Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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14 Sonden: Komplikationen

Autor/en: D. Schwab, M. Steingräber
Letzte Änderung: 25.09.2014

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Komplikationen nasaler Sonden

Komplikationen der nasalen Sonden sind selten, beschrieben wurden u.a. Perforationen (Rezessuspriformis, Ösophagus), Aspiration (durch tracheale Positionierung, ösophageale Position, zu rasche Nahrungsapplikation), Druckläsionen (nasal, Ösophagus) sowie Sinusitiden. Entscheidend sind Vorsicht, Erfahrung, Kenntnis der Komplikationen und deren Management.

Komplikationen perkutaner Sonden

Der Erfolg der perkutanen Sondenernährung ist nicht zuletzt auf die hohe Erfolgsrate (>95%) und die geringen Rate schwerer Komplikationen (<1%) [Gossner L 1995] zurückzuführen. Dies liegt zum einen ander Prozedur selbst, zum anderen an einer strukturierten Nachsorge durch ein Ernährungs-Team.

Akut-Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen der perkutanen Sondenanlage sind Schmerzen und Infektionen.

Schmerzen treten nahezu immer nach perkutaner Anlage auf, werden symptomatisch behandelt und sistieren in der Regel innerhalb von 3 Tagen. Warnsignale sind lokale Peritonitis, Zug-abhängige Schmerzen, Zunahme des Haut-Halteplatten-Abstandes, Rötung und Überwärmung der Einstichstellen-Umgebung: dies weist hin auf Fehllage der Sonde (transhepatisch, transkolisch), Entwicklung eines Hämatoms oder einer Bauchdeckenphlegmone. Die Diagnose erfolgt aufgrund der Klinik und des Ultraschalls. Röntgenbilder, welche immer freie Luft nach PEG-Anlage zeigen, sind meist wertlos. Im Zweifelsfall sollte die Indikation zur Entfernung großzügig gestellt werden, die Wiederanlage je nach Klinik in ca. 7 Tagen erneut angestrebt werden. Bei Bauchdeckenphlegmone ist die chirurgische Spaltung und systemische antibiotische Therapie (z.B. Amoxicillin und Sulbactam) indiziert.

Lokale Infektionen an der Einstichstelle perkutaner Sonden sind häufig und meist mit lokalen Maßnahmen beherrschbar. Ein entsprechender Algorithmus ist in Abb. 2 wiedergegeben.

Der Wert einer Antibiotikum-Prophylaxe vor dem Eingriff wurde wiederholt untersucht und führte zu widersprüchlichen Interpretationen: Zwar kann damit die Häufigkeit von lokalen Infektionen reduziert werden, die Frequenz schwerer Lokal-Infektionen ist aber derart gering (ca. 1% aller Fälle) [Gossner L 1999], dass eine generelle Prophylaxe inadäquat erscheint [Loser C 2000].

Langfristige Komplikationen - Sondenobstruktion

Eine Sondenobstruktion ist praktisch immer die Folge einer mangelnden Pflege der Sonde und nur selten der Materialermüdung - wir haben PEG-Sonden mit bis zu 11 Jahren Liegedauer dokumentiert. Die Ursache einer Obstruktion liegt meist in der Applikation von falschen oder nicht ausreichend zerkleinerten Medikamenten über die Sonde und unzureichendem Nachspülen der Sonde nach Medikamentengabe. Wir empfehlen die Applikabilität zuvor zu überprüfen, die Medikamente mittels einem Mörser zu zerkleinern und die Sonde vor und nach jeder Applikation mit 10ml Wasser oder Tee (nie Früchte-Tee!;Jejunale Sonden, JET-PEG: 20-40ml) zu spülen, abschließend nochmals mit 30ml Wasser oder Tee. Okkludierte Sonden können oft mit Vitamin C und vorsichtiger Manipulation mit Führungsdrähten desobliteriert werden.

Ernährungsbedingte Komplikationen

Infolge der Sondenernährung werden unterschiedliche Häufigkeiten gastrointestinaler Komplikationen berichtet: Aspiration und Diarrhoe sind dabei die wichtigsten. Die Aspiration ist häufig ein Problem der inadäquat schnellen Nährstoffzufuhr, insbesondere bei Bolusapplikation und der fehlenden Oberkörperhochlagerung, insbesondere bei Reflux-Patienten. Generell ist die Aspiration jedoch häufiger ein Problem der neurologischen als der onkologischen Indikation. Die unter Sondenernährung nicht selten auftretende Diarrhoe wird meist der Sondenkost zugeschrieben. Meist liegen jedoch andere Ursachen zugrunde, welche durch Erhöhung des fäkalen Stromes via Sondenkost erst manifest werden: gastrointestinale Infektionen (insbesondere Clostridium difficile) [Simor A 1993], Medikamenteninduzierte Diarrhoe (Chemotherapie, Sorbitanteil in Flüssig-Medikamenten), Bolus-Applikation. Bei Diarrhoe sollte deshalb zuerst Clostridium-difficile-Toxin im Stuhl ausgeschlossen und Medikamente überprüft werden, sowie eine Pumpenapplikation (50ml/h über 20h, steigern in 25 ml/h-Schritten alle 1-3 Tage) angestrebt werden und erst dann auf ein anderes Sondenprodukt gewechselt werden (z.B. Oligopetid-Diät; ballaststoffhaltige Diät; evtl. Zugabe von Ballaststoffen).


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
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2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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