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SATURN: Eine doppelblinde, randomisierte Phase-III-Studie zur Erhaltungstherapie mit Erlotinib vs. Placebo bei Patienten ohne Progress nach Cisplatin-basierter Erstlinienchemotherapie bei fortgeschrittenem NSCLC

Titel des Originals:

SATURN: A double-blind, randomized, phase III study of maintenance erlotinib versus placebo following nonprogression with first-line platinum-based chemotherapy in patients with advanced NSCLC

Abstract-Nr.:

8001

Jahr:

2009

Original im Internet:

J Clin Oncol 27:15s, 2009 (suppl; abstr 8001)

Autor/en:

F. Cappuzzo, T. Ciuleanu, L. Stelmakh, S. Cicenas, A. Szczesna, E. Juhasz, E. Esteban Gonzalez, O. Molinier, G. Klingelschmitt, G. Giaccone, on behalf of the SATURN Investigators

Institution/en:

Istituto Clinico Humanitas IRCCS, Rozzano, Italy; Institute of Oncology Ion Chiricuta, Cluj-Napoca, Romania; Pavlov State Medical University, St. Petersburg, Russian Federation; Institute of Oncology, Vilnius University, Vilnius, Lithuania; Mazowieckie Centrum Leczenia Chorob Pluc I Gruzlic, Otwock, Poland; Koranyi National Institute for Pulmonology, Budapest, Hungary; Hospital Universitario Central de Asturias, Oviedo, Spain; Centre Hospitalier Le Mans, Le Mans, France; F. Hoffmann-La Roche, Basel, Switzerland; CCR, National Cancer Institute, NIH, Bethesda, MD

Zusammenfassung des Berichts

Die Erhaltungstherapie mit Erlotinib im Vergleich zu Placebo nach einer Cisplatin-basierten Chemotherapie beim NSCLC ist verbunden mit einem verbesserten progressionsfreien Überleben in allen Subgruppen. Überlebensdaten sind ausstehend.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

EGF-R-Tyrosinkinaseinhibitoren verlängern das Überleben in der Zweit- und Drittlinientherapie signifikant. Zum Stellenwert in der Erhaltungstherapie nach Standardchemotherapie gibt es nur indirekte Hinweise.

Fragestellung der Studie

Kann eine Erhaltungstherapie das progressionsfreie Überleben bei Patienten nach einer Chemotherapie, die keinen Progress hatten, verlängern? Hat der EGF-R-Status in der Immunhistochemie einen Einfluss? Primärer Endpunkt war progressionsfreies Überleben und progressionsfreies Überleben bei EGFR-positiven Patienten in der Immunhistochemie.

Art der Studie

Doppelblinde, randomisierte, Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Nach 4 Zyklen Cisplatin-basierter Chemotherapie wurden Patienten, die keinen Progress ihres Tumors zeigten, randomisiert in eine Placebo-Gruppe und eine Gruppe, die Erlotinib 150 mg erhielt bis zum Progress.

Ergebnisse, Toxizität

1949 Patienten begannen mit der initialen Chemotherapie, von denen 889 zu Erlotinib (n=438) und Placebo (n=451) randomisiert wurden. Der Altersmedian betrug 60 Jahre in beiden Armen.

Verteilung im Erlotinib- und Placebo-Arm (%):

  • Mann/Frau: 73/27 und 75/25;
  • Adenokarzinom plus BAC*/PEC**/andere: 47/38/15 und 44/43/13;
  • Stadium IIIB/IV: 26/74 und 24/76;
  • Kaukasier/Asiaten/andere: 84/14/2 und 83/15/2;
  • ECOG Performance-Status 0/1: 31/69 und 32/68;
  • Raucher/Ex-Raucher/Nie-Raucher: 55/28/18 and 56/27/17

*BEC: Bronchioloalveolarzellkarzinom; **PEC: Plattenepithelkarzinom

Das progressionsfreie Überleben (Investigator beurteilt und bestätigt durch unabhängige Reviewer) war signifikant verlängert bei allen Patienten mit Erlotinib vs. Placebo (Hazard-Ratio (HR) 0,71 (95%-Konfidenzintervall (KI) 0,62-0,82); p<0,0001) und bei EGF-R-positiven Patienten (HR 0,69 (95%-KI 0,58-0,82); p<0,0001). Alle Subgruppen profitierten, wobei  Patienten mit Adenokarzinom, Nicht-Raucher und Asiaten mehr profitierten.

Der Response betrug 12% mit Erlotinib vs. 5% mit Placebo. Erkrankungskontrolle (komplette Remission, partielle Remission, stabile Erkrankung über 12 Wochen) war 40,8% mit Erlotinib und 27,4% mit Placebo (p<0,0001). Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgewertet.

Die Nebenwirkungen von Erlotinib waren vorwiegend Grad 1/2. Zum Großteil (>/= 10%) Hautausschlag (60% im Erlotinib- und 9% im Placebo-Arm) und Durchfall (20% mit Erlotinib und 5% mit Placebo) zumeist Grad 1/2. 2,3% hatten schwere Nebenwirkungen mit Erlotinib, 2,8% brachen die Therapie auf Grund von Nebenwirkungen ab.

Nach Abschluss der Studie erhielten 50% mit Erlotinib und 64% mit Placebo eine weitere Therapie (EGF-R-Tyrosinkinaseinhibitor 5% vs. 16%).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die SATURN-Studie trifft ihren primären Endpunkt mit hoher statistischer Signifikanz. Erlotinib ist in der Erhaltung nach Erstlinienchemotherapie gut verträglich, verbessert die Erkrankungskontrolle und verzögert die Progression vs. Placebo bei allen Patientensubgruppen.

Kommentar / Beurteilung

Die Wirksamkeit von Erlotinib in der Zweit- und Drittlinientherapie konnte bereits gezeigt werden. Ähnlich wie in der JMEN-Studie zur Erhaltungstherapie mit Pemetrexed und der Konsolidierungsthrapie mit Docetaxel [Fidias PM 2009] zeigt sich auch hier ein Effekt in Hinsicht auf progressionsfreies Überleben. Daten zum Gesamtüberleben fehlen allerdings noch. Vielfach wird der Wunsch einer Therapiepause von Patienten geäußert, so dass auch in der Studie nur 889 von 1949 Patienten überhaupt eine Erhaltungstherapie erhielten. Bis zur Publikation der weiteren Daten kann eine Erhaltungstherapie zu diesem Zeitpunkt allenfalls eine Einzelfallentscheidung sein.


Autor des Berichts:

Dr. med. Andreas Gröschel

Institution:

Universitätsklinikum des Saarlandes, Innere Medizin V, 66421 Homburg/Saar

Letzte Änderung:

22.06.2009


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Fidias PM, Dakhil SR, Lyss AP, Loesch DM, Waterhouse DM, Bromund JL, Chen R, Hristova-Kazmierski M, Treat J, Obasaju CK, Marciniak M, Gill J, Schiller JH.
    Phase III study of immediate compared with delayed docetaxel after front-line therapy with gemcitabine plus carboplatin in advanced non-small-cell lung cancer.
    J Clin Oncol. 2009 Feb 1;27(4):591-8. PMID:19075278
    [Medline]


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