Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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4 Ätiologie und Pathogenese myelodysplastischer Syndrome

Autor/en: F. Nolte, S. Klein, H.-J. Fricke, A. Fabarius, W.-K. Hofmann
Letzte Änderung: 30.05.2012

MDS sind klonale Erkrankungen der Blutbildung, deren Ursache in der malignen Transformation blutbildender Vorläuferzellen liegt.

Therapieassoziierte MDS (ca. 10%) können nach vorangegangener Chemo- und/oder Strahlentherapie auftreten, in ca. 90% der Fälle lässt sich eine Noxe jedoch nicht sicher nachweisen. Verschiedene andere Faktoren prädisponieren für die Entstehung eines MDS, zu diesen gehört u.a. die jahrelange Exposition gegenüber benzolhaltigen Lösungsmitteln. In diesen Fällen sind MDS als Berufserkrankungen anerkannt.
Darüber hinaus können sich MDS aus anderen hämatologischen Erkrankungen wie der aplastischen Anämie oder der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie entwickeln.

Patienten mit einem MDS zeigen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer akuten myeloischen Leukämie, wobei die mediane Zeit bis zur Entwicklung einer AML (bei 25% der Patienten) vom Subtyp des MDS abhängt und von 10 Jahren bei Frühformen bis zu 3 Monaten bei fortgeschrittenen Formen reicht.

Die molekulare Charakterisierung des MDS hat in den letzten Jahren starke Fortschritte gemacht. Moderne Hochdurchsatzverfahren wie zum Beispiel das "Next Generation Sequencing" (NGS), das eine Sequenzierung des Genoms von Zellen der Hämatopoese in kurzer Zeit ermöglicht, aber auch arraybasierte genomweite Analysen von Einzelnukleotid-Polymorphismen ("Single Nucleotide Polymorphisms"; SNPs), der Genexpression oder der genomischen Methylierungsmuster haben in der jüngeren Vergangenheit das Bild der MDS zunehmend differenziert und von denen anderer myeloischer Erkrankungen abgegrenzt.
Der Nachweis von Mutationen in Genen wie JAK2 und SF3B1 erlauben inzwischen eine sehr klare Trennung zwischen MDS und myeloproliferativen Neoplasien (MPN) [Malcovati L 2011] [Yoshida K 2011].
Mutationen in Genen wie TET2, EZH2 oder ASXL1 und verschiedenen anderen Genen erlauben, in morphologisch und zytogenetisch unklaren Fällen zumindest den Klonalitätsnachweis zu führen [Kosmider O 2009].
Darüber hinaus konnten innerhalb der MDS Genmutationen nachgewiesen werden, die praktisch ausschließlich in bestimmten Subtypen auftreten [Papaemmanuil E 2011].

Neben der Analyse von Genmutationen zur Diagnosesicherung erlaubt der Nachweis bestimmter Mutationen auch eine prognostische Aussage wie im Falle von Mutationen in Genen wie TET2 oder SF3B1, die mit einer guten Prognose assoziiert sind bzw. ASXL1-Mutationen (und andere), die prognostisch ungünstig zu sein scheinen [Gelsi-Boyer V 2012] [Thol F 2011].

Darüber hinaus ist das bisher klar umrissen geglaubte 5q-minus-Syndrom von einer wesentlich größeren molekularen und auch prognostischen Heterogenität als zunächst angenommen. Insbesondere scheinen Mutationen im p53-Gen mit einem deutlich erhöhten Risiko für die Entwicklung einer AML einherzugehen [Jadersten M 2011].

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