Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Diagnostik megaloblastärer Anämien

Autor/en: H. Heimpel
Letzte Änderung: 14.08.2003

Anamnese

Es ist zu fragen nach:

  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Medikamenten,
  • Alkoholmissbrauch,
  • Gewichtsentwicklung, Stuhlgang.

Klinische Symptome und Befunde

Allgemeine Anämiesymptome (Haut-Schleimhautblässe, Tachykardie, Belastungsdyspnoe), Ikterus (diskrete Hämolyse, ineffektive Erythropoese), gastrointestinale Symptomatik Zungenbrennen, Zeichen der Malabsorption, neuropsychiatrische Symptome (siehe unter "Komplikationen").

Neurologisch: Verminderung der Tiefensensibilität (Vibrationsprüfung mittels Stimmgabel), Parästhesien, Hypaesthesie, Abschwächung der Reflexe, Pyramidenbahnzeichen, Ataxie.

Labordiagnostik

MegaloblastAnaemie_6_Diagnostik-Dateien1.jpg

Peripheres Blut: Übersegmentierter Granulozyt.

MegaloblastAnaemie_6_Diagnostik-Dateien2.jpg

Megaloblasten. Beachte: Die feinziselierte Kernstruktur ist das wichtigste Erkennungsmerkmal für megaloblastäre Anämie! Kern-Plasma-Relation zu Gunsten des Plasmas verschoben!

Labordiagnostik der megaloblastären Anämie
UntersuchungBefund bei megaloblastärer AnämieBemerkungen
Zellzählung
  • Makrozytär-hyperchrome Anämie (MCV >100 fl),
  • Leukozyten erniedrigt (nicht obligat),
  • Thrombozyten erniedrigt (nicht obligat),
  • Retikulozyten erniedrigt.
  • vorwiegend Neutropenie, nur in schwersten Fällen auch Lymphopenie,
  • absolute, nicht immer relative Retikulozyten-
    zahl vermindert.
Differenzial-
blutbild
  • Übersegmentierte Granulozyten,
  • Makro-Ovalozyten,
  • Poikilozytose,
  • Anisozytose.
Nur bei mikroskopischer Durchsicht sind die charakteristischen Veränderungen zu erkennen!
BSGmeist erhöht 
S-Kaliumnormal oder erhöhtUnter Therapie ggf. Absinken durch gesteigerte Erythropoese.
S-Ferritinerhöht oder normal, bei gleichzeitigem Eisenmangel erniedrigtUnter Therapie ggf. Absinken durch gesteigerte Erythropoese.
S-LDHstark erhöht 
S-Bilirubinnur indirekt erhöht 
S-Cobalaminbei Cobalaminmangel erniedrigt (<100 ng/l)Normwert: 200-900 ng/l
(methodenabhängig)
S-Folsäurebei Folsäuremangel erniedrigtNormwert: 15-20 µg/l
Erythrozyten-Folsäurebei Folsäuremangel und Cobalaminmangel erniedrigtNormwert: 160-640 µg/l
S-Methyl-
malonsäure
bei Cobalaminmangel erhöhtNormwert: <400 nmol/l
S-Homozysteinbei Folsäuremangel und Cobalaminmangel erhöhtNormwert: <20 µmol/l
Schillingtest (Vitamin-B12-
Resorptions-
test)
nur bei gestörter Vitamin-B12-Resorption pathologischDurch zusätzliche Gabe von Intrinsic Faktor Unterscheidung zwischen IF-Mangel und Resorptionsstörung möglich.
Autoanti-
körperbe-
stimmung (fakultativ)
Serumantikörper gegen Parietalzellen und/oder gegen den IF nachweisbarFast 90% der Patienten mit perniziöser Anämie haben Antikörper (AK) gegen Parietalzellen, ca. 40% AK gegen den IF (spezifischer).
Knochenmark
  • Hyperplastische megaloblastäre Erythropoese,
  • Riesenstab-
    kernige,
  • vielkernige Megakaryozyten.
Bei eindeutiger Verminderung von S-Cobalamin oder Folat entbehrlich.

Schillingtest (Vitamin-B12-Resorptionstest, Urinexkretionstest)

Der Patient erhält 1 µg radioaktiv markiertes Vitamin B12 oral, 2 Stunden später 1000 µg nicht markiertes Vitamin B12 i.m. als Ausschwemmungsdosis, mit der die Ablagerung des markierten Vitamin B12 in der Leber verhindert und die Ausscheidung über den Urin provoziert wird.

Bewertung:
Normal: ca. 10 - 25% des markierten Vitamin B12 im 24 Std.-Harn.
Bei atrophischer Gastritis oder Malabsorption: 5-10%
Bei Perniziosa oder Gastrektomie: unter 2%

Rationelle Diagnostik

Bei typischem klinischen Bild, typischen Blutbildveränderungen und eindeutig verminderte Cobalamin- oder Folsäurekonzentration im Serum reicht die zusätzliche Bestimmung der LDH (Verlaufsparameter) und des Serumferritins (Erkennung eines zusätzlichen Eisenmangels) aus.

  • In allen Zweifelsfällen: Knochenmarkzytologie, bei Panzytopenie mit Knochenmarkhistologie.
  • Schillingstest: Nur bei mit Vitamin B12 anbehandelten Patienten oder zur Differenzialdiagnose: IF/Mangel/primäre enterale Resorptionsstörung!
  • Methylmalonsäure, Homozystein: Bei alten Menschen mit Serumcobalaminwerten im unteren Referenzbereich, bei isolierter neuropsychiatrischer Symptomatik, bei dem ein Vitamin-B12-Mangel als ursächlicher Teilfaktor in Frage kommt!
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]