Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Langzeitüberleben und Risikostratifizierung in einer prospektiven deutschen multizentrischen randomisierten Studie mit dem Vergleich von Induktionschemotherapie gefolgt von simultaner Radiochemotherapie, Operation (trimodal) und prophylaktischer Hirnbestrahlung gegen alleinige Lokaltherapie (Operation und adjuvante Radiotherapie) bei operablen NSCLC im Stadium IIIA.

Titel des Originals:

Long-term survival (LTS) and competing risks within a prospective multi center German randomized trial comparing induction chemotherapy (CTx) followed by concurrent (cc) chemoradiation (CTx/RTx) plus surgery (SURG; TRIMODALITY) supplemented by PCI versus local treatment (Tx) alone (SURG + RTx) in operable IIIA NSCLC.

Abstract-Nr.:

7042

Jahr:

2011

Original im Internet:

J Clin Oncol 29: 2011 (suppl; abstr 7042)

Autor/en:

T. C. Gauler, C. Poettgen, H. Wagner, S. Korfee, R. Hepp, G. Stamatis, J. Von Pawel, B. Passlick, V. Budach, H. Wilke, S. Seeber, M. Stuschke, W.E.E. Eberhardt

Institution/en:

West German Tumor Center, University Hospital Essen, Essen, Germany; Department of Radiation Oncology, West German Tumor Centre, Essen, Germany; Asklepios Clinic Gauting, Gauting, Germany; Department of Medicine (Cancer Research), University Hospital Essen, West German Tumor Centre, Essen, Germany; University Hospital Essen, Germany Ruhrlandclinics, Essen, Germany; Asklepios Klinikum Gauting, Munich, Germany; University Clinic Freiburg, Freiburg Baden-Wuerttemberg, Germany; Department of Radiooncology CCM/CVK, Charite University Hospital, Berlin, Germany; Kliniken Essen Mitte Center of Pallative Care, Essen, Germany; Kliniken Essen Mitte, Essen, Germany; University Hospital - University Duisburg-Essen, Essen, Germany

Zusammenfassung des Berichts

Das Langzeitüberleben bei Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA scheint eher durch nicht tumorbedingte Risiken wie Toxizitäten, Komorbiditäten und Zweitkarzinome als durch die Therapieintensität beeinflusst zu werden.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die ersten Daten dieser Studie [Pöttgen C 2007] zeigten, dass es ohne prophylaktische Schädelbestrahlung zu vermehrten zerebralen Rezidiven als frühe Form des Therapieversagens gekommen ist, daher erscheint nun die Betrachtung der Langzeitdaten, um auch die Spätfolgen der intensiveren Therapie in die Risikostratifizierung eingehen zu lassen sinnvoll.

Fragestellung der Studie

Die Analyse der Langzeitdaten soll die Frage klären, ob die initial gesehene Verbesserung der zerebralen Rezidivrate auch einen Effekt auf das Langzeitüberleben hat. Zusätzlich untersucht wurden Gesamtüberleben (OS), progressionsfreies Überleben (PFS), tumorspezifisches Überleben, Rate an Hirnrezidiven und nicht tumorbedingten Ereignissen sowie abschließend eine gegenstellende Risikoanalyse.

Art der Studie

Multizentrisch, randomisiert, Phase III

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Eingeschlossen wurden Patienten mit operationsfähigem NSCLC im Stadium IIIA in gutem Zustand ohne wesentliche Begleiterkrankungen zwischen 01/1995 und 10/2001. Randomisation 1:1 in:

  • Arm A (51 Patienten): primäre Operation und anschließende adjuvante Radiotherapie des Mediastinums.
  • Arm B (55 Patienten): 3 Zyklen Chemotherapie (60 mg/m2 Tag 1 und 8) und Etoposid (150 mg/m2 Tag 3, 4, 5) Wiederholung Tag 22. Gefolgt von CTx/RTx mit Cisplatin (50 mg/m2 Tag 2 und 9) und Etoposid (100 mg/m2 Tag 4-6) zusammen mit 45 Gy (1,5 Gy 2x tgl.). Die Operation folgte 3 bis 5 Wochen nach Radiochemotherapie. Nach OP schließlich noch prophylaktische Schädelbestrahlung.

Ergebnisse, Toxizität

  • Gesamtüberleben: 2-Jahres-Überleben (JÜR) A: 44,2%, B: 54,6%; 5-JÜR A: 23,5%, B: 20,0%; 10-JÜR A: 10%, B: 12,5% (p=0,30 / 0,14 Log-Rank/Wilcoxon).
  • Tumorspezifisches Überleben: 2-JÜR A: 32,5%, B: 40,5%; 5-JÜR A: 23,1%, B: 25,0%; 10-JÜR A:18,5%, B: 25,0% (p=0,16 / 0,059 Log-Rank/Wilcoxon).
  • Kumulative 10-Jahreswahrscheinlichkeit nicht tumorspezifischer Ereignisse (Toxizität, Komorbidität, Zweitkarzinom): B: 56,3%, A: 67,7% (nicht signifikant).
  • Zerebrales Rezidiv als Ort des ersten Therapieversagens: B: 16,6%, A: 30,4% (p=0,059 / 0,020 Log-Rank/Wilcoxon).
  • In der Analyse der gegenübergestellten Risiken (zerebrales Frührezidiv vs. vermehrte Toxizität und mehr nicht tumorbedingte Ereignisse) zeigte sich, dass das Risiko bezüglich der nicht tumorbedingten Ereignisse eine signifikant stärkere Beeinflussung des Gesamtüberlebens ausübt.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Das Langzeitüberleben bei Patienten mit NSCLC im Stadium IIIA scheint eher durch nicht tumorbedingte Risiken wie Toxizitäten, Komorbiditäten und Zweitkarzinome als durch die Therapieintensität beeinflusst zu werden. Eine genauere Selektierung des Patientenkollektivs bezüglich möglicher Toxizitäten würde das Outcome bei aggressiverer Therapie sicherlich positiv beeinflussen.

Kommentar / Beurteilung

Aus meiner Sicht verdeutlicht die Studie vor allem, dass Patienten im Stadium IIIA grundsätzlich gesehen eine potenziell schlechte Prognose haben, ganz gleich welche Aggressivität man in der Wahl der Therapie trifft. Was allerdings in dieser Studie nicht untersucht wurde, ist die Lebensqualität. Dies ist sicherlich dem damaligen Zeitgeist geschuldet, aber gerade das könnte ebenfalls Ausschlag gebend in der Wahl der individuellen Therapie sein, insbesondere die prophylaktische Schädelbestrahlung kann potenziell sehr einschneidende neurologische Spätfolgen auslösen.
Zusammenfassend stimme ich den Verfassern aber in dem Punkt zu, dass eine bessere Patientenselektion bzw. Therapieindividualisierung auch in der (neo-)adjuvanten Situation Sinn macht.


Autor des Berichts:

Dr. rer. pol. Okan Zaba

Institution:

Evangelische Lungenklinik Berlin Buch, Klinik für Pneumologie, Lindenberger Weg 27, 13125 Berlin

Letzte Änderung:

19.06.2011



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Pöttgen C, Eberhardt W, Grannass A, Korfee S, Stüben G, Teschler H, Stamatis G, Wagner H, Passlick B, Petersen V, Budach V, Wilhelm H, Wanke I, Hirche H, Wilke HJ, Stuschke M.
    Prophylactic cranial irradiation in operable stage IIIA non small-cell lung cancer treated with neoadjuvant chemoradiotherapy: results from a German multicenter randomized trial.
    J Clin Oncol. 2007 Nov 1;25(31):4987-92. PMID:17971598
    [Medline]