Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Induktionschemotherapie gefolgt von Thoraxbestrahlung mit oder ohne simultane Chemotherapie beim lokal fortgeschrittenen inoperablen NSCLC: eine randomisierte Phase-III-Studie

Titel des Originals:

Induction chemotherapy followed by thoracic irradiation with or without concurrent chemotherapy in locally advanced inoperable NSCLC: A randomized phase III trial

Abstract-Nr.:

7520

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

A. Ardizzoni, L. Boni, T. Scolaro, G. Selvaggi, F. De Marinis, L. Buffoni, F. Grossi, V. D'Alessandro, S. Barbera, C. Caroti

Institution/en:

University Hospital, Parma, Italy; National Institute for Cancer Research, Genoa, Italy; S. Andrea Hospital, La Spezia, Italy; University of Turin, Turin, Italy; S. Camillo-Forlanini Hospital, Rome, Italy; Molinette Hospital, Turin, Italy; Casa Sollievo della Sofferenza Hospital, S. Giovanni Rotondo, Italy; Annunciata Hospital, Cosenza, Italy; Galliera Hospital, Genoa, Italy

Zusammenfassung des Berichts

Nach vorangegangener Induktionschemotherapie lassen sich die Ergebnisse der Strahlentherapie durch die simultane Applikation von Paclitaxel gegenüber alleiniger Bestrahlung nicht verbessern.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung ist Standard in der Behandlung des inoperablen NSCLC im Stadium III. Simultan verabreicht zeigt sich ein moderater Vorteil gegenüber der sequenziellen Applikation auf Kosten einer höheren Toxizität.

Fragestellung der Studie

Das Ziel der Studie bestand darin, zu zeigen, ob die simultane Applikation von Chemotherapie zur Radiotherapie nach vorangegangener Induktionschemotherapie die Behandlungsergebnisse verbessern kann. Primärer Endpunkt war das mediane Überleben; sekundäre Endpunkte waren progressionsfreies Überleben, Ansprechrate und Toxizität.

Art der Studie

Randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Die Patienten erhielten nach Randomisation zunächst 2 Zyklen Chemotherapie mit 200 mg/m² Paclitaxel und Carboplatin AUC 6 oder Cisplatin 80 mg/m² an den Tagen 1 und 22. Anschließend erfolgte eine Bestrahlung mit Einzeldosen von 1,8 oder 2,0 Gy bis zur Gesamtherddosis von 60 bis 63 Gy allein oder unter zusätzlicher wöchentlicher Gabe von 60 mg/m² Paclitaxel, 6-7x im experimentellen Arm. Geplant war der Einschluss von 300 Patienten, um eine Reduktion der Mortalität von 30% im Chemoradiotherapie-Arm zu zeigen.

Ergebnisse, Toxizität

Wegen schlechter Rekrutierung musste die Studie bereits nach dem Einschluss von 151 Patienten beendet werden.
Das Ansprechen war mit 53,7% und 52,2% vergleichbar. Medianes progressionsfreies (7,1 vs. 8,4 Monate) und Gesamtüberleben (13,1 vs. 15,1 Monate) zeigten keine signifikanten Unterschiede. Das 3-Jahres-Überleben betrug 21,2% bzw. 21,9%.
Auch hinsichtlich der Toxizität ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen. Bei der simultanen Gabe von Paclitaxel trat in 1,5% der Fälle eine Grad-3/4-Pneumonitis auf, die bei einem Patienten zum Tode führte. Im experimentellen Arm fanden sich knapp 10% weniger Lokalrezidive.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Ergebnisse der Studie zeigen keinen Vorteil der simultanen Gabe von Paclitaxel zur Radiotherapie. Gründe könnten die niedrige Paclitaxel-Dosis oder das Fehlen von Platin sein.

Kommentar / Beurteilung

Die Studie hatte wegen des vorzeitigen Rekrutierungsstopps eine zu geringe Power, um einen Vorteil für die simultane Chemoradiotherapie zu zeigen. Eine multizentrische deutsche Studie [Huber RM 2006], die nahezu das gleiche Design angewendet hatte, konnte ein signifikant besseres progressionsfreies Überleben für die simultan behandelten Patienten nachweisen, während das mediane Überleben nur tendenziell zu steigern war. In allen Untersuchungen, bei denen auch das mediane Überleben signifikant verbessert werden konnte, kam eine platinhaltige Chemotherapie simultan zur Radiotherapie zum Einsatz. In einer 2007 veröffentlichten Phase-III-Studie [Vokes EE 2007] wurde ferner gezeigt, dass die Mehrzahl der Patienten nicht von einer Induktionschemotherapie gegenüber alleiniger Chemoradiotherapie profitierte.
Aktueller Standard für Patienten mit NSCLC im inoperablen Stadium III ist bei gutem Performance-Status und ausreichender funktioneller Reserve die frühe simultane Chemoradiotherapie mit einer platinhaltigen Kombination.


Autor des Berichts:

Dr. med. Sylvia Gütz

Institution:

Klinikum St. Georg gGmbH, Robert-Koch-Klinik, Nikolai-Rumjanzew-Str. 100, 04207 Leipzig

Letzte Änderung:

23.06.2008



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Huber RM, Flentje M, Schmidt M, Pöllinger B, Gosse H, Willner J, Ulm K; Bronchial Carcinoma Therapy Group.
    Simultaneous chemoradiotherapy compared with radiotherapy alone after induction chemotherapy in inoperable stage IIIA or IIIB non-small-cell lung cancer: study CTRT99/97 by the Bronchial Carcinoma Therapy Group.
    J Clin Oncol. 2006 Sep 20;24(27):4397-404. PM:16983107
    [Medline]


  • Vokes EE, Herndon JE 2nd, Kelley MJ, Cicchetti MG, Ramnath N, Neill H, Atkins JN, Watson DM, Akerley W, Green MR; Cancer and Leukemia Group B.
    Induction chemotherapy followed by chemoradiotherapy compared with chemoradiotherapy alone for regionally advanced unresectable stage III Non-small-cell lung cancer: Cancer and Leukemia Group B.
    J Clin Oncol. 2007 May 1;25(13):1698-704. Epub 2007 Apr 2. PM:17404369
    [Medline]


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