Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Risikofaktoren für arterielle und venöse thrombembolische Ereignisse bei Polycythaemia vera (PV): unizentrische Erfahrung bei 587 Patienten

Titel des Originals:

Risk Factors for Arterial Versus Venous Thrombosis in Polycythemia Vera: Single Center Experience in 587 Patients

Abstract-Nr.:

948

Jahr:

2016

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2016 128: Abstract 948

Autor/en:

Sonia Cerquozzi, MD1, Daniela Barraco, MD1*, Terra L. Lasho, PhD1*, Christy Finke, BS1*, Curtis A. Hanson, MD2, Rhett P. Ketterling, MD3*, Animesh Pardanani, MBBS, PhD1, Naseema Gangat, MBBS1 and Ayalew Tefferi, MD4

Institution/en:

1Division of Hematology, Mayo Clinic, Rochester, MN; 2Division of Hematopathology, Mayo Clinic, Rochester, MN; 3Department of Laboratory Medicine and Pathology, Mayo Clinic, Rochester, MN; 4Division of Hematology, Department of Internal Medicine, Mayo Clinic, Rochester, MN

Zusammenfassung des Berichts

40% der betreuten PV-Patienten erlitten ein thrombembolisches Ereignis (TE). Risikofaktoren für arterielle TE waren höheres Alter, frühere arterielle Ereignisse, Hyperlipidämie und Hypertonie, für venöse TE jüngeres Alter, frühere venöse Ereignisse und erhöhte Leukozytenzahl. Mutationen in TET2 oder ASXL1 waren ohne Relevanz.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

In einer früheren Studie der "International Working Group on Myeloproliferative Neoplasms Research and Treatment" (IWG-MRT) konnten frühere arterielle Ereignisse und arterielle Hypertonie als Risikofaktoren für nachfolgende arterielle sowie frühere venöse Ereignisse und Alter über 65 Jahre als Risikofaktoren für nachfolgende venöse Ereignisse bei PV-Patienten identifiziert werden. In dieser Unizentrums-Analyse geht es um die Bestätigung der zuvor durch die IWG-MRT gefundenen Risikofaktoren sowie die Identifizierung weiterer Details im Hinblick auf arterielle versus venöse Ereignisse bei Patienten mit PV.

Fragestellung der Studie

Patienten aus der Zentrumsdatenbank, die die Kriterien von IWG-MRT für die Diagnosestellung einer PV erfüllen, wurden ausgewählt.

Art der Studie

Retrospektive unizentrische Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Die Analyse wurde bei insgesamt 587 Patienten mit PV an der Mayo-Klinik durchgeführt. In die statistischen Analysen gingen die klinischen und Laborparameter zum Zeitpunkt der Diagnose mit ein.

Ergebnisse, Toxizität

Das mediane Alter der Patienten war 60 Jahre, davon waren 48% männlich. Bei 133 Patienten waren auch Daten zur Mutation in den TET2- und ASXL1-Genen verfügbar. Eine Mutation wurde im TET2-Gen bei 18% sowie im ASXL1-Gen bei 11% nachgewiesen.
Das mediane Überleben der Patienten war 16 Jahre, eine leukämische oder fibrotische Transformation ist bei 4% bzw. bei 14% der Patienten dokumentiert worden.
40% der Patienten (n=235) erlitten mindestens ein TE vor oder nach Diagnosestellung, davon 153 (26%) arteriell und 14 (18%) venös. TE vor Diagnosestellung wurde bei 146 Patienten (25%), davon 97 (17%) arteriell und 55 (9%) venös, TE nach Diagnosestellung wurde bei 128 Patienten (22%), davon 82 (14%) arteriell und 57 (10%) venös, dokumentiert.

Signifikante Risikofaktoren für arterielle oder venöse TE vor oder zur Zeit der Diagnosestellung waren in der uni- bzw. multivariaten Analyse Tabakkonsum, Diabetes und Hyperlipidämie, für die arteriellen TE höheres Alter, Diabetes, Hypertonie und Hyperlipidämie, für die venösen TE weibliches Geschlecht, jüngeres Alter, niedrige Thrombozyten und palpable Splenomegalie.
Die Mutationen im TET2- und ASXL1-Gen waren ohne Relevanz.
Signifikante Risikofaktoren für TE nach Diagnosestellung waren für arterielle TE höheres Alter, frühere arterielle Ereignisse, Hyperlipidämie und Hypertonie, für venöse TE jüngeres Alter, frühere venöse Ereignisse sowie eine erhöhte Leukozytenzahl.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

In der vorgelegten Studie wurden frühere arterielle und auch venöse Ereignisse als Risikofaktoren für ein erneutes arterielles bzw. venöses Ereignis bestätigt. Im Gegensatz dazu war nicht die höhere sondern die niedrigere Thrombozytenzahl ebenso wie die Splenomegalie ein Risikofaktor für bevorstehende venöse Ereignisse. Bei den arteriellen Ereignissen bestätigten sich ebenfalls die Komorbiditäten Hypertonie und Hyperlipidämie als Risikofaktor für TE.

Kommentar / Beurteilung

Diese vorgelegten Daten liefern eine wichtige Grundlage zur Einschätzung von TE bei Patienten mit PV, die auch hier bestätigt häufiger bei PV anzutreffen sind als die Transformation in Fibrose oder AML. Ebenfalls interessant ist, dass die Mutationen in TET2- und ASXL1-Genen keine Risikofaktoren für die assoziierten TE darstellen. Diese werden in weiteren Studien sicher noch hinsichtlich der Transformation der Erkrankung ausgewertet.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik II, Elblandklinikum Riesa, Weinbergstraße 8, 01589 Riesa

Letzte Änderung:

07.01.2017


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Barbui T, et al.
    In Contemporary Patients with Polycythemia Vera, Rates of Thrombosis and Risk Factors Delineate a New Clinical Epidemiology.
    Blood 2014 124:1822
    [Abstract online]