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Die R.E.A.L.-Klassifikation maligner Lymphome

Autor/en: M. Uppenkamp
Letzte Änderung: 30.05.2003

Um das zuvor genannte Dilemma zu überwinden (siehe Dokument 'Working Formulation'), wurde 1990 die International Lymphoma Study Group (ILSG) von H. Stein und P. Isaacson gegründet. Von den 19 Mitglieder kamen ein Drittel aus den USA, alle anderen kamen bis auf eine Ausnahme aus Europa. Die ILSG definierte generelle Prinzipien, auf denen die neue 'Revised European-American Classification of Lymphoid Neoplasms' basierte. Ziel der 19 Pathologen war es, einen gemeinsamen Nenner für die anzuwendenden diagnostischen Techniken (Morphologie, Immunologie und Molekulargenetik) und für die Reproduzierbarkeit der Hauptentitäten zu finden.

Die Lymphome wurden nach Linienzugehörigkeit (B- oder T-Zell Lymphome) und Differenzierungsgrad (Vorläufer- oder periphere/reife Lymphome) klassifiziert. Zusätzlich unterschied die R.E.A.L.-Klassifikation zwischen gut definierten, vorläufigen und unklassifizierten Lymphomentitäten [Harris NL 1994].

Im Gegensatz zum Kiel-Schema wurde auf ein Gradingsystem verzichtet, um die Signifikanz der einzelnen Entitäten zu betonen. Es ist offensichtlich, dass einige Entitäten einen indolenten und andere einen aggressiven Verlauf nehmen. Dieses Verhalten drückt sich in den Überlebenswahrscheinlichkeiten der Patienten aus und kann sich je nach therapeutischen Möglichkeiten ändern.

Das follikuläre Lymphom (zentroblastisches-zentrozytisches NHL) wurde in 3 unterschiedliche Grade, je nach Anzahl der Zentroblasten im hochauflösenden Gesichtsfeld (hpf = 'high-power microscopic field!') am Mikroskop unterteilt. Grad 1 ist durch 0-5 Zentroblasten/hpf, Grad 2 durch 6-15, Grad 3 durch >15 Zentroblasten/hpf definiert. Grad 3 ist weiter in 3a mit >15 Zentroblasten mit vereinzelten Zentrozyten und 3b mit durchgehenden Zentroblastenrasen unterteilt. Grad-3-Fälle entsprechen weitgehend dem hoch malignen zentroblastischen NHL der Kiel-Klassifikation.

Weiterhin wurden die hoch malignen Non-Hodgkin-Lymphome, die in der Kiel-Klassifikation 3 distinkte Subgruppen (zentroblastisch, B-immunoblastisch und großzellig anaplastisch) umfassen, als diffus großzellige B-Zell Lymphome zwecks besserer Reproduzierbarkeit, zusammengefasst. Da jedoch klinische Daten einer prospektiven Studien belegt hatten, dass ein prognostischer Unterschied zwischen den morphologischen Varianten besteht [Engelhard M 1997], erhielt der Pathologe die Möglichkeit die spezifischen morphologischen Varianten zu beschreiben.

Eine vorangegangene Evaluation der peripheren T-Zell Lymphome der überarbeiteten (updated) Kiel-Klassifikation hatte eine geringe Reproduzierbarkeit zwischen den Untersuchern ergeben [Hastrup N 1991]. Die ILSG hatte Schwierigkeiten die peripheren T-Zell Lymphome zu klassifizieren. Um unnötige Komplexizität zu vermeiden und eine höhere Reproduzierbarkeit zu erreichen, wurden die verschiedenen T-Zellentitäten der Kiel-Klassifikation als unspezifizierte periphere T-Zell-Lymphome zusammengefasst.

Weitere lymphatische Erkrankungen, wie der Morbus Hodgkin und das Multiple Myelom, wurden in die R.E.A.L.-Klassifikation aufgenommen.

Eine tabellarische Übersicht über die R.E.A.L.-Klassifikation findet sich im Vergleich zur WHO- und der Kiel-Klassifikation im Dokument "WHO-Klassifikation im Vergleich".

Klinische Evaluation der R.E.A.L.-Klassifikation

Die klinische Signifikanz und Reproduzierbarkeit der Kiel- und R.E.A.L.-Klassifikation wurden in einer retrospektiven Analyse von Armitage und Mitarbeitern 1997 belegt ('The Non-Hodgkin's Lymphoma Classification Project') [The Non-Hodgkin's Lymphoma Classification Project 1997].

Über 1.400 Fälle mit Non-Hodgkin-Lymphomen wurden an 9 Studienzentren weltweit zusammengefasst und von 5 Pathologen nach den Kriterien und Prinzipien der ILSG reevaluiert. Die Diagnose wurde in 1.378 (98,2%) der Fälle bestätigt. Die Treffsicherheit zwischen den Pathologen lag für die Hauptlymphomkategorien bei wenigstens 85%. Die Reproduzierbarkeit der Diagnose lag bei ein und demselben Pathologen bei 85%.
Die Untersuchung zeigte auch, dass die Immmunphänotypisierung die Genauigkeit der Diagnose um 10-45% anheben kann.

Mit der neuen R.E.A.L.-Klassifikation war man in der Lage, klinisch unterschiedliche Lymphomentitäten sicher zu identifizieren. Die histologische Diagnose in Kombination mit den prognostischen Faktoren, definiert durch den International Prognostic Index (IPI), erwies sich als nützliches Instrument, um eine klinisch relevante Entscheidung zu fällen [The International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project 1993] [Shipp M 1994].

Literaturreferenzen:

  • Engelhard M, Brittinger G, Huhn D, Gerhartz HH, Meusers P, Siegert W, Thiel E, Wilmanns W, Aydemir U, Bierwolf S, Griesser H, Tiemann M, Lennert K. Subclassification of diffuse large B-cell lymphomas according to the Kiel classification: distinction of centroblastic and immunoblastic lymphomas is a significant prognostic risk factor.
    Blood 1997;89:2291-2297. PM:9116271
    [Medline]


  • Harris NL, Jaffe ES, Stein H, Banks PM, Chan JKC, Cleary ML, Delsol G, deWolf-Peeters C, Falini B, Gatter KC, Grogan TM, Isaacson PG, Knowles DM, Mason DY, Müller-Hermelink H-K, Pileri S, Piris MA, Ralfkiaer E, Warnke RA.
    A revised European-American classification of lymphoid neoplasms: a proposal from the International Lymphoma Study Group.
    Blood 1994;84:1361-1392. PM:8068936
    [Medline]


  • Hastrup N, Hamilton-Dutoit S, Ralfkiaer E, Pallesen G.
    Peripheral T-cell lymphomas: an evaluation of reproducibility of the updated Kiel classification.
    Histopathology 1991;18:99-105. PM:2010191
    [Medline]


  • Shipp M.
    Prognostic factors in aggressive Non-Hodgkin's lymphoma: who has high-risk disease?
    Blood 1994;83:1165-1173. PM:8118021
    [Medline]


  • The International Non-Hodgkin's Lymphoma Prognostic Factors Project.
    A predictive model for aggressive Non-Hodgkin's lymphoma.
    N Engl J Med 1993;329:987-994. PM:8141877
    [Medline]


  • The Non-Hodgkin's Lymphoma Classification Project.
    A clinical evaluation of the International Lymphoma Study Group classification of Non-Hodgkin’s lymphoma.
    Blood 1997;89:3909-3918. PM:9166827
    [Medline]


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