Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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18 Psychoonkologische Behandlung und Betreuung: Diagnostik von psychosozialen Belastungen und deren Behandlungsbedarf

Autor/en: J. Weis, U. Heckl
Letzte Änderung: 09.05.2012

Während des gesamten Verlaufs einer Tumorerkrankung können Beeinträchtigungen der psychischen Befindlichkeit auftreten. Im Vordergrund stehen zumeist emotionale Befindlichkeitsstörungen, insbesondere Angststörungen oder depressive Verstimmungen, die als Ausdruck der Krankheitsverarbeitung und in der Regel als Reaktion auf die funktionellen Einschränkungen sowie körperlichen Beeinträchtigungen zu verstehen sind. Teilweise können diese Veränderungen der Befindlichkeit auch den Charakter ausgeprägter Störungen im Sinne einer psychiatrischen Komorbidität annehmen. Die häufigsten Diagnosen sind Tabelle 18.1 zu entnehmen. Da auch die Partner und Familienangehörigen stark belastet sind, können in der Folge Probleme in der Kommunikation auftreten, mit negativen Auswirkungen auf die soziale Unterstützung. Als belastend kann sich auch eine entstehende oder drohende berufliche und soziale Desintegration erweisen.

Tab. 18.1: Die häufigsten psychiatrischen Diagnosen (ICD-10) bei Tumorerkrankungen

  • Anpassungsstörungen (F43.2)
  • Akute Belastungsreaktion (F43.0)
  • Depression (F32)
  • Angststörungen (F40, F41)
  • Posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)

Nicht alle Krebspatienten benötigen eine psychoonkologische Unterstützung. Nach groben Schätzungen bewältigen etwa die Hälfte der Patienten die auftretenden Belastungen selbst. Empirisch ist der Betreuungsbedarf nur wenig gesichert, da er durch zahlreiche Einflussfaktoren bestimmt wird. Tabelle 18.2 zeigt die Phasen der Erkrankung, in denen ein erhöhter psychoonkologischer Betreuungsbedarf besteht.

Tab. 18.2: Erkrankungsphasen mit erhöhtem psychoonkologischen Betreuungsbedarf

  • Mitteilung der Diagnose
  • Behandlung und ihre Nebenwirkungen
  • Rehabilitation und Nachsorge
  • Rezidiv bzw. Auftreten von Metastasen
  • Palliative bzw. terminale Phase

In der Regel wird der Behandlungsbedarf von den betroffenen Patienten selbst oder über das medizinische Personal festgestellt. Für die Indikationsstellung ist es dabei erschwerend, dass sich häufig Diskrepanzen hinsichtlich des Bedarfs aus der Sicht der Experten und der Betroffenen zeigen. So äußern insbesondere im Akutkrankenhaus die betroffenen Patienten häufig keinen subjektiven Betreuungsbedarf, da sie eine Destabilisierung und eine zu starke Konfrontation mit der Problematik der Krankheit befürchten. Es lassen sich vor allem psychische Befindlichkeitsstörungen, insbesondere Angst und Depression, psychovegetative Syndrome wie Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung, starke körperliche Beeinträchtigungen sowie zusätzliche familiäre oder partnerschaftliche Belastungen als Leitsymptome nennen [Weis J 2000] [Schumacher A 2004] [Weis J 2007] [Singer S 2010].


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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