ein mittleres Erkrankungsalter für Männer von 59 und für Frauen von 60 Jahren (s. Abb. 1.4). Die prozentuale Verteilung der Neuerkrankungen nach Alter und Geschlecht für den gleichen Zeitraum zeigt, dass der größte Anteil aller Melanome geschlechtsunabhängig in der Altersgruppe zwischen 60 und 79 Jahren diagnostiziert wird (s. Abb. 1.5).

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Abb. 1.3: Inzidenraten maligner Melanome für Männer und Frauen von 1970-2000 im Vergleich mit dem Weltstandard [Saarländisches Krebsregister].

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Abb. 1.4: Altersspezifische Inzidenz maligner Melanome für Männer und Frauen in den Jahren 1998-2000 [Saarländisches Krebsregister].

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Abb. 1.5: Prozentuale Verteilung der Neuerkrankungen an einem malignen Melanom nach Alter und Geschlecht in den Jahren 1998-2000.

Der prozentuale Anteil der Melanomerkrankungen an allen malignen Tumoren entspricht nach Angaben des saarländischen Krebsregisters bei Männern 2% und bei Frauen 1,9%. Insgesamt sind europäische Inzidenzraten für das Melanom aus England, Schottland und Italien mit denen aus Deutschland vergleichbar, nur in Skandinavien finden sich höhere Raten mit bis zu 15 Fällen/100.000 Einwohner/Jahr [Armstrong BK 1994] [Osterlind A 1988] [Thorn M 1990]. Griechenland und Portugal liegen mit Inzidenzraten von weniger als 6 Fällen/100.000 Einwohner/Jahr deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.

Verglichen mit Europa zeigen andere Industrienationen der Welt weitaus höhere Inzidenzraten. Für die USA werden zwischen 10-20 Fällen/100.000 Einwohner/ Jahr gemeldet. Weltweit am dramatischsten stellen sich die Zahlen aus Australien dar, wo bereits Ende der 80er-Jahre durchschnittlich 30 Fälle/100.000 Einwohner/Jahr registriert wurden, in Queensland waren es sogar 43 Fälle für Frauen und 56 Fälle für Männer [Jelfs PL 1994] [MacLennan R 1992]. Aktuelle Schätzungen von Globocan aus dem Jahre 2002 zeigen Inzidenzraten von 50 Fällen/100.000 Einwohner/Jahr.
In den USA wurde festgestellt, dass Kaukasier deutlich häufiger erkranken als Personen anderen ethnischen Ursprungs [Armstrong BK 1994] [Lee JA 1993] [Hemmings DE 2004]. Bemerkenswert ist, dass Patienten mit dunkler Hautfarbe bei Erstdiagnose deutlich dickere Primärtumore aufweisen, die häufiger ulzeriert sind und bereits zu Lymphknoten- oder Fernmetastasen geführt haben. Auch die anatomische Verteilung zeigt deutliche Unterschiede: Bei dunkelhäutigen Personen finden sich die Primärtumoren überdurchschnittlich oft an den Fußsohlen und subungual [Hemmings DE 2004].

1.1.2 Mortalität

Die Mortalität des malignen Melanoms übersteigt die aller anderen Hauttumoren zusammengenommen um ein Vielfaches und hat ebenso wie die Inzidenz deutlich zugenommen. Eine Recherche in der Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes zeigte für die alten Bundesländer zu Beginn der 70er-Jahre Fallzahlen von etwa 900 pro Jahr, diese stiegen bis zum Jahr 2002 auf 2210 in West- und Ostdeutschland an. In Ländern mit hohen Inzidenzraten werden entsprechend hohe Mortalitätsraten verzeichnet (s. Abb. 1.6).

Aus den Daten des statistischen Bundesamtes aus dem Jahre 2002 geht hervor, dass zu den 10 häufigsten Todesursachen in Deutschland 3 Tumorentitäten gehören. Hierunter fallen das Bronchialkarzinom mit 39.000 und das kolorektale Karzinom mit 20.000 (Platz 5 und 6) sowie das Mammakarzinom mit 18.000 verstorbenen Patienten pro Jahr (Platz 9) (s. Abb. 1.7). Das Verhältnis der an einem Melanom verstorbenen Personen im Vergleich zu den an einem Bronchialkarzinom verstorbenen Patienten beträgt 2,2:39. Australien und Neuseeland, die Länder mit den weltweit höchsten Inzidenzraten, verzeichnen auch die höchsten Mortalitätsratenvon bis zu 8,1 Fällen/100.000 Einwohner/Jahr (s. Abb. 1.6). Der Anteil der Todesfälle durch ein malignes Melanom an allen malignen Tumoren ist im Gegensatz zu der Situation in Deutschland wesentlich höher und beträgt 1.055 Tote durch ein malignes Melanom im Vergleich zu 4.760 Todesfällen durch ein Bronchialkarzinom (s. Abb. 1.8).

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Abb. 1.6: Mortalitätsraten maligner Melanome in Europa, Australien, Neuseeland, den USA und Japan im Jahre 2002 [Schätzungen nach Globocan database project].

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Abb. 1.7: Todesursachenstatistik für die Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahre 2002. Anzahl der Verstorbenen an den drei häufigsten Tumorentitäten im Vergleich mit den an einem Melanom verstorbenen Patienten [Statistisches Bundesamt].

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Abb. 1.8: Todesursachenstatistik für Australien aus dem Jahre 2002. Anzahl der Verstorbenen an den drei häufigsten Tumorentitäten im Vergleich mit den an einem Melanom verstorbenen Patienten [Australian Institute of Health and Welfare].

Australien hat als erstes Land der Welt aufgrund der hohen Melanominzidenzraten bereits in den 60er-Jahren mit breit angelegten Präventionskampagnen begonnen und kann heute als erstes Land seit 1985 eine Stabilisierung der Mortalitätsrate verzeichnen [Lee JA 1993] [Garbe C 1989]. In allen Ländern konnte durch eine Verbesserung von Früherkennungsmaßnahmen erreicht werden, dass Patienten früher zur Untersuchung kommen und bei Erstdiagnose Tumoren mit einer geringeren Tumordicke aufweisen und somit auch ein geringeres Mortalitätsrisiko haben. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, durch konsequente Fortsetzung der Kampagnen zur primären und sekundären Prävention in Kombination mit der Optimierung der Nachsorgeuntersuchungen die Inzidenz- und Mortalitätsraten für das maligne Melanom weiter zu senken. Nach prognostischen Schätzungen wird dies jedoch erst mit einer Latenz von Jahrzehnten möglich sein.

Datenbanken

Australian Institute of Health and Welfare (AIHW), 6A Traeger Court, Fern Hill Park, Bruce ACT, GPO Box 570, Canberra ACT 2601, Australien.
http://www.aihw.gov.au

Epidemiologisches Krebsregister Saarland, Virchowstraße 7, 66119 Saarbrücken.
http://www.krebsregister.saarland.de

Globocan 2002 database project.
http://wwwdep.iarc.fr und http://www.who.int/whosis

Statistisches Bundesamt, Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn.
http://www.destatis.de

U.S. Department of Health and Human Services, National Institute of Health (NIH), 9000 Rockville Pike, Bethesda, Maryland 20892, USA.
http://www.nih.gov

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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