Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Langzeit-Therapie der chronischen Immunthrombozytopenie mit dem oralen Wirkstoff Eltrombopag: Ergebnisse der EXTEND-Studie

Titel des Originals:

Long-Term Treatment of Chronic Immune Thrombocytopenic Purpura with Oral Eltrombopag: Results From the EXTEND Study.

Abstract-Nr.:

682

Jahr:

2009

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2009 114: Abstract 682

Autor/en:

Mansoor N. Saleh, James B. Bussel, Gregory Cheng, Balkis Meddeb, Bhabita Mayer, Christine Bailey, Manuel Aivado

Institution/en:

University of Alabama; Georgia Cancer Specialists, Marietta, GA; Platelet Disorders Center, Division of Pediatric Hematology-Oncology, Weill Cornell Medical College, New York, NY; Chinese University of Hong Kong, Shatin, NT, Hong Kong; Hematology, Aziza Othmana University Hospital, Tunis, Tunisia; GlaxoSmithKline, Stockley Park, United Kingdom; GlaxoSmithKline, Collegeville, PA

Zusammenfassung des Berichts

Die orale Langzeittherapie mit Eltrombopag steigert erfolgreich die Thrombozytenzahl, reduziert Blutungen und wird gut vertragen.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Erfassung von Langzeitdaten zur Wirksamkeit und Sicherheit von mit Eltrombopag behandelten Patienten.

Fragestellung der Studie

Thrombozytenwerte, Blutungsereignisse, Nebenwirkungen und Dosisanpassungen von Eltrombopag im Langzeitverlauf

Art der Studie

Offene Phase-II-Studie (Das Abstract spricht zwar von Phase III, es gibt jedoch keinen Kontrollarm.)

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten, die vorher schon in einer der Eltrombopag-Studien eingeschlossen waren (sowohl im Verum- als auch im Placebo-Arm) konnten in dieser Anschluss-Studie Eltrombopag erhalten. Eltrombopag wird mit einer tgl. Dosis von 50 mg begonnen und im weiteren Verlauf so angepasst, dass die Thrombozyten zwischen 50.000 und 200.000/µl liegen. Die max. Dosis sollte 75 mg tgl. nicht überschreiten. Nach 1 Jahr sollten die Patienten eine Knochenmark-Punktion erhalten.

Ergebnisse, Toxizität

  • 299 Patienten wurden bisher eingeschlossen, davon sind zum Auswertungszeitpunkt noch 212 in Behandlung mit Eltrombopag (71%).
  • Die mediane Therapiedauer beträgt bisher 29 Wochen.
  • Abbruch oder Beendigung der Eltrombopag-Einnahme u.a. wegen des Auftretens von Leberwerterhöhungen (n=5), Katarakt-Entwicklung (n=3), venösen Thromboembolien (n=8), Unwirksamkeit von Eltrombopag (n=25) und aus Gründen.
  • 86% erreichen mit Eltrombopag Thrombozytenwerte >50.000/µl. Ausgangsthrombozytenwert und Splenektomie-Status hatten auf das Ansprechen keinen Einfluss.
  • Im Abstract keine Angabe, wieviele Patienten ihre Begleittherapie reduzieren oder ganz absetzen konnten.
  • Blutungen (alle Schweregrade) traten zu Beginn der Therapie noch bei 56% der Patienten auf, im Verlauf unter Eltrombopag nur noch bei 21-40%. Schwere Blutungen (Grad 3 oder mehr) traten deutlich weniger auf. Andere Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Nasopharyngitis, Schwäche, Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Durchfall.
  • Bei 13 Patienten (4%) kam es zu 16 thromboembolischen Ereignissen. Die Thrombozytenzahl lag dabei zwischen 14.000 und 407.000/µl. 85% der Patienten hatten bei den Ereignissen Thrombozytenwerte, die nicht ihre höchsten während der Eltrombopag-Therapie waren.
  • 86 Knochenmark-Biopsien wurden ausgewertet und keine zeigte einen Effekt von Eltrombopag auf das Knochenmark.
  • 5 Todesfälle wurden registriert, 2 während die Patienten Eltrombopag einnahmen, 3 weitere mehr als 30 Tage nach Beendigung der Einnahme. Keiner der Todesfälle wurde als therapiebedingt bewertet.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Diese 2-Jahres-Daten zeigen, dass mit einer oralen Eltrombopag-Therapie wirksam die Thrombozytenzahl gesteigert werden kann, dass Blutungen abnehmen, und dass die Therapie gut verträglich ist.

Kommentar / Beurteilung

Wie für Romiplostim gilt auch für Eltrombopag, dass viele Patienten ausreichend Thrombozytenwerte über 50.000/µl erreichen, dass aber Blutungen nicht ganz ausgeschlossen sind. Meist handelt es sich um geringgradige Blutungen. Eine Angabe zum Prozentsatz der Grad-3/4--Blutungen wäre im Abstract wünschenswert gewesen.
Als Nebenwirkung sind - wieder vergleichbar mit Romiplostim - venöse und arterielle Thrombosen zu beachten. Für Eltrombopag gilt ebenfalls, dass bei ITP-Patienten mit der Thrombozytenzahl-Erhöhung Thromboserisikofaktoren wirksam werden können. Es ist dabei nicht so, dass das Risiko bei den höchsten Thrombozytenwerten am höchsten ist. Thrombosen können auch im unteren Zielbereich auftreten.

Das Abstract beschreibt, dass unter Eltrombopag keine Knochenmarkveränderungen beobachtet wurden. Das steht im Gegensatz zu einem anderen Abstract [Saleh MN 2009 ASH Abstr. 1326] . Dort wird beschrieben, dass bei einem Patienten nach 15 Monaten eine Grad-2/3-Faservermehrung beobachtet und Eltrombopag beendet wurde.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. A. Matzdorff

Institution:

Klinik für Hämatologie, Onkologie, Caritasklinik St. Theresia, Rheinstraße 2, 66113 Saarbrücken

Letzte Änderung:

11.12.2009


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Saleh MN, Bussel JB, Meyer O, et al.
    Results of Bone Marrow Examinations in Patients with Chronic Immune Thrombocytopenic Purpura Treated with Eltrombopag.
    Blood 2009;114:542 Abstr. #1326