Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Prävention des kolorektalen Karzinoms

Autor/en: H.-J. Schmoll, D. Arnold, A. Lang, U. Graeven
Letzte Änderung: 22.05.2007

Primäre Prävention

Im Konsensus 2004 wurde eine besondere Bedeutung der regelmäßigen körperlichen Aktivität und einer Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Personen (über 25 kg/m2 BMI) zugeschrieben sowie Nikotinabstinenz, vermehrte Aufnahme von Obst und Gemüse (mindestens 5 Portionen/Tag), eine Limitierung des Alkoholkonsums sowie folsäure- und kalziumreiche Kost empfohlen.

Vorrangiger Fischkonsum sowie Reduktion des Fettverzehrs oder Förderung der Aufnahme von Vitamin-C-haltiger Nahrung wurde wegen divergierender Daten nicht empfohlen, ebenso wenig wurde die standardmäßige Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure oder COX-2-Inhibitoren, 5-ASA, Sulindac, Cholesterinsyntheseinhibitoren oder Ursodesoxycholsäure bzw. Magnesium, Beta-Karotin, Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E oder Selen empfohlen. Auch eine Hormonersatztherapie sollte nicht aus dem (alleinigen) Grund der Risikoreduktion des kolorektalen Karzinoms bei Frauen gegeben werden [Bromer MQ 2005].

Empfehlungen zur Ernährung und köperlichen Aktivität in der Prävention des kolorektalen Karzinoms - nach [Kluge S 2004]

World Health Organisation

American Cancer Society

Dt. Gesellschaft für Ernährung

Mehr Obst und Gemüse essen (mind. 400 g tägl.)

5 oder mehr Portionen Obst und Gemüse tägl.

Gemüse und Obst -
Nimm "5 am Tag"

Mehr Vollkornprodukte essen

Bevorzugt Vollkornprodukte gegenüber raffiniertem Getreide und Zucker

Getreideprodukte mehrmals am Tag, am besten aus Vollkorn (Richtwert für Ballaststoffzufuhr: 30 g/Tag)

Moderater Verzehr verarbeiteter Fleischwaren

Weniger rotes Fleisch und Fleischwaren

Fleisch und Wurstwaren in Maßen

Konsum auf 20 g Alkohol/Tag beschränken

Limitierter Alkoholkonsum, 1 (Frauen) bzw. 2 (Männer) Getränke tägl.

Alkohol nur gelegentlich und in kleinen Mengen konsumieren (Männer 20 g, Frauen 10 g/Tag)

Normales Körpergewicht halten
(18,5 >/= BMI =/< 25 kg/m2)

Lebensmittel bevorzugen, die ein gesundes Gewicht erhalten

Auf Wunschgewicht achten

Tägliche körperliche Aktivitäten (60 min moderate Aktivität wie Wandern, Gehen)

Körperlich aktiver Lebensstil (mind. 30 min moderate Aktivitäten an mind. 5 Tagen/Woche)

In Bewegung bleiben

Sekundäre Prävention - Screeningmaßnahmen

Koloskopie

Von entscheidender Bedeutung ist die Koloskopie im Alter von 50 Jahren, ohne obere Altersbegrenzung. Sie ist der Sigmoidoskopie eindeutig überlegen, allerdings müssen für die Sicherheit Standardqualitätsrichtlinien beachtet werden. Da die Früherkennungskoloskopie mindestens einmal innerhalb von 10 Jahren von den Kassen übernommen wird, sollten alle Personen auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.
Für solche Personen, die eine Früherkennungskoloskopie ablehnen, sollten alle 5 Jahre eine Sigmoidoskopie sowie jährlich ein Gujak-Test durchgeführt werden. Die Inzidenz von Karzinomen kann durch eine Adenektomie im Rahmen einer Koloskopie um 66 bis 90% gesenkt werden.

Gujak-Test

Personen mit durchschnittlichem Darmkrebsrisiko, die keine Koloskopie wünschen oder durchführen lassen wollen, sollten zumindest einmal pro Jahr einen Test auf Blut im Stuhl (FOBT/Gujak-Test) für drei konsekutive Stühle abgeben. Schon dieses einfache Screeningverfahren senkt die Darmkrebssterblichkeit um 15-33%. Bei positivem Testergebnis muss auf jeden Fall eine endoskopische Untersuchung des gesamten Kolons und Rektums erfolgen. Die Sensitivität des Tests hängt ab von der Art der Durchführung und der Patienteninstruktion.

Problematisch für einen FOBT sind die mäßige Sensitivität für frühe und mittlere Karzinome sowie eine geringe Sensitivität für Adenome.

Molekulare Screeningmethoden

Stuhluntersuchungen auf DNS-Veränderungen werden aufgrund der unzureichenden Datenlage außerhalb von Studien nicht empfohlen; interessant sind aber die damit verbundenen Möglichkeiten wie Nachweis von Mutanten für Onkogene (z. B. Ras, Pyruvatkinase M2, MUC1, APC, p53, MSI) [Müller O 2003] [Osborn N 2005].

Radiologische Verfahren

Die CT- oder MRT-Kolonographie ist derzeit keine flächendeckende Methode und mit entweder Strahlenbelastung oder aufwendiger Darmsäuberung belastet; allerdings kann bei weiterer Optimierung der virtuellen CT oder MRT diese Methode durchaus für Verweigerer von koloskopischen Untersuchungen in Frage kommen. Probleme bleiben der Nachweis von flachen Polypen sowie die Qualitätsunterschiede bei verschiedenen Untersuchungen; letzteres gilt allerdings auch für die Koloskopie.

Sekundäre Prävention und Screeningmaßnahmen bei Angehörigen von Risikogruppen

Wegen der relativen Seltenheit dieser Patienten einerseits und der komplexen Empfehlungen andererseits wird für diese Patienten auf die Angaben im Konsensustext 2004 verwiesen [Schmiegel W 2004].

Literaturreferenzen:

  • Bromer MQ, Weinberg DS.
    Screening for colorectal cancer - now and the near future.
    Semin Oncol 2005;32:3-10. PM:15726501
    [Medline]


  • Kluge S, Boeing H.
    Beitrag der Ernährung zur Primärprävention in der Onkologie.
    Onkologe 2004;10:139-147.


  • Müller O.
    Identification of colon cancer patients by molecular diagnosis.
    Dig Dis 2003;21:315-319. PM:14752221
    [Medline]


  • Osborn N, Ahlquist DA.
    Stool screening for colorectal cancer: Molecular approaches.
    Gastroenterology 2005;128:192-206. PM:15633136
    [Medline]


  • Schmiegel W, Pox C, Adler G.
    S3-Leitlinienkonferenz "Kolorektales Karzinom".
    Z Gastroenterol 2004;10:1129-1177.


Interdisziplinäre S3-Leitlinie 2004: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des kolo-
rektalen Karzinoms [Mehr]
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ASCO-Berichte zum Kolo-
rektalen Karzinom: 2006, 2005, 2004
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