Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Anwendung und klinische Weiterentwicklung von liposomalem Cytarabin in der Hämatologie

Autor/en: Dr. Petra Ortner, München
Letzte Änderung: 29.03.2005

Vorteile durch seltenere intrathekale Gaben von liposomalem Cytarabin

Die Vorteile des intrathekal zu applizierenden liposomalen Cytarabins liegen darin, dass sich das langsam aus liposomalem Cytarabin freigesetzte Cytarabin bei Injektion in den Lumbalsack deutlich besser in der Zerebrospinalflüssigkeit verteilt als konventionelles Cytarabin. Über zwei Wochen wird bei Gabe von liposomalem Cytarabin ein therapeutisch wirksamer Spiegel im Liquorraum aufrecht erhalten und die intrathekalen Applikationen müssen nur mehr alle 2 Wochen erfolgen. Dies ist für die Lebensqualität der Patienten ein entscheidender Vorteil, erklärte Dr. Inken Hilgendorff von der Medizinischen Universitätsklinik in Rostock. Sie stellte im Rahmen eines Round-Table-Gespräches 5 Patienten mit leptomeningealem Befall bei unterschiedlichen malignen Erkrankungen vor, die an der Rostocker Klinik mit liposomalem Cytarabin behandelt worden sind. Insgesamt sprach die Behandlung in der Regel rasch an und die selteneren intrathekalen Gaben wurden sowohl aus Patientensicht als auch von den behandelnden Ärzten als deutlich angenehmer empfunden, zumal sich hierdurch auch das Risiko von therapieassoziierten Nebenwirkungen wie beispielsweise Infektionen deutlich vermindert. Was noch aussteht, so Dr. Hilgendorff, seien Langzeitbeobachtungen von Patienten, die mit liposomalem Cytarabin behandelt wurden.

ZNS-gerichtete Prophylaxe bei akuten Leukämien und hochaggressiven Lymphomen

Im Rahmen eines internationalen Expertentreffens stellte Dieter Hoelzer, Frankfurt, die neu-en Studienkonzepte der German Multicenter Study Group for Adult ALL (GMALL) vor. Wegen des hohen Rezidiv-Risikos wird heute bei allen Patienten mit ALL eine ZNS-Prophylaxe durchgeführt. Die intrathekale Therapie mit Methotrexat oder freiem Cytarabin ist jedoch mit einer nicht unbeträchtlichen Toxizität assoziiert. Eine Phase-II-Studie untersucht daher der-zeit die Wirksamkeit und Sicherheit von liposomalem Cytarabin bei Patienten mit ZNS-Relapse bei ALL oder hoch aggressiven Lymphomen. Zukünftige Fragestellungen, die in Studien mit liposomalem Cytarabin zu klären sind, sind für Prof. Hoelzer die Kombination mit systemischer Therapie, die Behandlung von Patienten mit primärem ZNS-Befall, sowie eine randomisierte Studie zur ZNS-Prophylaxe. Auch die Rolle von Dexamethason sollte endlich eindeutig abgeklärt werden. Um solche Studien in kurzer Zeit mit einer ausreichenden Pati-entenzahl durchführen zu können, werden gemeinsame Studien mit anderen europäischen Studiengruppen angestrebt.

Internationale EORTC-Studie soll Stellenwert der intrathekalen Therapie bei soliden Tumoren klären.

Während in Deutschland wie in zahlreichen anderen europäischen Ländern auch die intrathekale Chemotherapie bei diagnostiziertem leptomeningealem Befall bei soliden Tumoren als Standardvorgehen gilt, ist dies z.B. in Großbritannien noch nicht der Fall. Dieser Fragestellung will daher die EORTC in einer geplanten randomisierten Studie nachgehen, in der die intrathekale Gabe von liposomalem Cytarabin mit Plazebo bei gleichzeitiger systemischer Therapie verglichen wird. Primäre Studienendpunkte sind das neurologisch progressionsfreie Überleben und die Toxizität.

Quelle: 2 Roundtables der Mundipharma anlässlich der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) in San Diego im Dezember 2004