Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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8.1 Anorexie: Definition und Problembeschreibung

Autor/en: K.-H. Vestweber, C. Paul
Letzte Änderung: 31.03.2014

Die Ernährungstherapie bei onkologischen Patienten spielt eine große, wenn auch teilweise unterschätzte, Rolle [Reeves 2007 GK]. Häufig ist ein ungewollter Gewichtsverlust der erste Hinweis auf eine bestehende Karzinomerkrankung [DeWys WD 1980] [Balkwill F 1987]. Unter Anorexie beim Karzinompatienten versteht man einen Komplex aus verschiedenen Symptomen, wie Appetitlosigkeit, frühes Sättigungsgefühl, Aversionen gegenüber bestimmten Lebensmitteln, Geschmacks- und Geruchsstörungen. Aber auch Schmerzen, gastrointestinale Probleme und psychische Belastungen können zu einer Anorexie führen [Komurcu S 2000]. Bei einer verminderten Nahrungsaufnahme von weniger als 80% der üblichen Menge spricht man von einem anorektischen Syndrom [Van Hoof P 1986]. Die DGEM-Leitlinien Onkologie definieren eine Energieaufnahme von weniger als 500 kcal pro Tag als Nahrungskarenz und weniger als 60-80% des Bedarfs als unzureichende Energieaufnahme [Arends J 2003]. Bei der Erstdiagnose leiden bereits ca. 40% aller Tumorpatienten darunter. Die höchste Prävalenz besteht im fortgeschrittenen Tumorstadium. Patienten mit Tumoren im Gastrointestinaltrakt (insbesondere Magen-, Pankreas-, Gallenwegs-, Leber- und Kolonkarzinom) können aufgrund ihres anorektischen Syndroms im Verlauf ihrer Erkrankung eine ausgeprägte Fehlernährung entwickeln, die wesentlich zu einer Erhöhung der Morbidität und Mortalität beiträgt [Ockenga 2002]. Die Folgen einer lang anhaltenden Anorexie mit weiteren Symptomen wie Geschmacksveränderungen, frühe Sättigung, allgemeine Schwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit führen zu einer schweren Kachexie (Auszehrung).

Nicht nur der Tumor selbst, sondern auch notwendige Voruntersuchungen und Operationen verhindern eine adäquate Nährstoffaufnahme und Verwertung. Häufig müssen die Patienten vor diesen Untersuchungen über einen längeren Zeitraum nüchtern bleiben oder können nur eingeschränkt essen. Nach Operationen ist ein sofortiger oraler Kostaufbau selten möglich. Außerdem führen größere Operationen zu katabolen Stoffwechsellagen im Rahmen des Postaggressionssyndroms. Des Weiteren können Radio- und Chemotherapie zu anorektischen Symptomen führen. Akute und chronische Schleimhautschädigungen, medikamentös bedingte Motilitätsstörungen und Obstipationen können Malabsorptionen und eine vorzeitige Sättigung und Inappetenz hervorrufen.

Tumor-Kachexie beeinträchtigt das physische und psychische Wohlbefinden der Patienten (s. Tab. 8.1.1). Karzinom-Patienten haben sich nicht nur mit ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung auseinanderzusetzen, sondern verändern sich durch starken Gewichtsverlust in ihrem Habitus und Aussehen, bedingt durch die Folgen der Mangelernährung. Diese führt zu einer signifikanten Erhöhung der Morbidität und Mortalität, sowie zur Verlängerung der Krankenhausverweildauer und ist damit ein großer Kostenfaktor [McWhriter JP 1994] [Naber THJ 1997] [Müller JM 1982].

Tab. 8.1.1: Symptome der Krebs-Kachexie nach [Langer CJ 2001]

  • Anorexie und frühzeitige Sättigung
  • Schwäche
  • Gewichtsverlust
  • Anämie und Müdigkeit
  • Ödeme
  • Geschwächte Abwehrfunktion ("Immunschwäche")
  • Verminderte motorische Funktionen
  • Verminderte mentale Funktionen, reduzierte Aufmerksamkeit
  • Verminderte Lebensqualität

Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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