Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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22 Supportive Maßnahmen in der Rehabilitation Krebskranker: 22.4. Soziale Probleme - soziale Hilfen

Autor/en: H. Delbrück, H.-H. Bartsch, J. Körber, C. Kerschgens
Letzte Änderung: 21.04.2013

Soziale Probleme, Therapieziele, Evaluationsparameter

Die Erkennung und die Hilfe bei möglichen sozialen und beruflichen Problemen zählt zu den selbstverständlichen supportiven Maßnahmen in der Rehabilitation Krebskranker. Die Sozialarbeit stellt einen der Schwerpunkte dar. Nicht selten ist die Initiierung von Fremdhilfe und Unterstützung notwendig, da viele Patienten körperlich nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen (Tab. 5).

Sind soziale Probleme zu erwarten, so sollte schon allein aufgrund der Notwendigkeit des Einbezugs von Angehörigen die Rehabilitation wohnortnah stattfinden. Oft liegt eine ausgeprägte Antriebslosigkeit vor, weswegen die Motivation zur Eigenhilfe und die Hilfe zur Selbsthilfe einen sehr hohen Stellenwert in der sozialen Krebsrehabilitation haben. Die Selbsthilfegruppen, die eng mit den Rehabilitationsinstitutionen zusammenarbeiten, erfüllen eine wesentliche Aufgabe.

Tab. 5: Evaluationsparameter zum Wirksamkeitsnachweis sozialer Maßnahmen in der onkologischen Rehabilitation

Therapieziele

Evaluationsparameter

Vermeidung von Pflegebedürftigkeit, Sicherung der sozialen Versorgung

Organisation mobiler Hilfsdienste, Pflegestufe, ECOG-Status, WHO-Performance-Status, Karnofsky-Index, Fragebögen für Angehörige, GdB

Verbesserung der täglichen Verrichtungen/ Aktivitäten des täglichen Lebens

Barthel-Index, funktioneller Selbstständigkeitsindex (Functional Independence Measurement, FIM), instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (AIDL), Fragebögen für Betroffene und/oder Angehörige (z.B. WOMAC, FFbH, IRES, S36)

Verbesserung der sozialen Integration

Adressenliste von Selbsthilfegruppen und anderen Beratungsstellen, Fragebogen

Verbesserung der sozialen Kompetenz

Fragebogen (z.B. für Angehörige)

Eingliederung in Familie und Partnerschaft

Selbstsicherheitsskalen, Goal-attainment-Skalen

Gesundheitstraining, Leben mit der Erkrankung

Fragebogen, Testbogen A.T.L. (Aktivitäten des täglichen Lebens)

Hilfe durch Selbsthilfe - Selbsthilfegruppen

Motivation zur Eigenhilfe und Hilfe zur Selbsthilfe haben einen sehr hohen Stellenwert in der Krebsrehabilitation. Selbsthilfegruppen erfüllen hierbei eine wesentliche Aufgabe. Sie werden in der Rehabilitation als Partner angesehen. Neben psychologischen Hilfen vermitteln sie ihren Mitgliedern häufig spezielle Sachkenntnisse bei Heil- und Hilfsmitteln sowie sozialrechtliches Wissen. Darüber hinaus üben sie auf die Betroffenen einen aktivierenden Einfluss aus.

Das Konzept der Selbsthilfegruppen geht von der Vorstellung aus, dass Gemeinsamkeit stärker macht. Durch die Gemeinsamkeit soll das Selbstwertgefühl der Patienten gestärkt werden. Die Patienten sollen eine aktive Haltung zu sich, zu ihrer Krebserkrankung und zur Umwelt einnehmen. Durch Aktivitäten verschiedenster Art zeigen die Selbsthilfegruppen, dass auch nach einer Krebskrankheit ein sinnvolles und erfülltes Leben möglich ist. Die krankheitsbedingte Isolation kann so von den Krebspatienten leichter überwunden werden.

Selbsthilfegruppen sollten als Partner und nicht als Konkurrent angesehen werden. In der Rehabilitation ist man um eine enge Zusammenarbeit bemüht. Allerdings geht die Rehabilitation davon aus, dass nicht jede Selbsthilfegruppe uneingeschränkt empfohlen werden kann. Abgelehnt werden Selbsthilfegruppen, wenn diese das Vertrauen zum behandelnden Arzt und zur Schulmedizin erschüttern oder zu alternativen oder komplementären Therapieformen auch dann raten, wenn wissenschaftliche Untersuchungen eine Unwirksamkeit, ja möglicherweise sogar schädigende Folgen solcher Therapien nachgewiesen haben.

Berufliche Probleme - berufliche Unterstützung

Nicht nur aus menschlichen, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen und nicht zuletzt auch wegen der gesetzlichen Vorgaben für Leistungen des Kostenträgers Rentenversicherung (Rehabilitation vor Rente!) wird der beruflichen Problematik gerade in Deutschland ein bedeutender Raum in der Rehabilitation erwerbstätiger Krebspatienten eingeräumt. Das berufsorientierte Assessment, die Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit, die sozialmedizinische Beurteilung und die Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit sowie beruflichen Leistungsfähigkeit bei Erwerbstätigen sind ein selbstverständlicher Bestandteil der Rehabilitation.

Welche Arbeitsplatz-erhaltenden Maßnahmen, einschließlich Eingliederungshilfen, Arbeitsförderung und Berufsförderung sowie Arbeitsplatzumsetzung infrage kommen, wer diese finanziert, ab wann eine berufliche Neuorientierung sinnvoll und durchführbar ist und wo detaillierte Informationen erhältlich sind, kann der Krebspatient am besten in der onkologischen Rehabilitation erfahren.

Belastungen von Angehörigen - Angehörigenbetreuung

Eine Krebserkrankung belastet nicht nur den Patienten, sondern hat auch unmittelbare Auswirkungen auf das gesamte familiäre System. Die körperliche Anstrengung bei der Pflege sowie die Finanzierung alter und neuer Belastungen stellen Angehörige vor beträchtliche Probleme. Auf die Angehörigen älterer Tumorpatienten treffen die Belastungen genauso zu wie auf die Familien krebskranker Kinder. Lediglich die Akzente sind verschoben.

In der Rehabilitation besteht am ehesten die Möglichkeit, Angehörige mit in den Gesundungsprozess einzubeziehen. So finanzieren die Kostenträger "Familienkuren" in Kinderkrebsrehabilitationskliniken, in denen krebskranke Kinder zusammen mit ihren Eltern drei bis sechs Wochen betreut werden können. Die meisten Krebsrehabilitationskliniken bieten den Ehe-/Lebenspartnern einen gemeinsamen Aufenthalt zum Selbstkostenpreis an. Die Teilnahme der Partner am Gesundheitstraining, an der Ernährungsberatung etc. ist ausdrücklich erwünscht. Die psychosoziale Betreuung von Angehörigen ist zumindest in vielen wohnortnahen Rehabilitationsinstitutionen im Behandlungskonzept mit integriert. Hier hat auch die Seelsorge einen Betreuungsschwerpunkt, zumal sie zusammen mit dem Sozialarbeiter über Kontakte zu den umliegenden Kirchengemeinden und anderen Unterstützungsstellen eine Angehörigenbegleitung bei terminal Kranken ermöglichen kann.


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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