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17 Gonadotoxizität nach Chemotherapie: Pathophysiologie und Symptomatik
Männliche Infertilität nach zytotoxischer Therapie ist ein Ausdruck des Schadens des Keimepithels in den Tubuli seminiferi des Hodens. Grundsätzlich kann zwischen einem akuten und einem chronischen Schaden differenziert werden. Die akute Infertilität macht sich ab 6 Wochen nach Therapiebeginn bemerkbar, und die Spermienzahlen erholen sich etwa 12 Wochen nach Ende der Therapie wieder. Der chronische Schaden, der durch eine dauerhafte Beeinträchtigung des germinalen Keimepithels entsteht, ist klinisch bedeutsamer, da eine Repopulation der Keimzellen sehr lange dauern kann oder der Schaden irreversibel ist. Eine zytostatikabedingte Azoospermie ist seit längerem bekannt und für eine Reihe von Substanzen sicher nachgewiesen (s. Tab. 17.1) [Bokemeyer C 1999].
Tab. 17.1: Infertilität nach Therapie mit verschiedenen Zytostatika | | Spermatotoxische Wirkung | Auslösung einer ovariellen Dysfunktion | Gesichert | Chlorambucil Cyclophosphamid Nitrosoharnstoff Busulfan Fludarabin Procarbazin CCNU
| Chlorambucil Cyclophosphamid Busulfan CCNU Mitomycin C
| Wahrscheinlich | | | Unwahrscheinlich | Methotrexat 5-Fluorouracil 6-Mercaptopurin Vincristin
| Methotrexat 5-Fluorouracil 6-Mercaptopurin Vincristin
| Nicht bekannt | Bleomycin Etoposid Gemcitabin Taxane Oxaliplatin Irinotecan
| Etoposid Nitrosoharnstoffe Gemcitabin Taxane Oxaliplatin Irinotecan
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Die meisten der beim Mann als keimzellschädigend definierten Substanzen führen auch bei der Frau zur Schädigung des Ovars (s. Tab. 17.1). Folge ist entweder eine vorzeitige Menopause mit bleibendem Fertilitätsverlust oder das "Syndrom der vorzeitigen Perimenopause" mit einer Periode von Monaten bis Jahren der abnormen ovariellen Funktion und der Amenorrhö, aber dem Potenzial zur vollständigen Erholung. Da der zytotoxische Effekt nicht nur die Keimzellen allein, sondern auch die unterstützenden hormonell aktiven Theka- und Granulosazellen betrifft, kann es zudem zu einem Abfall des Spiegels des zirkulierenden Östrogens mit konsekutiver Erhöhung der Spiegel von FSH und LH sowie menopausalen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Blutdruckschwankungen und vaginaler Trockenheit kommen. Die Tatsache, dass es auch nach einer Phase perimenopausaler Symptome und Amenorhö zu einer Wiederaufnahme der regulären Menstruationstätigkeit kommen kann, schließt nicht aus, dass die endgültige Menopause früher als normal eintritt. Die Ausprägung der gonadalen Schädigung bei Frauen hängt nicht nur von den verwendeten Zytostatika und deren Dosierung ab, sondern insbesondere auch vom Alter der Patientin zum Zeitpunkt der Therapie [Bines J 1996]. Frauen, die im Alter von <25 Jahren eine Chemotherapie erhalten, zeigen eine deutlich bessere Erholungsfähigkeit [Chapman RM 1982] [Bokemeyer C 1994].
Die meisten Daten zur gonadalen Toxizität nach Kombinationschemotherapie stammen von Patienten mit M. Hodgkin oder malignen Keimzelltumoren [Bokemeyer C 1996a] [Schilsky RL 1989]. Problematisch bei der therapieinduzierten Spermientoxizität bei Patienten mit M. Hodgkin oder malignen Keimzelltumoren ist, dass 20-70% der Patienten bereits vor Therapiebeginn eine Schädigung der Spermatogenese aufweisen. Die genaue Pathogenese dieses Phänomens ist nach wie vor ungeklärt.
Literaturreferenzen:
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Bines J, Oleske DM, Cobleigh MA.
Ovarian function in premenopausal women treated with adjuvant chemotherapy for breast cancer.
J Clin Oncol 1996;14:1718-1729. PM:8622093
[Medline]
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Bokemeyer C, Schmoll HJ, van Rhee J, Kuczyk M, Schuppert F, Poliwoda H.
Long-term gonadal toxicity after therapy for Hodgkin's and non-Hodgkin's lymphoma.
Ann Hematol 1994;68:105-110. PM:8167175
[Medline]
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Bokemeyer C.
Late damage of curative oncologic therapy. Results of a patient sample with Hodgkin's disease and testicular tumors at the Hannover Medical School.
Med Klinik 1996a;91:60-67. PM:8692121
[Medline]
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Bokemeyer C, Kollmannsberger C, Weiss J, Schmoll HJ.
Gonadale Toxizität und Infertilität.
In: Schmoll H-J, Hoeffken K, Possinger K.
Kompendium Internistische Onkologie, 3. Aufl. Berlin, Heidelberg, New York: Springer 1999;1427-1440. PM:
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Chapman RM.
Effect of cytotoxic therapy on sexuality and gonadal function.
Semin Oncol 1982;9:84-94. PM:6176028
[Medline]
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Schilsky RL.
Male fertility following cancer chemotherapy.
J Clin Oncol 1989;7:295-297. PM:2645384
[Medline]
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Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch:
 
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Herausgeber: Prof. Dr. H. Link
Herausgeberbeirat: Prof. Dr. P. Albers, Prof. Dr. R. Andreesen, Priv.-Doz. Dr. A. Böhme, Prof. Dr. C. Bokemeyer, Prof. Dr. U. Creutzig, Prof. Dr. G. Ehninger, Prof. Dr. M. Freund, Prof. Dr. C. Garbe,
Dr. N. Gökbuget, Prof. Dr. M. Hallek, Prof. Dr. J.T. Hartmann, Prof. Dr. R. Hehlmann, Prof. emerit. Dr. H. Heimpel, Prof. Dr. A. Hochhaus, Prof. Dr. K. Höffken, Dr. G. Hübner,
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Prof. Dr. G. von Minckwitz
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