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Hoffnungsträger Bendamustin bei malignen Lymphomen

Autor/en: Mascha Pömmerl, Fachjournalistin, Hausham
Letzte Änderung: 18.07.2008

Konferenzbericht vom 10. International Conference on Malignant Lymphoma in Lugano

Auf der 10. International Conference on Malignant Lymphoma (ICML) in Lugano wurde die zunehmende Bedeutung von Bendamustin für die Therapie maligner Lymphome deutlich. In zwei Satellitensymposien beleuchteten internationale Experten aktuelle Fragestellungen der Lymphomtherapie und das Potenzial von Bendamustin zur Therapieoptimierung.

Die Bendamustin-Monotherapie wird bei rezidivierenden oder refraktären indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) in Deutschland mehr und mehr zum festen Bestandteil des Behandlungskonzeptes. Denn obwohl die First-line-Therapie der Erkrankung durch Kombination von Rituximab mit Standard-Chemotherapie die Remissionsraten und Überlebenszeiten von Patienten mit indolenter Erkrankung revolutioniert hat, sprechen manche Patienten auf die Rituximab-basierte Therapie nicht an. Sie sind also primär gegen die Therapie resistent, werden nach einiger Zeit resistent oder erleiden nach initialem Ansprechen später ein Rezidiv, umriss Bruce D. Cheson, Washington, USA, die Problematik. Deshalb sind neue Therapieansätze dringend erforderlich.

Hoffnungsträger: Bendamustin bei Rituximab-Resistenz

Als einen Hoffnungsträger bezeichnete Cheson das Hybrid-Alkylanz Bendamustin, das sowohl die Wirkung eines Alkylanz' als auch eines Purinanalogons besitzt und mit diesem dualen Mechanismus eine eigene neue Substanzklasse darstellt. Die bisherigen, vorwiegend in Deutschland durchgeführten Studien führten zu sehr hohen Ansprechraten, sind jedoch keinesfalls "too good to be true", so Cheson, denn auch aktuelle Studien aus den USA bei Patienten mit verschiedenen refraktären oder rezidivierten NHL konnten diese eindrucksvollen Therapieergebnisse mit Gesamtansprechraten von teilweise über 75% bestätigen. Vor diesem Hintergrund könnte die Bendamustin-Monotherapie bei rezidivierter oder refraktärer Therapiesituation als der neue Standard bei indolenten Lymphomen gelten, an dem sich Substanzen wie Lenalidomid, Bortezomib, "small molecules" und monoklonale Antikörper, die derzeit geprüft werden, messen lassen müssen, folgerte Cheson.

Vielversprechende Studienergebnisse mit Bendamustin in den USA

Mit Blick auf die schwierige Therapiesituation Rituximab-resistenter Patienten bezeichnete auch Jonathan W. Friedberg, Rochester, USA, Bendamustin als vielversprechende und bei diesem Patientenkollektiv sehr wirksame Substanz. In seiner Phase-II-Studie wurde Bendamustin in einer Dosierung von 120 mg/m² an Tag 1 und 2 alle 3 Wochen über 6 Zyklen bei Rituximab-refraktären Patienten mit B-Zell-NHL untersucht. Seiner Meinung nach könnte bei stark vorbehandelten Patienten eine reduzierte Dosis von 90 mg/m² alle 4 Wochen vorteilhaft sein.
Es zeigte sich für das Hybrid-Alkylanz eine Gesamtansprechrate von 76%. Diese ist umso beeindruckender, wenn man die intensive Vorbehandlung der Patienten berücksichtigt. 41% der Patienten hatten bereits vier oder mehr Therapien erhalten, bekräftigte Friedberg. Selbst gegen konventionelle Alkylanzien refraktäre Patienten sprachen zu 61% auf die Therapie mit Bendamustin an, was für Friedberg die Sonderstellung von Bendamustin gegenüber anderen Alkylanzien eindrucksvoll verdeutlicht. An den Ergebnissen dieser Studie müssten sich die Ergebnisse aller zukünftigen Studien, die neue Substanzen bei Rituximab-refraktären indolenten NHL untersuchen, messen lassen, so Friedberg.

Bendamustin plus Rituximab: Effektiv und gut verträglich

Interessante Daten liegen inzwischen auch für die Kombination von Bendamustin mit Rituximab vor, erläuterte Mathias Rummel, Gießen. Eine deutsche multizentrische Phase-II-Studie hat die Effektivität und Verträglichkeit der Kombination Bendamustin plus Rituximab (B-R) bei 63 Patienten mit rezidivierten oder refraktären indolenten oder Mantelzelllymphomen untersucht. Die Kombination war mit einer Gesamtansprechrate von 90% hoch effektiv und erwies sich außerdem als sehr gut verträglich, wie Rummel betonte.
Hämatologische Nebenwirkungen waren nur gering ausgeprägt. Organtoxizitäten oder Alopezie traten nicht auf. Die deutsche Studiengruppe indolente Lymphome (StIL) vergleicht nun in einer Phase-III-Studie das in Deutschland bisher etablierte Regime CHOP plus Rituximab (CHOP-R) mit Bendamustin plus Rituximab (B-R). Bisher wurden 483 Patienten rekrutiert, 331 sind derzeit für das Ansprechen auswertbar. Die Gesamtansprechrate lag unter beiden Regimen bei 94%, davon sprachen 45% der Patienten im B-R-Arm komplett auf die Therapie an, unter CHOP-R hatten 40% eine CR [Rummel MJ 2008]]. Die Wirksamkeit der beiden Regime ist also vergleichbar; hinsichtlich der Verträglichkeit erweist sich B-R der Standardtherapie sogar als überlegen. "Die finalen Ergebnisse dieser Studie nach einem längeren Beobachtungszeitraum werden genauen Aufschluss über den Stellenwert von Bendamustin in der Therapie indolenter und Mantelzelllymphome geben", so Rummel.

Neue First-line-Option bei CLL

In der Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) hat Bendamustin seine hohe Aktivität als Monotherapie auch bei vorbehandelten Patienten in einer Vielzahl von Studien unter Beweis gestellt, so Michael Hallek, Köln. Die exzellenten Ergebnisse der Vergleichsstudie Bendamustin vs. Chlorambucil von Knauf et al. hätten deutlich gemacht, dass Bendamustin das Chlorambucil bald als Referenzsubstanz in der First-line-Therapie der CLL ablösen könnte. In dieser randomisierten multizentrischen Phase-III-Studie wurde bei Patienten mit CLL als First-line Therapie Bendamustin mit Chlorambucil verglichen [Knauf WU 2007]. Die Therapie mit Bendamustin war Chlorambucil bezüglich des Ansprechens (68% vs. 39%) und des progressionsfreien Überlebens (21,7 Monate vs. 9,3 Monate) signifikant überlegen.
 
Diese überzeugenden Daten wurden in sehr kurzer Zeit von der FDA ("US Food and Drug Administration")akzeptiert und haben daher in den USA bereits Anfang dieses Jahres zur Zulassung von Bendamustin bei CLL geführt. Sowohl in Kombination mit Rituximab (im Rezidiv) als auch mit Rituximab und Mitoxantron erwies sich Bendamustin bei Patienten mit CLL als hoch wirksam. Hallek betonte die außerordentlich gute Verträglichkeit von Bendamustin, das sich auch bei der Therapie älterer Patienten nicht nur als sehr effektiv, sondern auch als sehr gut verträglich gezeigt habe, wenn die Dosierung 100 mg/m² nicht überschreitet. Er forderte systematische Studien zur Evaluierung der optimalen Dosierungsschemata und verwies auf die aktuelle Studie CLL 10 der deutschen CLL-Studiengruppe, die die Dreierkombination Fludarabin, Cyclophosphamid, Rituximab mit der Zweierkombination Bendamustin plus Rituximab als First-line-Therapie bei Patienten mit B-CLL hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit vergleichen wird.

Aktuelle Fragestellungen der NHL-Therapie

Zu den ungelösten Fragestellungen bei der Therapie von Non-Hodgkin-Lymphomen gehört die Rolle der Stammzelltransplantation. John Gribben, London, UK, und Mathias Rummel, Gießen, diskutierten den Stellenwert der Transplantation beim ersten Rezidiv indolenter Lymphome. Gribben betonte, dass angesichts fehlender klarer Therapiealgorithmen für die sehr heterogene Erkrankung die Transplantation als eine Therapiemöglichkeit für ausgewählte Patienten mit follikulären Lymphomen im Rahmen klinischer Studien nie außer Acht gelassen werden dürfte. Demgegenüber argumentierte Rummel, dass noch keine randomisierte Studie einen Überlebensvorteil für die Transplantation gegenüber einer Kombination aus Chemotherapie und Rituximab zeigen konnte. Auch seien mittlerweile neue Substanzen wie Bendamustin oder neue monoklonale Antikörper verfügbar, deren Stellenwert evaluiert werden müsste. Alle Experten waren sich einig, dass genauere Erkenntnisse über die Biologie der Erkrankung neue Optionen für die Therapie eröffnen werden.

Quellen:

Symposium "The Evolving Role of Multifunctional Agents in Lymphoid Malignancies" am 3. Juni 2008 anlässlich der 10. International Conference on Malignant Lymphoma in Lugano, Schweiz
 
Symposium "Which problems remain to be solved in non-Hodgkin lymphomas?"

Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Rummel MJ.
    Ann Oncol, Vol. 19, Suppl. 4, May 2008; Abstr. 302


  • Knauf WU. et al.
    Bendamustine Versus Chlorambucil in Treatment-Naive Patients with B-Cell Chronic Lymphocytic Leukemia (B-CLL): Results of an International Phase III Study.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2007 110: Abstract 2043
    [Abstract online]


Externe LinksExterne Links
StiL - Studiengruppe indolente Lymphome
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Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG)
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Interne LinksInterne Links
ASCO-Bericht 2008: Bendamustin und Rituximab in der Therapie von indolenten und Mantelzell-Lymphomen älterer Patienten [Rummel MJ]
ASH-Bericht 2007: Bendamustin + Rituximab vs. CHOP + Rituximab bei NHL (StiL-Studie) [Rummel MJ]