Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Phase II-Studie bezüglich der Anwendung von Pemetrexed, Carboplatin und transthorakaler Bestrahlung mit und ohne Cetuximab bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbaren nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom: CALGB 30407

Titel des Originals:

Phase II study of Pemetrexed, carboplatin, and thoracic radiation with or without cetuximab in patients with locally advanced unresectable non-small cell lung cancer: CALGB 30407

Abstract-Nr.:

7505

Jahr:

2009

Original im Internet:

J Clin Oncol 27:15s, 2009 (suppl; abstr 7505)

Autor/en:

R. Govindan, J. Bogart, X. Wang, L.Hodgson, R. Kratzke, E.E. Vokes

Institution/en:

Washington University School of Medicine, St. Louis, MO; State University of New York, New York, NY; Duke University, Durham, NC; University of Minnesota, Minneapolis, MN; University of Chicago, Chicago, IL

Zusammenfassung des Berichts

Der zusätzliche Einsatz von Cetuximab im Rahmen einer kombinierten Radiochemotherapie zur weitergehenden Strahlensensibilisierung ist gut tolerabel und zeigt ein Trend zum besseren progressionsfreien Überleben.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Der Einsatz von Cetuximab hat sich in zahlreichen Studien bei metastasiertem Tumorleiden (kolorektal, Kopf-Hals und Lunge) als Kombinationspartner bewährt. Es gibt zudem Hinweise auf eine Radiosensibilisierung im Rahmen einer kombinierten Radiochemotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren. Daher erscheint der Versuch lohnend, die Kombination mit Cetuximab bei der Radiochemotherapie des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) zu untersuchen.

Fragestellung der Studie

Untersucht wurde als primärer Endpunkt das Gesamtüberleben nach 18 Monaten ("overall survival", OS). Sekundär wurden das progressionsfreie Überleben ("failure free survival", FFS), die Ansprechrate ("response rate", RR) und die Toxizität untersucht.

Art der Studie

Phase-II-Anwendungsstudie mit neuartigem Therapieprotokoll

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Eingeschlossen wurden 99 Patienten im Zeitraum von 09/05-01/08 mit NSCLC im Stadium IIIA und IIIB mit nicht resezierbarem Befund, gutem Allgemeinzustand (Performance-Status 0-1), ohne Pleuraerguss, ohne Vorbehandlung und Baseline-PET-CT.
Bei den meisten Patienten lagen eine Adenokarzinom-Histologie (44%) und das männliche Geschlecht (62%) vor. 22% der Patienten waren älter als 70 Jahre. Die Patientencharakteristika waren in beiden Armen nahezu gleich homogen.
Die Studie sah eine 1:1-Randomisation in zwei Therapiearme (A und B) vor. Dabei erhielten die Patienten in Arm A eine kombinierte Radiochemotherapie (70 Gy Gesamtdosis und 4 Zyklen Carboplatin AUC 5 plus Pemetrexed 500 mg/m² alle 21 Tage i.v.) gefolgt von 4 Zyklen Pemetrexed 500 mg/m² alle 21 Tage im Sinne einer Konsolidierungsbehandlung nach Abschluss der Radiotherapie. Der Therapiearm B erhielt während der ersten 4 Zyklen (also nur während der Radiotherapie) zusätzlich wöchentlich Cetuximab 250 mg/m² i.v.
Das Studienprotokoll sah eine weitere Beobachtung bzw. Nachuntersuchung vor, wenn mindestens 55% der Patienten 18 Monate überlebten.

Ergebnisse, Toxizität

Im Arm A (ohne Cetuximab) lag das Gesamtüberleben im Schnitt bei 22 Monaten, dabei wurde bei 28% der Fälle ein progressionsfreies Überleben von mind. 18 Monaten erreicht. Die Toxizität stellte sich folgendermaßen dar: Neutropenie 40%, fieberhafte Neutropenie 8%, Thrombopenie 36%, Erbrechen 8%, Ösophagitis 32%, Hautausschlag 2%, Fatigue 22%.
Im Arm B (mit Cetuximab) lag das Gesamtüberleben im Schnitt ebenfalls bei 22 Monaten, dabei wurde aber bei 34% der Fälle ein progressionsfreies Überleben von mind. 18 Monaten erreicht. Die Toxizität stellte sich folgendermaßen dar: Neutropenie 47%, fieberhafte Neutropenie 6%, Thrombopenie 34%, Erbrechen 10%, Ösophagitis 24%, Hautausschlag 21%, Fatigue 17%.

Die Ansprechrate, die Toxizitäten und das Gesamtüberleben waren demnach vergleichbar ausgeprägt ohne signifikantem Unterschied (bis auf den erwartet hohen Anteil des Hautausschlags ("Rash") in dem Cetuximab-Arm).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Autoren geben an, dass sie keinen signifikanten Vorteil bezüglich des zusätzlichen Einsatzes von Cetuximab im Rahmen des o.g. Therapiesettings herausarbeiten konnten. Jedoch betonen die Autoren klar, dass weitergehende Studien und längere Nachkontrollen sinnvoll erscheinen.

Kommentar / Beurteilung

Ich stimme den Autoren zu, dass die Ergebnisse dieser Studie, auch wenn sie formal keine erhebliche Signifikanz für den zusätzlichen Einsatz von Cetuximab in der kombinierten Radiochemotherapie des NSCLC belegen, eine weitergehende Untersuchung des Patientenkollektivs und auch andere Therapiemodalitäten nahe legen.
Die Frage stellt sich, ob der Einsatz des Cetuximabs auch nach der Radiotherapie (z.B. weitere12 Wochen, ähnlich der Therapiedauer des Pemetrexeds) fortgesetzt werden sollte.
Auch eine bessere Selektion des Patientenkollektivs prätherapeutisch erscheint interessant. Etwa ein gezielter Einsatz dieses Therapieprotokolls bei Patienten mit zumindest semiquantitativem EGFR-Nachweis (besser FISH oder gar EGFR-Mutationsanalyse) und Bestimmung der Thymidilatsynthase (TS), eines der Zielenzyme des Pemetrexed, erscheint sinnvoll. Diesbezüglich wird die Subgruppenanalyse des Studienkollektivs mit Spannung erwartet werden, da bei allen Patienten auch Biomarker prätherapeutisch für die retrospektive Analyse abgenommen worden sind.
Zusammenfassend also ist mit dieser Studie sicher kein Meilenstein in der Therapie des NSCLC in Stadium IIIA und IIIB geschaffen worden. Aber der Trend in Richtung gezielter Therapieformen, insbesondere der Verträglichkeit in Kombination mit anderen Therapiemodalitäten (Bestrahlung) ist bestätigt worden und ermutigt zur weitergehenden klinischen Forschung.


Autor des Berichts:

Dr. rer. pol. Okan Zaba

Institution:

Evangelische Lungenklinik Berlin Buch, Lindenberger Weg 27, 13125 Berlin

Letzte Änderung:

08.06.2009


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