Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Diagnostik der aplastischen Anämie

Autor/en: H. Heimpel, H. Schrezenmeier
Letzte Änderung: 21.01.2004
  • Genaue Medikamentenanamnese,
  • klinische Untersuchung (Anämiezeichen?, Infektion?, Blutungsneigung?),
  • Blutbild, Differenzialblutbild und Retikulozytenzählung.

Differenzialblutbild: In den durch Automaten mit durchflusszytometrischen Techniken erstellten Befunden lässt sich erkennen, ob die für die aplastische Anämie und anderen Formen der Knochenmarkinsuffizienz charakteristische relative und absolute Verminderung der neutrophilen Granulozyten für eine Leukopenie verantwortlich ist. Pathologische Zellformen, welche die Diagnose einer akuten aleukämischen Leukämie oder einer Haarzell-Leukämie erlauben, werden dabei nicht sicher erkannt.

Bei jeder diagnostisch unklaren Panzytopenie muss deswegen der Blutausstrich mikroskopisch beurteilt und ausgezählt werden!

Die Retikulozytenzählung dient dem Ausschluss einer Hämolyse als Ursache der Anämie. Eine mäßige Retikulozytose mit Werten bis zu 100 G/l bzw. 500‰ kommt in Ausnahmefällen vor; dabei ist an die Kombination einer paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie mit aplastischer Anämie zu denken.

Die Knochenmarkdiagnostik durch Aspiration und Entnahme einer Biopsie ist entscheidend für den Diagnosebeweis und die Differenzialdiagnose gegenüber anderen Formen der Panzytopenie

Weitere Untersuchungen dienen dem Ausschluss ähnlicher Erkrankungen, der Risikoabschätzung und der Therapieplanung:

  • Gerinnungsparameter (Quick, PTT, Fibrinogen);
  • BSG, Gesamteiweiß, Serum-Eiweißelektrophorese, ALAT/ASAT, AP, LDH, Kreatinin, Harnsäure, Bilirubin, BZ;
  • Ferritin, Vitamin B12, Folsäure;
  • Antinukleäre Faktoren;
  • Blutgruppe, Coombs-Test, Immunphänotypisierung GPI-verankerter Proteine zum Beweis/Auschluss einer paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie;
  • Infektionsserologie: EBV, CMV, Hepatitis B und C, HIV-Status;
  • Röntgen-Thorax, Abdomensonographie;
  • Nach Ausschluss anderer Erkrankungen mit Bi- oder Panzytopenie und weiterbestehendem Verdacht oder Beweis einer aplastischen Anämie: Expositionsanamnese, ggf. Absetzen als Ursache in Frage kommender Medikamente, Therapieplanung.

Gründe für die verzögerte Diagnose einer Panzytopenie sind beispielsweise die Verkennung von Anämiezeichen als Symptome einer Herz- oder Lungenerkrankung oder die monokausale Betrachtung von Infektionserregern als Ursache einer Infektion. Sie ist vermeidbar durch die Anfertigung eines Blutbildes bei Anämiezeichen , Blutungsneigung und vor antibiotischer Therapie einer unklaren fieberhaften Infektion.

Bei Blutung, Infektion, Gefährdung oder unmittelbarer Notwendigkeit einer supportiven Therapie sofortige Einweisung in eine hämatologische Fachabteilung! In anderen Fällen ist zunächst eine ambulante Diagnostik vertretbar.

AplastAnaemie_AplastAnaemie_KM2.jpg

Knochenmarkausstrich bei schwerer aplastischer Anämie: überwiegend Knochenmarkfett, sehr wenige Zellen (links Übersicht, rechts Ausschnittvergrößerung).

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