Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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14 Sonden: Technik der Sondenanlage

Autor/en: D. Schwab, M. Steingräber
Letzte Änderung: 25.09.2014

Nasale Sondenanlage

Nasogastrale Sondenanlage

Die Anlage einer nasogastralen Sonde sollte aufgrund der Expertise durch das Pflegepersonal erfolgen. Wenn dabei die Anlage misslingt und ein Arzt zu Hilfe gerufen wird, sollte dieser es bei einem Versuch (Oberkörper aufgerichtet, Kopf gebeugt) belassen und die Indikation zur assistierten Anlage (Laryngoskop, flexibles Endoskop) großzügig stellen. Die korrekte Anlage wird radiologisch kontrolliert.

Jejunale Sondenanlage

Unter Verwendung geeigneter Sonden lassen sich 90% aller nasojejunaler Sonden innerhalb von 10min anlegen. Die endoskopische Anlage ist der radiologischen Anlage insofern überlegen, als in bis zu der Hälfte aller Fälle zusätzliche Diagnosen mit therapeutischer Relevanz gestellt werden können [Schwab D 2002]. Die entscheidende Taktik in der Sondenanlage besteht darin, die Sonde unter Sicht transpylorisch vorzuschieben und nicht - wie häufig empfohlen - mittels Endoskop und Katheter-Faßzange in den Dünndarm mitzunehmen, da hierbei mit der Retraktion des Endoskops auch die Sonde disloziert wird. Wenngleich diese Strategie "halbblind" erfolgt, liegt die Sondenspitze in über 90% jenseits des Treitzschen Bandes [Schwab D 2002].

Technik der perkutanen Sondenanlage

Seit der Einführung der PEG durch Gauderer und Ponsky[Gauderer M 1980] ist diese zu einem etablierten Verfahren der künstlichen enteralen Ernährung geworden. Sie zeichnet sich aus durch eine hohe primäre Erfolgsrate, eine geringe kurzfristige und langfristige Komplikationsrate und eine hohe Effektivität hinsichtlich der Ernährungstherapie.

Endoskopische Anlage

Die endoskopische Anlage ist die Methode der Wahl zur Versorgung von Patienten mit einer perkutanen Ernährungssonde. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Techniken zur Anwendung: die sog. "Pull-Methode", bei der die Sonde durch das angelegte perkutane Stoma gezogen wird, und die sog. "Push-Methode", bei welcher die Sonde in das Stoma geschoben wird. Allen endoskopischen Verfahren geht eine diagnostische Ösophago-Gastro-Duodeno-Skopie voraus, welche häufig nicht bekannte, Therapie-relevante Befunde erhebt [Wolfsen H 1990] und eine Duodenalstenose ausschließt. Wir verwenden zur SedoanalgesiePethidin in Kombination mit Midazolam. Die Vorbereitung umfasst neben derjenigen der ÖGD (Aufklärung und Einwilligung, ausreichende Nüchternperiode, Kontrolle der Blutgerinnung) spezifische Maßnahmen: Bauchrasur, Lagerung in Rückenlage, Fixierung der Arme und Beine, Bereitstellung einer zweiten Absaugung (erhöhte Aspirationsgefahr), mechanische (mit Kompresse) Desinfektion der Bauchwand, Mundschutz und Haube für alle Beteiligten, steriler Mantel und sterile Handschuhe für den Punkteur, steriler Tisch für das PEG-Instrumentarium.

Fadendurchzugsmethode (Pull-Methode)

Das Erreichen einer guten Diaphanie und eindeutigen Fingerimpression sind Voraussetzungen der Punktion, welche ca. 2 cm Abstand vom Rippenbogen haben sollte (Cave: transhepatische Punktion). Diese so identifizierte Punktionsstelle wird mit einem sterilen Lochtuch abgedeckt. Es erfolgt die Lokalanästhesie (z.B. 10 ml Prilocain 1%) und die Probepunktion mit dieser Nadel unter ständiger Aspiration und Überprüfung der Luftaspiration (zum Ausschluss einer transkolischen Punktion). Bei gleichzeitiger Luftaspiration und vom Endoskopiker visualisierter Magenpunktion erfolgt der Rückzug der Nadel, hierbei Instillation des restlichen Lokalanästhetikums. Nun erfolgt die Stichinzision mit dem Skalpell, die Punktion mit der Kanüle und Einfädeln des Fadens nach Magenpunktion. Dieser Faden wird durch das Endoskop mit der Biopsiezange gefasst und unter partiellem Absaugen der Luft mit dem Endoskop aus dem Mund des Patienten herausgezogen. Die zu legende Sonde wird angeknotet, der Faden vom Punkteur zurückgezogen, bis die Sonde an der Kanüle anschlägt. Erst dann lässt der Punkteur die Kanüle los und zieht die Kanüle durch die Sonde heraus. Anschließend wird die Sonde mit dem Adaptationsinstrumentarium versehen, die Punktionsstelle gesäubert, die Halteplatte mit leichtem Zug fixiert (Cave: starker Zug führt zur Bauchdeckenphlegmone) und ein steriler Verband angelegt. Die Sonde wird 4h nach Anlage mit Sondenkost beschickt.

Die PEJ wird analog in identischer Weise wie die PEG angelegt, allerdings unter Verwendung eines Jejunoskops. Lediglich bei voroperiertem Magen gelingt die Anlage auch mit dem Gastroskop. Die Anlage einer PEJ ist - abgesehen vom B-II-Magen mit Erfolgsraten von 90% - technisch anspruchsvoll und sollte entsprechend erfahrenen Zentren vorbehalten sein[Zopf Y 2009].

Bei der JET-PEG, d.h. der über die PEG gelegten jejunalen Sonde wird bei liegender 15Ch PEG eine 9Ch Sonde in den Dünndarm mittels Katheter-Legezange vorgeführt. Die langfristig korrekte Anlage gelingt immer dann, wenn bereits die PEG im Antrum liegt und Richtung Pylorus gerichtet ist.

Push-Methode / Gastropexie

Bei der sogenannten Push-Methode wird eine zu legende Ernährungssonde unter endoskopischer Sicht direkt von transkutan in den Magen eingelegt. Aufgrund häufigerer infektiöser Komplikationen, technischer Schwierigkeiten und der relativ hohen Kosten hat sich diese Methode nicht durchgesetzt. Innovative Produkte wie die Gastropexie-PEG (Cliny PEG, Fa. Nenno) scheinen jedoch befriedigende Ergebnisse zu zeigen und kommen somit für bestimmte Indikationen (hochgradige Ösophagusstenose) in Frage [Dormann AJ 2002].

Sonographische / radiologische Anlage (Push-Methode)

Die sonographische oder radiologische Anlage verwendet ausschließlich die Push-Methode mit den dort genannten Limitationen. Dennoch finden sich einzelne Indikationsfelder, wie die Anlage einer PEG bei nicht passierbarer Ösophagusstenose oder der Jakob-Creutzfeld-Erkrankung. Die vereinzelt berichtete Translokation von Metastasen vom Oropharyngealen Raum in die Bauchdecke ist derart selten (in unserem Kollektiv einmal bei 2000 Anlagen), dass dies die Push-Methode mit höherer Komplikationsrate unseres Erachtens nicht rechtfertigt.

Andere PEG-Systeme: Button, Gastrotube

Neben den genannten PEG-Systemen werden von der Industrie sog. Button-Systeme angeboten, welche die stigmatisierende Außenwirkung der PEG-Sonde reduzieren. Abgesehen davon und der Möglichkeit, bei liegender defekter PEG über das bestehende Stoma einen solchen Button einzulegen, hat sich diese Möglichkeit aufgrund der Kosten und der reduzierten Haltbarkeit nicht durchgesetzt [Kozarek R 1995].


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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