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Radioimmuntherapie mit Ibritumomab-Tiuxetan verbessert die Chancen von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom

Autor/en: Dagmar Jäger-Becker, Medizinjournalistin
Letzte Änderung: 18.03.2004

Kurzbericht über einen Vortrag im Rahmen des Satellitensymposiums "Die Zukunft der Krebsbehandlung - Radioimmuntherapie und Anti-Angiogenese", gehalten auf dem 26. Deutschen Krebskongress, Berlin, 29. Februar 2004, unterstützt von MedacSchering Onkologie.

Die Powerpoint-Präsentation von Dr. T. Illidge, Southampton University Hospitals, UK, finden Sie in der PDF-Datei in der rechten Spalte.

Die Radioimmuntherapie mit Ibritumomab-Tiuxetan, bei dem der monoklonale Anti-CD20-Antikörper Ibritumomab durch den Chelator Tiuxetan mit der gezielten Strahlenwirkung des Radioisotops 90Yttrium verbunden ist, ist hochwirksam bei Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem follikulären oder transformierten B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom (NHL). So das Ergebnis klinischer Studien mit Ibritumomab-Tiuxetan, die bei einem Satellitensymposium des Unternehmens MedacSchering Onkologie auf dem 26. Deutschen Krebskongress vorgestellt wurden. Das innovative Radioimmuntherapeutikum erzielt signifikant höhere Ansprechraten im Vergleich zu einer Rituximab-Therapie sowie lang anhaltende Remissionen bei NHL-Patienten.

Im Januar 2004 wurde Ibritumomab-Tiuxetan von der Europäischen Kommission für die Behandlung erwachsener Patienten mit CD20-positivem follikulären B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom zugelassen, die nach einer Rituximab-Therapie rezidivieren oder refraktär sind. Ab April 2004 erfolgt der Vertrieb in Deutschland. 90Yttrium ist für die Markierung von Ibritumomab-Tiuxetan zugelassen.

Rationale der Radioimmuntherapie

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) nimmt Platz 5 bei Inzidenz und Mortalität von Krebserkrankungen ein. In Europa sind etwa 230.000 Patienten betroffen. Die jährliche Neuerkrankungsrate liegt bei 70.000. 85% der NHL sind CD20-positiv, bei nahezu 60% der Erkrankungen handelt es sich um follikuläre und aggressive B-Zell-Lymphome, die durch hohe Rezidivraten gekennzeichnet sind. Die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit follikulärem NHL liegt bei 6,2 Jahren.

Die Einführung von Antikörpern in die Therapie von indolenten und aggressiven malignen Lymphomen in den letzten Jahren hat die Heilungsraten bereits verbessern können. Antikörper docken an der Oberfläche der Lymphomzellen an und aktivieren das körpereigene Immunsystem gegen diese Zellen. Die Zukunft der NHL-Therapie sehen Experten jedoch in der Radioimmuntherapie (RIT), da Lymphozyten, insbesondere follikuläre Lymphome, nicht nur chemo- und immuntherapiesensibel sind, sondern auch außerordentlich empfindlich auf Strahlung reagieren. In der Radioimmuntherapie dienen die Antikörper als Träger, um radioaktive Nuklide an die Lymphomzellen zu bringen und diese durch hohe, örtlich eingesetzte Strahlendosen zu zerstören.

Vorteile von Ibritumomab-Tiuxetan

Bei Ibritumomab-Tiuxetan, dem ersten zugelassenen RIT-Antikörper, ist der reine Betastrahler sup>90Yttrium durch den Chelator Tiuxetan stabil an den Antikörper Ibritumomab gekoppelt. Sonst nicht mögliche Strahlendosen werden hochspezifisch und unter größtmöglicher Schonung gesunder Gewebe direkt am Tumor appliziert und damit die Vorteile einer Immun- mit denen der Strahlentherapie kombiniert.

Ibritumomab-Tiuxetan weist Vorteile gegenüber Jod-131-gekoppelten Antikörpern auf, erläuterte Professor Dr. Lorenz Trümper, Göttingen. Das Nuklid Yttrium-90 gibt ausschließlich energiereiche Betastrahlen ab, so dass die Patienten nach der Behandlung nicht isoliert werden müssen und ihre Umgebung nicht gefährdet ist. Die Halbwertszeit ist deutlich kürzer und die Urinausscheidung gering. Aufgrund der größeren Reichweite der Strahlung im Tumor werden auch schlecht zugängliche Tumorbereiche, etwa in den Bulky-Arealen, sowie benachbarte nicht Antigen-exprimierende maligne Zellen zerstört (Kreuzfeuereffekt). Die hohe Sicherheit der RIT mit Ibritumomab-Tiuxetan und die einfache Handhabung mit nur einer i.v.-Applikation werden die Behandlung von Patienten mit B-Zell-Lymphomen wesentlich erleichtern, so Trümper.

Hohe Ansprechraten und dauerhafte Remissionen

In klinischen Phase-II- und III-Studien hat die Therapie mit Ibritumomab-Tiuxetan bei vorbehandelten Patienten mit refraktärem oder rezidivierendem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom zu hohen Ansprechraten von 70-80% und Komplettremissionsraten von 30-45% geführt, fasste Professor Dr. Tim Illidge, Southampton, die Ergebnisse der zulassungsrelevanten Studien zusammen. Bei Rituximab-refraktären Patienten konnte in einer Phase-II-Studie eine Gesamtansprechrate von 74% nach den IWRC-Kriterien (International Workshop Response Criteria) erzielt werden. In einer randomisierten, kontrollierten Vergleichsstudie an 143 mehrfach vorbehandelten Patienten mit follikulärem oder transformiertem niedrigmalignen NHL war die RIT mit Ibritumomab-Tiuxetan einer Rituximab-Monotherapie überlegen: 30% der Ibritumomab-Tiuxetan-Patienten sprachen vollständig auf die Therapie an, unter Rituximab waren es nur 16%. Die Gesamtansprechrate war mit 80% signifikant höher als unter der reinen Antikörpertherapie mit Rituximab (56%). Die mit Ibritumomab-Tiuxetan behandelten Patienten profitierten durch eine lang anhaltende Befreiung von den Krankheitszeichen und benötigten keine weitere Therapie. Bei Patienten mit kompletter Remission wurde in verschiedenen Studien eine mediane Remissions-dauer von 23 Monaten beobachtet. Einige Patienten blieben länger als fünf Jahre progressionsfrei.

Erste Untersuchungen zur Hochdosis-Radioimmuntherapie als Ersatz für die externe Ganzkörper-bestrahlung weisen darauf hin, dass in Kombination mit einer hoch dosierten Chemotherapie und einer Stammzelltransplantation, offenbar auch bei refraktären Lymphomen, Heilungen möglich sind. Gegenwärtig wird Ibritumomab-Tiuxetan als Zweitlinientherapie in der Behandlung des aggressiven NHL sowie als Konsolidierungstherapie bei follikulärem NHL im frühen Krankheitsverlauf geprüft. Auf die Ergebnisse laufender Studien, die den Stellenwert von Ibritumomab-Tiuxetan in der Lymphomtherapie präzisieren sollen, dürfe man gespannt sein, so Trümper.

Ergänzende Literaturreferenz/en:

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    Presentation at ASH No. 870, 2003
    [Abstract online]


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    [Abstract online]


  • Witzig TE, et al.
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    [Abstract online]


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  • Witzig TE, Gordon LI, Cabanillas F, Czuczman MS, Emmanouilides C, Joyce R, Pohlman BL, Bartlett NL, Wiseman GA, Padre N, Grillo-Lopez AJ, Multani P, White
    CA.
    Randomized controlled trial of yttrium-90-labeled ibritumomab tiuxetan radioimmunotherapy versus rituximab immunotherapy for patients with relapsed or
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    J Clin Oncol. 200215;20(10):2453-63. PM:12011122
    [Medline]


  • Younes A, et al.
    A Phase II Study of 90Yttrium-ibritumomab (Zevalin) for the Treatment of Patients with Relapsed and Refractory Mantle Cell Lymphoma (MCL).
    Presentation at ASH No. 1476, 2003
    [Abstract online]


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