Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Amatuximab, ein chimärer monoklonaler Antikörper gegen Mesothelin als Kombinationstherapie mit Pemetrexed und Cisplatin bei Patienten mit nicht operablem Pleuramesotheliom: Ergebnisse einer Phase-II-Multizenterstudie

Titel des Originals:

Amatuximab, a chimeric monoclonal antibody to mesothelin, in combination with pemetrexed and cisplatin in patients with unresectable pleural mesothelioma: Results of a multicenter phase II clinical trial.

Abstract-Nr.:

7030

Jahr:

2012

Original im Internet:

J Clin Oncol 30, 2012 (suppl; abstr 7030)

Autor/en:

Raffit Hassan, Thierry Marie Jahan, Hedy Lee Kindler, Lyudmila Bazhenova, Martin Reck, Ira Pastan, Alison Ellis, Penny Marie Fatato, John Heyburn, Charles Schweizer, Jeff Parno, Bruce Wallin

Institution/en:

National Cancer Institute, Bethesda, MD; University of California, San Francisco, San Francisco, CA; The University of Chicago Medical Center, Chicago, IL; University of California, San Diego Moores Cancer Center, La Jolla, CA; Hospital Grosshansdorf, Großhansdorf, Germany; Laboratory of Molecular Biology, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Bethesda, MD; Morphotek, Exton, PA; United BioSource Corporation, Blue Bell, PA

Zusammenfassung des Berichts

Amatuximab scheint als potentieller Kombinationspartner der bisher etablierten Chemotherapie mit Pemetrexed/Cisplatin von Nutzen mit vertretbarem Nebenwirkungsprofil

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Amatuximab (MORAb-009) ist ein chimärer monoklonaler Antikörper gegen Mesothelin, ein Zelloberflächenglykoprotein mit hoher Expression bei einigen Tumoren, einschließlich des malignen Pleuramesothelioms.

Fragestellung der Studie

Primärer Enpunkt: Ermittlung des progressionsfreien Überlebens (PFS) nach 6 Monaten. Sekundäre Endpunkte: Gesamtüberleben (OS), die objektive Ansprechrate (ORR) und die Sicherheitsbeurteilung von Amatuximab in der Kombinationstherapie mit Pemetrexed/Cisplatin.

Art der Studie

Einarm-Multizentrums-Phase-II-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Einschlusskriterien: Patienten mit nicht operablem, epithelialen oder biphasischen malignen Pleuramesotheliom, keine vorausgegangene Chemotherapie, Karnofsky-Index >70%.

Von 2/09 bis 10/10 wurden 89 Patienten aus 26 Zentren eingeschlossen. Durchschnittliches Alter 67 Jahre (46-80 Jahre), 78% Männer, 70% mit Karnofsky-Index >90%, 89% mit epithelialem malignen Pleuramesotheliom (MPM) und 11% mit biphasischem MPM. 88% hatten eine Erkrankung in Stadium III/IV.

Die Patienten erhielten am Tag 1 des Zyklus Pemetrexed (500 mg/m2) plus Cisplatin (75 mg/m2) und zusätzlich Amatuximab (5 mg/kg) am Tag 1 und 8. Zykluswiederhohlung alle 21 Tage, geplant waren 6 Zyklen. Patienten mit radiologisch dokumentierter Tumorrückbildung oder stabiler Tumorerkrankung erhielten nach den 6 Zyklus eine Mono-Erhaltungstherapie mit Amatuximab bis zum Tumorprogress.

Ergebnisse, Toxizität

Im Durchschnitt wurden 5 Therapiezyklen verabreicht. 56 Patienten (63%) erhielten eine Erhaltungstherapie mit Amatuximab. Zusätzlich zu den bekannten Nebenwirkungen von Pemetrexed/Cisplatin wurden bei 12,4% (davon 4,5% Grad 3/4) Hypersensitivitäts-Nebenwirkungen durch Amatuximab beobachtet. In einer unabhängig durchgeführten radiologischen Auswertung hatten 30 Patienten (39%) eine partielle Tumorrückbildung und 39 Patienten (51%) eine stabile Tumorerkrankung.

Progressionsfreies Überleben (PFS) nach 6 Monaten 52%. Bei den eingeschlossenen Patienten zeigte sich mit 90% eine gutes Therapieansprechen im Sinne einer partiellen Tumorrückbildung (39%) oder anhaltend stabilen Tumorerkrankung (51%). Das progressionsfreie Überleben war im Vergleich zur bisherigen Standardchemotherapie mit Pemetrexed/Cisplatin nicht verlängert, es zeigte sich aber ein medianes Gesamtüberleben von 14,8 Monaten. Am 18.04.2012 lebten noch 29 der ursprünglich eingeschlossenen 89 Patienten und 5 dieser Patienten erhielten noch Amatuximab.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Kombination des chimären monoklonalen Antikörpers Amatuximab zur Chemotherapie Pemetrexed/Cispaltin ist als gut verträglich einzustufen und zeigt einen Trend deren Wirkung zu verbessern. Weitere Studien zur Nutzenevaluation sind nötig.

Kommentar / Beurteilung

Dr. med. Peggy Balting:
Im Ergebnis der Studie kann ein möglicher Nutzen der zusätzlichen Antikörpertherapie mit Amatuximab vermutet werden. Wie die Autoren schon selbst einschätzten, sind allerdings weitere Studien zur Nutzen und Nebenwirkungsprofil-Evaluation notwendig. Sinnvoll ist eine bessere Patientenselektion mit vorheriger Rezeptorbestimmung des Mesothelins und getrennter Auswertung bezüglich der Mesotheliomhistologie. Wie kann das Therapieansprechen bei auf Pemetrexed/Cisplatin resistenten Mesotheliomen durch Amatuximab verbessert werden? Des Weiteren fehlt die genaue Beschreibung der Amatuximab-Nebenwirkungen.
Fazit: Bis dato bleibt weiterhin die etablierte Chemotherapie mit Pemetrexed/Cisplatin der Standard.

Priv.-Doz. Dr. med. Niels Reinmuth:
In der Subgruppe nicht-sarkomatoide Pleuramesotheliome führte die Kombinationstherapie mit Amatuximab zu einem Überleben, welches vergleichbar ist mit Daten einer Phase-III-Studie mit Cisplatin und Pemetrexed. Prädiktive Marker wären wünschenswert, die derzeit wohl weiter ausgewertet werden (Serum-MPF). Eine bessere Charakterisierung bzw. genaueres Staging von Pleuramesotheliom-Patienten wäre sinnvoll.


Autor des Berichts:

Dr. med. Peggy Balting (a); Priv.-Doz. Dr. med. Niels Reinmuth (b)

Institution:

a) Fachkrankenhaus Coswig GmbH, Zentrum für Pneumologie, Allergologie, Beatmungsmedizin, Thorax- und Gefäßchirurgie, Neucoswiger-Str. 21, 01640 Coswig; b) Krankenhaus Großhansdorf, Wöhrendamm 80, 22927 Großhansdorf

Letzte Änderung:

10.06.2012



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Vogelzang NJ, Rusthoven JJ, Symanowski J, Denham C, Kaukel E, Ruffie P, Gatzemeier U, Boyer M, Emri S, Manegold C, Niyikiza C, Paoletti P.
    Phase III study of pemetrexed in combination with cisplatin versus cisplatin alone in patients with malignant pleural mesothelioma.
    J Clin Oncol. 2003 Jul 15;21(14):2636-44. PMID:12860938
    [Medline]