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7 Allogene Blutstammzelltransplantation: 7.1 Einführung

Autor/en: Nicolaus Kröger
Letzte Änderung: 30.06.2011

Die Behandlung des multiplen Myeloms hat sich in den letzten 10 Jahren wesentlich verbessert. Insbesondere die Hochdosistherapie, gefolgt von autologem Blutstammzell-Support, hat die Remissionsraten signifikant erhöht und das Überleben in randomisierten Studien verbessert [Attal et al. 1996; Child et al. 2003]. In den letzten Jahren haben, infolge eines besseren Verständnisses der Biologie und der Genetik des multiplen Myeloms, neue Medikamente mit neuartigen Wirkmechanismen Eingang in die Behandlung des multiplen Myeloms gefunden. Diese Medikamente (Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib) haben allesamt eine starke Wirksamkeit in der Behandlung des multiplen Myeloms gezeigt. Wenn diese Medikamente mit konventionellen Zytostatika wie Melphalan, Cyclophosphamid und Kortikosteroiden kombiniert werden, können komplette Remissionen von bis zu 30% erreicht werden - Werte, wie sie sonst nur mit autologer Stammzelltransplantation erreicht wurden [Harousseau et al. 2006; Mateos et al. 2006]. Trotz dieser Fortschritte ist ein Langzeitüberleben nach autologer Stammzelltransplantation eine Seltenheit, da bei nahezu allen Patienten die Krankheit rezidiviert. Im Vergleich zu anderen Behandlungsmodalitäten, einschließlich jenen mit neuen Substanzen, kann mittels allogener Blutstammzelltransplantation die höchste Rate an klinisch kompletten Remissionen (CR) und molekularen Remissionen erreicht werden [Corradini et al. 1999; Martinelli et al. 2000], sodass in circa 30-40% der Fälle mittels allogener Stammzelltransplantation ein langjähriges krankheitsfreies Überleben induziert werden kann [Bensinger et al. 1996; Hunter et al. 2005; Kröger et al. 2003; Rabitsch et al. 2004; Majolino et al. 1998]. Zwar ist es in den letzten Jahren zu einer signifikanten Verbesserung der therapiebedingten Morbidität und Mortalität nach allogener Stammzelltransplantation gekommen [Gahrton et al. 2001], jedoch bleiben die hohe therapiebedingte Morbidität und Mortalität die wichtigsten limitierenden Faktoren für die routinemäßige Durchführung von allogenen Blutstammzelltransplantationen bei Patienten mit multiplem Myelom. Die hohe Morbidität und Mortalität sind in erster Linie zurückzuführen auf Organtoxizitäten, induziert durch das Konditionierungsregime, und auf immunologische Komplikationen nach Transplantation, insbesondere als Folge infektiöser Komplikationen und der als Spender-gegen-Wirt-Reaktion (Graft versus host disease, GvHD) bezeichneten Abwehrreaktion.

Das therapeutische Prinzip bei Anwendung der autologen Blutstammzelltransplantation besteht in erster Linie in der Hochdosistherapie, wobei die Stammzelltransplantation nur als Support durchgeführt wird. Der allogenen Blutstammzelltransplantation hingegen liegen zwei verschiedene therapeutische Ansätze zugrunde, die sich beide - für sich genommen - durch eine ausgeprägte Zytotoxizität gegenüber Myelomzellen auszeichnen:

  • die Hochdosistherapie, sie ist der eigentlichen Transplantation vorgeschaltet (ähnlich der autologen Transplantation), und
  • ein gegen Myelomzellen gerichteter immunologischer Effekt, der durch die Transplantation immunkompetenter Spender-T-Zellen induziert wird (sog. Graft-versus-myeloma-Effekt).

Da, wie bereits oben ausgeführt, die Hochdosistherapie, gefolgt von autologer Blutstammzelltransplantation, bei nahezu allen Patienten zu einem Rückfall der Erkrankung führt, ist es unwahrscheinlich, dass es mit Chemotherapie allein möglich ist, sämtliche Myelomzellen zu eradizieren [Attal et al. 1996; Attal et al. 2003]. Dass durch die allogene Stammzelltransplantation ein starker immunologisch bedingter Anti-Myelom-Effekt induziert werden kann, konnte am besten durch die Gabe von Spenderlymphozyten, sogenannter Donor lymphocyte infusions (DLI), gezeigt werden. Hierbei erhielten Patienten, die nach allogener Blutstammzelltransplantation ein Rezidiv erlitten, Spenderlymphozyten zur Induktion eines Graft-versus-myeloma-Effekts. Hierdurch konnten Remissionsraten (komplette oder partielle Remission) von 40-67% erreicht werden, jedoch war diese Remission nur bei einer Minderheit der Patienten lang andauernd [Lokhorst et al. 2004; Salama et al. 2000; Ayuk et al. 2004]. Somit existiert dieser Graft-versus-myeloma-Effekt zwar, insgesamt ist er jedoch weniger ausgeprägt als bei anderen Erkrankungen wie z.B. der chronischen myeloischen Leukämie oder der chronischen lymphatischen Leukämie. Ähnlich wie bei der Hochdosistherapie allein ist es daher unwahrscheinlich, dass immunkompetente Spender-T-Zellen fähig sind, allein alle Myelomzellen erfolgreich zu eliminieren. Andererseits scheint die Kombination aus beiden Therapieformen (sowohl Hochdosistherapie als auch Immuntherapie mithilfe immunkompetenter Spenderzellen) plus allogener Stammzelltransplantation ein langes krankheitsfreies Überleben bei ca. 30-40% der Patienten zu induzieren.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
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