Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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18 Psychoonkologische Behandlung und Betreuung: Behandlungsansätze am Beispiel ausgewählter Problembereiche

Autor/en: J. Weis, U. Heckl
Letzte Änderung: 09.05.2012
Inhaltsübersicht:

Angst und Depression

Die Diagnose einer Tumorerkrankung wie auch das Fortschreiten der Krankheit erzeugen in der Regel Angst. Anhaltende Ängste im Verlauf der Krankheit können eine Reaktion auf die Belastung durch die Erkrankung, die Therapie oder ungünstige Behandlungsergebnisse sein. Angst vermindernd wirkt in vielen Fällen eine angemessene Information über die Neben- oder Folgewirkungen der Behandlung. Ein wichtiges Ziel in der psychotherapeutischen Begleitung besteht darin, die Patienten darin zu unterstützen, ihre Angst zu konkretisieren. Unspezifische Angst lähmt und macht handlungsunfähig. Je objektgebundener und konkreter sich Ängste benennen lassen, desto mehr Handlungsspielräume können eröffnet werden. Im Kontext einer Tumorerkrankung wurden insbesondere für die Angst vor einem Rezidiv oder dem Fortschreiten der Erkrankung spezifische Therapieansätze entwickelt [Waadt S 2011]. Die Stärkung der kognitiven Kontrolle trägt dazu bei, dass Patienten erkennen, welche Denkmuster zur Aufrechterhaltung ihrer Angst beitragen. Da eine Tumorerkrankung häufig mit Verlusterleben einhergeht, kann es zu intensiven Trauerprozessen oder depressiven Verstimmungen mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen und Gedankenkreisen kommen. Hier bietet sich eine unterstützende Begleitung an, kombiniert mit verhaltenstherapeutischen Selbstkontrollstrategien zur Kontrolle ungünstiger Kognitionen [Sheard T 1999] [Härter M 2001] [Pirl WF 2009].

Schmerz

Schmerzen sind eine subjektive emotionale Erfahrung und lassen sich daher nicht objektiv messen. Angst, Unsicherheit und das Gefühl von Hilflosigkeit können die Schmerzschwelle herabsetzen. Im Zentrum der psychologischen Schmerztherapie stehen Selbstkontrollstrategien, die eine bewusste Kontrolle der Schmerzen ermöglichen. Psychologische Schmerzkontrollstrategien (siehe Tab. 18.3) sind immer nur als Ergänzung der medikamentösen Schmerztherapie zu verstehen. Sie sind zeitaufwändig und erfordern eine aktive Patientenrolle. Sie ermöglichen den Patienten, ihre Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins zu vermindern und ihre Selbstwirksamkeit (ihre Überzeugung, schwierige Situationen bewältigen zu können) zu steigern. Eine Analyse des individuellen Zusammenspiels körperlicher und psychischer Einflüsse kann zu einer besseren Einschätzung der empfundenen Schmerzen führen und Verhaltensweisen, die zur Aufrechterhaltung oder Verschlimmerung des Schmerzes beitragen, reduzieren. Als Schmerz begünstigende Faktoren sind insbesondere Ängste sowie eine inadäquate Krankheitsverarbeitung zu nennen [Larbig W 1999].

Tab. 18.3: Psychologische Schmerzkontrollstrategien

  • Informationsgewinnung
  • Reflexion der individuellen Schmerzspirale
  • Erlernen eines Entspannungsverfahrens
  • Einsatz von Imaginationsübungen
  • Hypnotherapeutische Verfahren
  • Meditationstechniken
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Selbstkontrollstrategien (kognitive Umstrukturierung, Selbstinstruktionen, Aufmerksamkeitssteuerung)

Fatigue

Der Begriff "Fatigue" bezeichnet ein Gefühl körperlicher, psychischer und geistiger Erschöpfung, die mit reduzierten Energien und verminderter Muskelkraft einhergeht (siehe Kapitel 17). Die Fatigue-Symptomatik ist bei Krebspatienten sehr verbreitet [Servaes P 2002], hat Auswirkungen auf das alltägliche Leben und kann sich daher negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen sowie auf die berufliche Re-Integration auswirken.

Wenngleich es mittlerweile eine Reihe von Studien über die Auswirkungen biologischer und psychosozialer Einflussfaktoren auf die Fatigue gibt und die differenzialdiagnostische Abgrenzung zwischen Fatigue und anderen Problembereichen, wie z.B. Depression, deutliche Fortschritte gemacht hat, gilt das Fatigue-Syndrom in seiner Komplexität weitgehend noch als wenig erforscht.

Da die Fatigue eine Reihe physischer und psychischer Symptome umfasst, wie u.a. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebsschwäche, Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags oder das Gefühl, sich zu einer Aktivität zwingen zu müssen, sind neben den allgemeinen Hinweisen für die Patienten auch entsprechende Aktivierungen und Zeiteinteilungen sowie eine Einteilung der eigenen Ressourcen wichtig. Es haben sich insbesondere Aktivierungsprogramme (Sport und Bewegungstherapie) [Cramp F 2008] sowie Methoden der Psychoedukation [Jacobsen PB 2007] als Therapieansätze bewährt. In systematischen Studien konnte die Effektivität dieser Maßnahmen belegt werden [Goedendorp MM 2009].

In der Regel werden die Fatigue-Probleme im Rahmen einer stationären Rehabilitation durch ein interdisziplinäres Behandlungsteam, bestehend aus Psychoonkologen, Ärzten, Physiotherapeuten und Sporttherapeuten, behandelt. Die differenzialdiagnostische Abgrenzung stellt hierbei eine unabdingbare Voraussetzung für die Indikationsstellung geeigneter Behandlungsmaßnahmen dar.


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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