Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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2.4 Begleitmaßnahmen bei definierter medikamentöser Therapie: Pulmonale Toxizität

Autor/en: H.-P. Lipp, C. Bokemeyer, S. Koeppen
Letzte Änderung: 17.12.2014

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) sind die häufigste Auswirkung einer Lungentoxizität, die durch Tumortherapeutika ausgelöst wird. Entsprechende Beeinträchtigungen der Lungenfunktion sind nicht nur in Verbindung mit verschiedenen Zytostatika, z. B. Bleomycin, Mitomycin C, Busulfan, Methotrexat, Nitrosoharnstoffen und dem Alkylans Procarbazin bekannt, sondern auch mit zielgerichteten Tumortherapeutika, z. B. Rituximab, Cetuximab, Alemtuzumab, Dasatinib, Gefitinib oder Everolimus und Temsirolimus beschrieben worden [Peerzada MM 2010].

Akute Formen einer Lungenfunktionsstörung (inflammatorische interstitielle Pneumonitis) gehen mit Symptomen wie z.B. Bronchospasmen, unproduktivem Husten oder progressiver Dyspnoe einher. Teilweise spielen dabei auch Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. gegenüber Paclitaxel, Methotrexat, Bleomycin, Procarbazin, Carmustin) eine Rolle. In diesem Fall verschwinden die Symptome nach Absetzen der Substanz bzw. nach dem interventiven oralen Einsatz von Glukokortikoiden wieder. Akute, nicht kardiogen bedingte Lungenödeme können im Rahmen Wirkstoff-induzierter Entzündungen des Endothels und vaskulärer Leckagen auftreten. Solche Lungenfunktionsstörungen sind in Verbindung mit Cytarabin, Interleukin-2 und all-trans-Retinsäure beschrieben worden [Abid SH 2001].

Häufiger ist in Verbindung mit Chemotherapien das Auftreten chronischer Lungenfunktionsstörungen zu beobachten, die sich oft erst Monate nach Therapieende bemerkbar machen und nicht selten in eine Lungenfibrose münden. Die höchsten Inzidenzen wurden bisher bei den Zytostatika Bleomycin, Busulfan, Mitomycin und Carmustin bzw. unter der Anwendung von mTOR-Inhibitoren beobachtet [Kreisman H 1992].

Bleomycin: Die bedeutendste Nebenwirkung des Bleomycins ist eine subakute oder chronische Lungenentzündung (interstitielle plasmazelluläre Pneumonie), die in 1-2% der Fälle die in diesem Zusammenhang eine Lungenfibrose entwickeln, auch tödlich verlaufen kann [Abid SH 2001]. Das Risiko dieser Komplikation bei Patienten mit Hodentumor ist umso größer, je höher die verabreichte kumulative Gesamtdosis der Verbindung (>300-360 mg), je älter der Patient (>40 Jahre), je höher die vorausgegangene Strahlenbelastung der Lunge, je fortgeschrittener das Tumorstadium und je geringer die konstitutive Nierenfunktion des Patienten (Kreatinin-Clearance von <80 ml/min) ist, da Bleomycin zu einem erheblichen Anteil unverändert über die Nieren ausgeschieden wird [O'Sullivan JM 2003]. Hinsichtlich der kumulativen Gesamtdosis ist zu beachten, dass bei Dosen von >450 mg Bleomycin mehr als 10% der behandelten Patienten eine pulmonale Toxizität entwickeln. Als kumulative "Grenzdosis" wurden 300 mg (absolut) definiert. Die Symptome sind oft ähnlich ausgeprägt wie bei der inflammatorischen interstitiellen Pneumonitis. In Fällen einer manifesten Pneumonitis wird der Einsatz eines Glukokortikoids als Mittel der Wahl empfohlen, während Steroidgaben vor der Bolusapplikation bzw. Verlängerungen der Applikationsdauer keine ausreichenden protektiven Effekte mit sich brachten [Kreisman H 1992].

Beim Einsatz des mTOR-Inhibitors Everolimus werden Inzidenzen von 19-54% bezüglich Wirkstoff-assoziierter Lungentoxizität (alle Schweregrade) und ca. 2% bezüglich hochgradiger Nebenwirkungen an der Lunge angegeben. Aus diesem Grund ist ein gründliches Monitoring während der Therapie mit Everolimus (oder Temsirolimus) bei allen Patienten obligat. Radiologisch nachweisbare Veränderungen können eine Dosisreduktion erfordern, während symptomatische Verläufe den Einsatz von 0,25-0,5 mg/kg Prednisolon notwendig werden lassen. Im Falle einer Grad 4 Pneumonitis ist die Therapie mit dem mTOR-Inhibitor zu beenden [Iacovelli R 2012] [Willemsen AECA 2013].


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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