Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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2.5 Begleitmaßnahmen bei definierter medikamentöser Therapie: Hepatotoxizität

Autor/en: H.-P. Lipp, C. Bokemeyer, S. Koeppen
Letzte Änderung: 17.12.2014

Obwohl die Leber eine zentrale Rolle im Arzneistoffmetabolismus spielt und sowohl über die Pfortader nach oraler Gabe als auch über die Leberarterie nach i.v. Gabe erreicht wird, sind nachhaltige Leberschädigungen in Verbindung mit einer Chemotherapie eher als seltenes Ereignis einzustufen. Möglicherweise hängt dieses "paradoxe" Phänomen mit der langsamen Teilungsgeschwindigkeit der Hepatozyten und der starken katabolen Kapazität der Leberenzyme zusammen. Hepatotoxische Ereignisse sind in Verbindung mit Nitrosoharnstoffen, Methotrexat (insbesondere bei Langzeitgabe), 6-Mercaptopurin und seinem Prodrug Azathioprin, Trabectedin, Cytarabin sowie insbesondere L-Asparaginase und damit verwandten Wirkstoffen (z.B. Erwinase, Pegaspargase) beschrieben worden [Perry MC 1982].

Kommt es ausschließlich zu einer Erhöhung der Leberenzymwerte, so wird häufig eine Modifikation der Wirkstoffdosis so lange wie möglich zurückgehalten, da durch empirisch reduzierte Dosen auch der Therapieerfolg eingeschränkt werden kann. Kommt es im Einzelfall zu fulminanten Verläufen, ist ein möglichst rascher, interventiver Einsatz eines Glukokortikoids (z.B. 300 mg Hydrokortison i.v.) indiziert [Herishanu Y 2002].

Insbesondere in Verbindung mit einer Hochdosis-Chemotherapie und einer allogenen bzw. autologen peripheren Stammzelltransplantation (PBSCT) ist unter bestimmten Bedingungen mit dem Auftreten einer Lebervenenverschlusskrankheit (HVOD) zu rechnen [Bearman SI 2000]. In solchen Fällen wird neben dem Einsatz einer intensivierten Glukokortikoidtherapie (z.B. 5 Gaben Methylprednisolon in einer Dosis von 500 mg/m2 KOF alle 6 Stunden) eine tägliche Infusion von Defibrotide über 2 Stunden (initial 10 mg/kg KG i.v., später 30-60 mg/kg KG i.v.) über 14 Tage empfohlen [Shah MS 2009]. Defibrotide ist eine einzelsträngige Polydesoxyribonukleinsäure, der antithrombotische, thrombolytische, antiischämische und antiinflammatorische Eigenschaften zugesprochen werden [Sayer HG 2002]. Wahrscheinlich lässt sich auch mit einer Defibrotid-haltigen Prophylaxe (p.o. oder i.v.) das HVOD-Risiko reduzieren [Cappelli B 2009], allerdings sind hierzu noch weitergehende pharmakoökonomische Auswertungen erforderlich, da der Einsatz des Wirkstoffs mit sehr hohen Therapiekosten verbunden ist.


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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