Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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3 Radiologische Diagnostik des multiplen Myeloms: 3.1 Einführung

Autor/en: Stefan Delorme, Andrea Baur-Melnyk
Letzte Änderung: 30.06.2011

Vom multiplen Myelom kennt man drei wichtige Befallsmuster des Knochenmarks und des Knochens - den diffusen, den fokalen und den Weichteilbefall. Beim diffusen Befall sind zunächst im Markraum hämatopoetisches Mark, Fettmark und das plasmazelluläre Infiltrat nebeneinander zu finden. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommt es mehr und mehr zu einer Verdrängung der normalen Komponenten. Das "Gerüst" des spongiösen Knochens bleibt zwar vorerst erhalten, jedoch findet im Sinne eines osteoporotischen Prozesses eine Rarefizierung statt. Dieser Prozess schreitet bei den meisten Patienten wesentlich rascher voran als die typische postmenopausale oder senile Osteoporose.

Erst durch die Aktivierung von humoralen, osteoklastenaktivierenden Mediatoren (typischerweise Interleukin-2 und TNF) zerstört der Tumor nach und nach den Knochen, sodass fokale Herde entstehen, die nahezu ausschließlich aus Tumorgewebe bestehen. Oft findet man nebeneinander einen diffusen wie einen fokalen bzw. multifokalen Befall.

Falls solide Herde vorliegen, bleibt der Befall lokal nicht zwingend auf den Knochen beschränkt. Man beobachtet sowohl Tumoren, die von einem befallenen Knochen ausgehend die Umgebung infiltrieren oder benachbarte Strukturen verdrängen, als auch extramedulläre Plasmozytome, also Herde, die ohne Nachbarschaft zu einem Knochen in den Weichteilen zu finden sind. Eine Beteiligung der Weichteile bei einem multiplen Myelom ist ein prognostisch ungünstiges Zeichen und Ausdruck eines aggressiven oder fortgeschrittenen Leidens.

Die Komplikationen und Folgen des multiplen Myeloms sind vielfältig. Destruktionen und Brüche des Knochens stehen ganz im Vordergrund - sie verursachen Schmerzen und schwere Behinderung. Frakturen treten sowohl an Knochen auf, deren Substanz durch die Osteoporose stark vermindert ist, als auch dort, wo solide Myelomherde umschriebene Destruktionen verursacht haben.

Somit ist es die wichtigste Aufgabe der radiologischen Diagnostik, rechtzeitig Orte gefährdeter Stabilität zu identifizieren, damit vorbeugende Maßnahmen ergriffen und Frakturen verhütet werden können. Ob umschriebene Destruktionen nachweisbar sind, ist sowohl für die initiale Stadieneinteilung als auch für die Beurteilung des Krankheitsverlaufes mit entscheidend. So beruht die heute am weitesten verbreitete Einteilung nach Durie und Salmon auch auf dem Nachweis von Destruktionen in der konventionellen Skelettradiografie. Die Magnetresonanztomografie erlaubt es darüber hinaus, auch jene diffusen oder herdförmigen Infiltrationen nachzuweisen, die noch keine oder keine im Röntgenbild erkennbare Knochendestruktion verursacht haben. Zudem kann anhand der Magnetresonanztomografie die Krankheitsaktivität möglicherweise besser verfolgt werden, als dies mit der Skelettradiografie möglich ist.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
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