Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


17 Fatigue - Prophylaxe und Therapie: Therapie und Prophylaxe

Autor/en: H.-H. Flechtner, M. Köhler, J. U. Rüffer
Letzte Änderung: 04.04.2013

Therapie

Mittlerweile liegen eine Reihe von Studien vor, die sich mit Trainingsprogrammen bei Patienten nach und unter laufender Therapie befassen [Dimeo F 2004] [Oldervoll L 2004]. Alle diese Untersuchungen belegen einen positiven, dem Fatigue-Syndrom entgegenwirkenden Effekt [McMillan E 2011]. Einige Empfehlungen können mittlerweile aus den vorliegenden Untersuchungen abgeleitet werden:

  • Beginn des Trainingsprogramms möglichst mit Beginn der Behandlung und Fortsetzung des Programms über die gesamte Behandlungsdauer.
  • Zugrunde liegende spezifische Ursachen für Fatigue, wie z.B. eine Anämie, Schlafstörungen, Ernährungsdefizite und Ähnliches, sollten gesondert diagnostiziert und behandelt werden.
  • Die Intensität des Trainings umfasst eine niedrige bis moderate Belastung (etwa 50-70% der maximalen Herzfrequenz).
  • Es sollte ein kontinuierlicher Trainingsaufbau, beginnend mit 15-30 min an 3-5 Tagen pro Woche erfolgen.
  • Das Training ist hauptsächlich aerober Natur, wenngleich sich Intervalltraining und andere Trainingsformen ebenfalls als effektiv erwiesen haben [Barsevick A 2004].
  • Eine detaillierte strukturierte Dokumentation in Tagebuchform ist sehr effektiv.

Neben diesen auf körperliche Mobilisierung ausgerichteten, nicht pharmakologischen Interventionen gibt es inzwischen eine Reihe von Ansatzpunkten zur pharmakologischen Behandlung von Fatigue. Die vorliegenden Daten zur Therapie von Fatigue mit den klassischen trizyklischen Antidepressiva konnten bislang keine eindeutige Wirksamkeit belegen, das Gleiche gilt für Untersuchungen mit selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRI) [Morrow G 2003]. Demgegenüber lassen erste Untersuchungen mit Psychostimulanzien (z.B. Methylphenidat) eine mögliche Wirksamkeit bei Fatigue erhoffen. [Kerr C 2012] konnten z.B. reduzierte Symptome der Fatigue und Depression im Rahmen einer randomisierten, doppelt verblindeten, Placebo-kontrollierten Studie an Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen aufzeigen. Festzuhalten bleibt, dass hier weitere randomisierte Studien, insbesondere mit größeren Patientenzahlen und mit unterschiedlichen Tumorentitäten, abgewartet werden sollten [Bruera E 2003].

Im Bereich der anämieinduzierten Fatigue bei Tumorpatienten wurden bisher neben der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten, welche schnell eine Korrektur des Hämoglobinwerts bewirken und damit Fatigue entgegenwirken, immer noch die erythropoetisch wirkenden Substanzen genannt. Mittlerweile wird jedoch vom Einsatz dieser Medikamente aufgrund der gesteigerten Häufigkeit von unerwünschten Nebenwirkungen abgeraten [Minton O 2010]. Bei den pharmakologischen Interventionen sind außerdem Behandlungsversuche mit Megestrolacetat zur Verbesserung der Anorexie und zur Behandlung der Kachexie zu nennen, wobei auch für Fatigue erste Erfolge erzielt wurden [Ahlberg K 2003].

Im Rahmen randomisiert-kontrollierter Studien der Evaluation psychoonkologischer Behandlungsansätze konnten eine Reihe von Therapieprogrammen nachhaltige Erfolge erzielen. Neben web-basierten Interventionen zeigten kognitive Therapieansätze (mindful-based therapy, Verhaltenstherapie) gleichermaßen bedeutsame klinische Effekte [Yu Y 2012] [Gielissen M 2006].

In der Quintessenz lässt sich wohl derzeit mit den psychosozialen und den auf körperliche Mobilisierung orientierten Programmen der größte und nebenwirkungsärmste Nutzen für Fatigue-betroffene Patienten und Überlebende erzielen [Kangas M 2008]. Einen zunehmend relevanten Beitrag liefern zudem nach aktuellem Kenntnisstand im Rahmen randomisiert-kontrollierter Studien evaluierte komplementäre Therapieverfahren wie Yoga oder Akkupunktur in Kombination mit Psychoedukation [Bower J 2012] [Johnston M 2011]. Auch der Einsatz von Wurzelextrakten aus asiatischem und amerikanischem Ginseng (Panax ginseng C.A. Meyer und Panax quinquefolius) kann nach den Ergebnissen aus zwei randomisierten klinischen Studien einen Nutzen bei der CRF-Behandlung bringen [Fischer I 2010].

Prophylaxe

Eine allgemein gültige prophylaktische Vorgehensweise zur Verhinderung von tumorbedingter Fatigue kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht empfohlen werden. Am ehesten scheinen die physischen Trainingsprogramme im Sinne einer therapiebegleitenden Frührehabilitation geeignet, einer Fatigue-Induktion entgegenzuwirken und Fatigue-Zustände zu verbessern. Neben Korrektur und Behandlung bestehender identifizierbarer Probleme (Stichworte: Schlaf, Ernährung, Anämie) kann eine generelle pharmakologische Behandlungsempfehlung zurzeit noch nicht ausgesprochen werden.

Da immer noch die wenigsten Patienten hinreichend über eine tumorassoziierte Fatigue aufgeklärt sind, bilden adäquate Patientenaufklärung und -beratung zwei der wichtigsten Bausteine auf dem Weg zu einer effektiven Behandlung von Fatigue - dies insbesondere, um dem Teufelskreis des "Schonungskonzepts" entgegenwirken und entkommen zu können.

Zukünftig wird es um tumor- und organspezifische Symptom- und Befindlichkeitsdefinitionen in Bezug auf Fatigue gehen, die im Kernpunkt die Identifikation spezifischer Untergruppen im Sinne von "High-risk"- und "Low-risk"-Populationen erlauben. Darüber hinaus werden die verschiedenen interventionellen Ansätze diesen Unterscheidungen Rechnung tragen sowie Durchführbarkeit und Wirksamkeit legitimieren müssen. Neben der Entwicklung geeigneter Interventionsstrategien auf verschiedenen Ebenen wird es auch um die Frage der Modifikation der entsprechenden Primärtherapien gehen. Dies betrifft alle onkologischen Therapieverfahren. Darüber hinaus wird die Verschränkung mit der allgemeinen Thematik der subjektiven gesundheitsbezogenen Lebensqualität (health related quality of life) in viel stärkerem Maße deutlich als noch vor wenigen Jahren angenommen - dies umso mehr, da zumindest für einige Bereiche von Fatigue durchaus Erfolg versprechende Interventionsstrategien medikamentöser und nicht medikamentöser Natur zur Verfügung stehen oder sich in Entwicklung befinden.


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]