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16 Supportive Maßnahmen in der Strahlentherapie: Einleitung
Onkologisches Behandlungsziel in der Strahlentherapie (RTX) ist die maximale Tumorzellvernichtung mit möglichst minimalen Nebenwirkungen unter Beibehaltung einer guten Lebensqualität.
Die Intensität der Therapie wird durch das Therapieziel bestimmt. Bei einem kurativen Strahlentherapieziel werden temporäre Nebenwirkungen entsprechend der Nutzen-Risiko-Abwägung eher in Kauf genommen. Bei palliativer Zielsetzung der RTX wird eine Symptomlinderung ohne beeinträchtigende Nebenwirkungen angestrebt, die Lebensqualität ist zielführend.
Nebenwirkungen der RTX sind kalkulierbar. Sie werden im Aufklärungsgespräch mit dem Patienten individuell diskutiert; Vorteilargumente und Therapiealternativen sollten dem Patienten verständlich sein.
Bereits die Therapieplanung ist auf die Reduktion von Nebenwirkungen ausgerichtet. Die Nebenwirkungen der RTX werden durch therapiebedingte und patientenseitige Faktoren bestimmt. Physikalische Einflussfaktoren, wie Feldlokalisation, Bestrahlungsvolumen, Fraktionierung und Strahlenart, sind ebenfalls von Bedeutung. Vonseiten des Patienten sind der Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und das Alter sowie simultane Medikationen, wie z.B. Chemotherapie, zusätzliche Einflussfaktoren.
Es werden akute Nebenwirkungen nach RTOG-Definition (innerhalb von 90 Tagen nach RTX-Beginn) und späte chronische Verläufe unterschieden. Eine Sonderform sind schwere anhaltende akute Reaktionen (Consequential late effects), welche in eine Spättoxizität übergehen können.
Sowohl Akut- als auch Spättoxizität werden durch die Einzel- und Gesamtdosis bestimmt. Akutreaktionen sind im Hochdosisbereich ausschlaggebend. Die akuten Reaktionen sind durch Ödembildung (Hirnödem, Larynxödem etc.), Störungen der Zellproliferation, akute Funktionsstörungen (Leber, Niere, Lunge) oder Interaktionen mit Botenstoffen auf zentraler Rezeptorebene (Emesis) bedingt. Akute Nebenwirkungen sind häufig klinisch relevant. Für späte Nebenwirkungen spielt die Einzeldosis eine große Rolle. Die Spättoxizität basiert auf einem komplizierten Mechanismus mit Schädigung des Gefäß-Bindegewebe-Systems und komplexen immunologischen Prozessen. Die Spättoxizität ist dosislimitierend und bestimmt die Lebensqualität der Patienten nach der Therapie erheblich.
Eine enge Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht für die Spättoxizität, mit steilem Anstieg des Risikos für Spätnebenwirkungen nach Überschreiten der bekannten Toleranzdosen.
Rasch proliferierende Gewebe wie die Mukosa oder das Knochenmark regenerieren während einer RTX nur langsam. Reaktionen der Mukosa äußern sich in Denudation und Entzündungen mit den entsprechenden Nebenwirkungen, wie Schmerzen, Durchfall, Mangelernährung und andere.
Die akute Toxizität bestimmt die Compliance des Patienten und die tolerierbare Therapieintensität. Sie ist dosislimitierend. Akute Toxizitäten können zu Therapieunterbrechungen und zur Gefährdung des Erreichens eines kurativen Therapieziels führen. Das Therapiekonzept beinhaltet deshalb bereits in der Behandlungsplanung eine Schonung gesunden Gewebes und individuelle Supportivmaßnahmen.
Akutreaktionen werden durch eine individuelle 3D-Bestrahlungsplanung mit Schonung der Risikostrukturen sowie eine medikamentöse Prophylaxe vermindert.
Eine minimale Spättoxizität wird durch Einhaltung der Toleranzdosen der Risikoorgane und Vermeidung von Consequential late effects erreicht. Hochkonformale Bestrahlungstechniken bei hochdosierter Bestrahlung stellen eine weitere Maßnahme dar.
Prophylaxe und Therapie der Nebenwirkungen - sowohl der Früh- als auch der Spättoxizitäten - gehören zum Behandlungskonzept in der RTX.
In den vergangen Jahren hat sich die supportive Therapie von einer begleitenden Behandlung zu einer hoch spezialisierten, eigenständigen multidisziplinären Therapie entwickelt, die Einfluss auf die gesamte Behandlungsstrategie nimmt und neben der Lebensqualität auch die Prognose verbessern kann.
Es ist heute die Regel, dass eine aggressive Tumortherapie von einer adäquaten Supportivtherapie begleitet wird.
Mit dem Fortschritt in der Tumortherapie hat sich auch das Management der Begleit- und Nebenwirkungen entwickelt. Es stehen neue effektive Medikamente zur multimodalen Supportivbehandlung zur Verfügung. Dazu zählen die neuen 5-HT3-Antagonisten, Wachstumsfaktoren, wirksamere Antibiotika, Nutritiva und Substitutionspräparate.
Neue Verfahren in der Supportivtherapie helfen bei Mukositisprophylaxe und -therapie. Fatigue wird in der Komplexität besser verstanden und dadurch interdisziplinär effektiver behandelbar.
Die durch neue Therapieverfahren verlängerten Überlebensraten erfordern ihrerseits neue Bewältigungsstrategien des Supports für eine adäquate Lebensqualität dieser zusätzlich gewonnenen Lebenszeit.
Schwerpunkte der gegenwärtigen Supportivtherapie in der Radioonkonkologie sind:
- Prophylaxe und Behandlung lokaler Nebenwirkungen, wie Mukositis und Xerostomie, und systemischer Nebenwirkungen, wie Nausea, Emesis und Schmerzen
- Management der Probleme der Myelotoxizität
- Dosisintensivierung zur Kuration bei gleichzeitiger Minimierung von Nebenwirkungen
- Regeneration geschädigter Zellen durch Wachstumsfaktoren
- Behandlungsstrategien komplexer, tumorspezifischer Symptome, wie Fatigue, Kachexie und Anämie
- Beeinflussung psychosozialer Bereiche der Fatigue durch Patientenbegleitung und Unterstützung der Angehörigen
- Kommunikation und Weiterbildung der Patienten, der Angehörigen und des medizinischen Personals in risikoadaptierten Möglichkeiten der Hilfe zur Selbsthilfe
Die komplexe Behandlungsstrategie der Supportivtherapie wird erst durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich. Dazu ist die Kommunikation zwischen Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Krankenpflegepersonal, Psychoonkologen, Sozialarbeitern, Apothekern und Angehörigen erforderlich, um erfolgreich und hilfreich zu sein.
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Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch:
 
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Aktuelle Berichte vom 53th ASH Annual Meeting 2011, San Diego, Kalifornien, USA [ Mehr]
2011 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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