Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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22 Supportive Maßnahmen in der Rehabilitation Krebskranker: 22.3. Psychische Probleme - psychologische Unterstützung

Autor/en: H. Delbrück, H.-H. Bartsch, J. Körber, C. Kerschgens
Letzte Änderung: 21.04.2013

In jeder onkologischen Rehabilitationsinstitution ist die Mitarbeit von mindestens einem Psychoonkologen beziehungsweise einem ärztlichen Psychotherapeuten notwendig. Die psychische Betreuung ist jedoch nicht etwa nur die Aufgabe von Psychoonkologen, sondern vielmehr aller im Rehabilitationsteam beteiligten Professionen, einschließlich der Seelsorge.

Der Bedarf an psychischer Unterstützung und Beratung in der onkologischen Nachbetreuung ist besonders hoch, da die Bewältigung der Krebserkrankung eine starke psychische Belastung darstellt. Hinzu kommen die Auswirkungen der Therapie, die manchmal schwerer als die der Erkrankung wiegen. Ängste und Depressionen sind häufig, außerdem können Gefühle der Trauer, der Hilflosigkeit und auch Aggressionen auftreten. Die Ursachen hierfür sind komplex.

Im Verlauf der Krebserkrankung sind verschiedene unterstützungsbedürftige Reaktionsphasen zu unterscheiden. Diese Phasen verlaufen häufig nicht parallel mit den Krankheitsphasen. Zu nennen sind:

  • Schockphase
  • Reaktionsphase
  • Verarbeitungsphase
  • Innere Neuorientierung und Bewältigung

Diese Phasen gehen fließend ineinander über und werden gelegentlich übersprungen oder laufen parallel ab. In allen Phasen kann die Hilfe des Psychoonkologen im Rehabilitationsteam notwendig werden. Die Hilfen - ganz gleichgültig, von wem sie kommen - dürfen niemals getrennt von den anderen medizinischen, sozialen oder beruflichen Hilfen in der Rehabilitation erfolgen, weswegen sich gerade die Rehabilitation mit ihrem ganzheitlichen Ansatz und dem multiprofessionellen Rehateam für die psychologische Unterstützung anbieten. Wenn auch neuere Untersuchungen frühere Behauptungen einer verlängerten Überlebenszeit bei psychosozial betreuten Krebspatienten nicht bestätigen, so zeigt sich in diesen Studien jedoch eine eindeutige Verbesserung des Stimmungspotentials (Depressionen/ Niedergeschlagenheit, Spannung/Angst, Wut/Feindseligkeit und Verwirrung/Bestürzung sowie eine verminderte Schmerzwahrnehmung bei den Betroffenen (Tab. 4).

Psychische Maßnahmen in der Rehabilitation sind in erster Linie Hilfen zur Krankheitsbewältigung; sie sind immer supportiver, niemals kurativer Natur.

Zu psychosozialen Hilfen zählen neben psychologischen Einzelgesprächen themenzentrierte Gesprächsgruppen (z. B. Lebensziele, Sexualität, Partnerschaft), die Vermittlung unterschiedlicher Entspannungstechniken, progressiver Muskelentspannung, imaginative und hypnotherapeutische Verfahren) sowie künstlerische Therapien (z. B. Musik-, Kunst-, Tanztherapie).

Tab. 4: Evaluationsparameter zur Überprüfung psychischer Maßnahmen in der onkologischen Rehabilitation [Delbrück H 2007]

Therapieziele

Evaluations-Parameter

Beherrschen von Strategien und Techniken zur Stressbewältigung, Erlernen von Entspannungstechniken

Selbstbeurteilung, Stressverarbeitungsbogen, Rating-Skalen

Verminderung von Depressivität und Ängstlichkeit

Rating-Skalen, Fragebögen (z.B. BDI, HADS-D, STAI, BSI, PAF)

Verbesserung des Selbstwertgefühls

Fragebögen (z.B. FSKN, Rosenberg-Skala, I.S.K.N.-Selbstkonzeptskalen; HADS-D, QLQ-C30/CR38)

Lebensqualitätsverbesserung

Fragebögen: EORTC-QLQ-C30, Spitzer-QLI, Fragebögen zur Fremd- und Selbstbeurteilung, Functional Living Index Cancer (FLIC), IRES, SF-36

Abklärung und Verbesserung intellektueller Störungen nach postoperativem psychoorganischen Syndrom

Fragebogen, Benton-Test, Rivermund-Test

Verbesserung der Befindlichkeit

Fragebögen (z.B. Bf-S, B-L, GBB, B-L nach v. Zerssen, FBK, Lebenszufriedenheit FLZ und FLZ-G)

Optimierung der Krankheitsverarbeitung und -bewältigung (Coping)

BEFO-Skalen, Goal-attainment-Skalen, Freiburger Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung (FKV), Freiburger Inventar zur Bewältigung einer chronischen Krankheit (FIBECK), TSK

Schlafstörungen

Spezifische Verfahren wie Polysomnographie, Schlaftagebücher/-fragebögen, Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI)


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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