Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Stellung der Chirurgie beim kolorektalen Karzinom

Autor/en: H.-J. Schmoll, D. Arnold, A. Lang, U. Graeven
Letzte Änderung: 22.05.2007

Resektion von Adenomen

Nach Abtragung singulärer oder multipler, ausschließlich nicht-neoplastischer Polypen besteht keine Notwendigkeit einer endoskopischen Nachsorge. Es gelten die allgemeinen Regeln zur Prävention bzw. Früherkennung des kolorektalen Karzinoms. Ausnahmen sind nicht-neoplastische Polypose (hyperplastische, juvenile, Peutz-Jeghers) mit erhöhtem Risiko einer malignen Entartung.

Nach kompletter Abtragung neoplastischer Polypen (Adenome) ist eine Kontrollkoloskopie erforderlich. Die erste endoskopische Kontrolle nach Schlingenektomie eines oder mehrerer Adenome erfolgt nach 3 Jahren; Voraussetzung ist ein adenomfreier Darm. Nach unauffälliger Kontrollendoskopie sind weitere Kontrollen in 5-jährigen Abständen angezeigt.

Bei unvollständig entfernten neoplastischen Läsionen sollte die endoskopische, wenn möglich die chirurgische Restpolypektomie zeitnah erfolgen. Dabei ist die Abtragung im Gesunden (im Sinne einer R0-Resektion) obligat. Adenome, die makroskopisch-endoskopisch und/oder aufgrund des histologischen Befundes in toto entfernt worden sind, bedürfen keiner kurzfristigen Nachsorge. Dies gilt auch für Adenome mit hochgradiger intraepithelialer Neoplasie.

Bei makroskopisch kompletter, aber histologisch - aufgrund der Diathermieschäden bzw. nach "Piecemeal"-Resektion - unsicherer Abtragung im Gesunden sollte bei Adenomen mit hochgradiger intraepithelialer Neoplasie eine endoskopisch-bioptische Kontrolle der Abtragungsstellen zeitnah erfolgen.

Ergibt die histologische Untersuchung eines endoskopisch entfernten Polypen ein Adenom mit pT1-Karzinom, kann auf eine onkologische Nachresektion verzichtet werden, wenn es sich um eine Low-risk-Situation bei histologisch karzinomfreier Polypenbasis (R0) handelt. In der High-risk-Situation ist die radikale chirurgische Behandlung erforderlich, auch wenn die Läsion komplett entfernt wurde. Die endoskopische Nachsorge erfolgt in Abhängigkeit von der Risikoklassifikation und der Lokalisation:

  • Low-risk (pT1), Low-grade (G1, G2, L0): Kontrollendoskopie nach 6, 24 und 60 Monaten
  • High-risk (pT1), High-grade (G3, G4 oder L1): radikale chirurgische Therapie und anschließend Kontrollendoskopie nach 24 und 60 Monaten

Bei inkompletter Abtragung eines Low-risk-T1-Karzinoms in einem Adenom muss eine komplette endoskopische oder chirurgische Entfernung erfolgen. Wenn eine R0-Situation nicht erreichbar ist, so ist die chirurgische Resektion obligat. Die Lymphknoten-metastasierungsrate beträgt bis zu 36%.

Kolonkarzinom_11_Therapie_CRC_Abb12.gif

Richtlinie zum therapeutischen Vorgehen und zur Nachsorge bei Patienten mit Kolonpolypen - nach [Messmann H 2005]

Resektion des Primärtumors

Die chirurgische Resektion ist der entscheidende Part in der Therapie des Kolon- und Rektumkarzinoms. Von essenzieller Bedeutung sind die Qualität der chirurgischen Resektion, die Radikalität und vor allem die Definition des Lymphknotenstadiums mit ausreichender Resektion der Lymphknotenregionen und Lymphknotenzahl, ebenso wie die pathohisto-logische Diagnostik.

Kolonkarzinom

Das Ausmaß der Darmresektion wird durch die Resektion der versorgenden Gefäße und des dadurch definierten Lymphabflussgebietes vorgegeben. Bei einem Primärtumor zwischen zwei zentralen Gefäßen werden beide mit entfernt. Am Versorgungsgebiet der radikulär durchgetrennten Gefäße orientiert sich das Resektionsausmaß, das aber mindestens 10 cm beidseits des Tumors betragen sollte. Im Falle einer rechtsseitigen Kolonresektion reicht eine Resektion des terminalen Ileums von ca. 10 cm aus [Hohenberger W 2005].

Karzinom des Zökums und Colon ascendens

Die Hemikolektomie rechts mit radikulärer Durchtrennung der A. colica dextra und der A. ileocolica sollte Standard sein. Der Stamm der A. colica media wird erhalten, die nach rechts ziehenden Äste der A. colica media werden zentral durchtrennt. Das große Netz wird im Bereich des Tumors mit entfernt.

Karzinom der rechten Flexur und des proximalen Colon transversum

Standard ist die erweiterte Hemikolektomie rechts mit zentraler Ligierung der A. colica media am Ursprung der A. mesenterica superior. Die distale Resektionsgrenze liegt nahe der linken Flexur. Das große Netz wird reseziert zusammen mit dem Ligamentum gastrocolicum und der Arkade der A. und V. gastroepiploica dextra, korrespondierend zur Lage des Karzinoms am Querkolon. Bei Lage des Tumors in der rechten Flexur werden die Lymphknoten über dem Pankreaskopf entfernt, bei der linken Flexur am Pankreasunterrand.

Karzinom des mittleren Transversumdrittels

Bei Sitz des Tumors in der Mitte des Transversums wird eine Transversumresektion mit zentraler Ligatur der A. colica media durchgeführt. Nur im Zweifelsfall ist eine erweiterte Hemikolektomie links notwendig. Das große Netz wird mit Ligamentum gastrocolicum und der gastroepiploischen Arkade reseziert [Hohenberger W 2005].

Karzinom des distalen Transversumdrittels und der linken Kolonflexur

Standard ist die erweiterte Hemikolektomie links mit Entfernung des Lymphabflussgebiets im Bereich der A. colica media und A. mesenterica inferior. Eine Alternative ist die abgangsnahe Ligatur der A. colica sinistra bei Erhalt des Stammes der A. mesenterica inferior. Dies führt dazu, dass das distale Sigma belassen werden kann. In Abhängigkeit von der Lokalisation von Tumor- und Durchblutungssituation kann die rechte Kolonflexur erhalten werden. Die Lymphknoten am Stamm der A. mesenterica superior sollten aus diagnostischen Gründen bis zur Aorta reseziert werden.

Karzinom des Colon descendens und proximalen Sigmas

Standard ist die Hemikolektomie links mit radikulärer Unterbindung der A. mesenterica inferior und Resektionsgrenze im oberen Rektumdrittel. Die linke Flexur wird in der Regel mit reseziert.

Tumoren des mittleren und distalen Sigmas

Standard ist die radikale Sigmaresektion mit zentraler Ligatur der A. mesenterica inferior oder auch distaler Ligatur unterhalb des Abgangs der A. colica sinistra. Die Resektionsgrenze ist das Colon descendens und das obere Rektumdrittel.

Rektumkarzinom

Ebenso wie beim Kolonkarzinom müssen Primärtumor und Lymphabfluss mit Einschluss des gesamten Mesorektums entfernt werden. Nur in selektionierten Fällen ist eine kurative Resektion durch lokale Maßnahmen möglich. Folgende Operationsverfahren sind gleichwertig, wobei die Indikationsstellung von der Tumorlokalisation, Beziehung zur Linea dentata und dem Levatorschenkel, der Tiefeninfiltration und der Sphinkterfunktion abhängig ist:

  • tiefe anteriore Rektumresektion
  • abdomino-perineale Rektumexstirpation
  • intersphinktäre Rektumresektion (Synonym: abdomino-perineale Rektumresektion)

Cave: Nach Möglichkeit sind kontinenzerhaltende Verfahren unter Abwägung der zu erwartenden späteren Lebensqualität zu bevorzugen. Nur bei zu erwartender schlechter Sphinkterfunktion sollte anstelle einer tiefen Resektion der Rektumexstirpation mit permanenter Kolostomie der Vorzug gegeben werden.

Die folgenden Prinzipien der Operation müssen eingehalten werden:

  • Entfernung des regionären Lymphabflussgebietes mit Absetzung der A. mesenterica inferior distal des Abgangs der A. colica sinistra;
  • Lymphknotenentfernung am Stamm der A. mesenterica ist nicht nach dieser Maßnahme notwendig;
  • totale Entfernung des Mesorektums am Karzinom des mittleren und unteren Rektumdrittels und die partielle Mesorektumexzision beim Karzinom des oberen Rektumdrittels, durch scharfe Dissektion entlang anatomischer Strukturen zwischen Fascia pelvis visceralis und parietalis (totale mesorektale Exzision);
  • Einhaltung eines ausreichenden Sicherheitsabstandes;
  • En-bloc-Resektion von tumoradhärenten Organen (multiviszerale Resektion) zur Vermeidung einer örtlichen Tumorzelldissemination;
  • Schonung der autonomen Beckennerven wie Plexus hypogastrici inferior und superior

Tumoren des oberen Rektumdrittels

Bei T3- und T4-Tumoren liegen selten Satellitenknoten oder Lymphknotenmetastasen bis zu 4 cm distal des makroskopischen Tumorrandes vor (gemessen am histologischen Schnitt nach Fixation des nicht ausgespannten Präparats). Es erfolgt daher die Durchtrennung des Rektums mit partieller Mesorektumexzision 5 cm distal des makroskopischen Tumorrandes (gemessen in vivo). Das Mesorektum sollte horizontal ohne proximalwärtige Ausdünnung durchtrennt werden.

Tumoren des mittleren und unteren Rektumdrittels

Bei Tumoren des mittleren und unteren Rektumdrittels wird eine totale Mesorektumexzision (TME) durchgeführt; bis zum Beckenboden unter Schonung des Plexus hypogastricus superior, der Nn. hypogastrici und der Plexus hypogastrici inferiores. Bei gut oder mäßig differenzierten Low-grade-Tumoren des unteren Rektumdrittels ist ein aboraler Sicherheitsabstand von 2 cm in situ ausreichend. Als minimaler Abstand am frischen, nicht eingespannten Präparat kann 1 cm gelten, um eine kontinenzerhaltende Resektion zu ermöglichen. Bei "High-grade"-Tumoren (Grad 3/4) ist ein größerer Sicherheitsabstand anzustreben.

Bei Karzinomen des unteren Drittels kann als Alternative zu der ansonsten erforderlichen Rektumexstirpation die intersphinktäre Rektumexstirpation (Synonym: abdomino-perineale Rektumresektion) durchgeführt werden, wenn - unter Wahrung der Sicherheitsabstände - die puborektale Schlinge nicht infiltriert ist. Diese Operation setzt besondere Erfahrung voraus.

Nach TME mit sphinkternaher Anastomose ist potenziell mit erheblichen funktionellen Störungen zu rechnen. Nach Möglichkeit sollten alternative Rekonstruktionsverfahren evaluiert werden:

  • Colon-J-Pouch,
  • transverse Koloplastik,
  • Seit-zu-End-Anastomose.

Notwendige Angaben für die Stadien- und Risikogruppenzuordnung

Zur Beurteilung und Dokumentation der Qualität der Mesorektumentfernung sollte am ehesten die Graduierung der MERCURY-Studie ("Magnetic resonance imaging and rectal cancer equivalence study project") gewählt werden:

  • Grad 1: intaktes Mesorektum mit nur geringen Unregelmäßigkeiten der glatten Mesorektumoberfläche, kein Defekt größer als 5 mm, kein Coning;
  • Grad 2: mäßige Menge von Mesorektum mit Unregelmäßigkeiten an der Mesorektumoberfläche, mäßiges Coning, Muscularis propria nicht sichtbar, außer am Ansatz der Levatormuskulatur;
  • Grad 3: wenig Mesorektum mit Defekt bis zur Muscularis propria.

Lokale Operationsverfahren des Rektumkarzinoms

Die chirurgische Tumorresektion beim Rektumkarzinom (Vollwandexzision) als alleinige therapeutische Maßnahme ist ausreichend bei:

  • pT1-Karzinom,
  • Durchmesser =/< 3 cm,
  • guter oder mäßiger Differenzierung,
  • keine Lymphgefäßinvasion ("Low-risk"-Histologie),
  • R0-Resektion.

Bei T1-High-risk-Karzinomen mit Grad 3/4 und/oder Lymphgefäßinvasion sowie bei T2-Karzinomen liegt die Rate von Lymphknotenmetastasen bei 10-20%, so dass die alleinige lokale Exzision nicht grundsätzlich empfohlen werden kann.

Palliative Chirurgie beim Rektumkarzinom

Auch bei nachgewiesenen Fernmetastasen ist eine Resektion des Primärtumors anzustreben, allerdings unter rein palliativen Gesichtspunkten. Dies bedeutet, dass keine supraradikale Operation erforderlich ist und insbesondere eine sakrale Resektion mit postoperativ offener Sakralhöhle und/oder ein Verlust der Potentia coeundi sowie Verletzung der sympathischen Fasern vermieden werden müssen. Das Ziel dieser Operation ist die Kontinenz- und Funktionserhaltung.

Auch wenn eine Resektion nicht möglich ist, kann eine palliative Operation wie eine Umgehungsanastomose zu einer erheblichen Verbesserung der Symptomatik und zu einer Lebensverlängerung mit akzeptabler Lebensqualität führen.

Laparoskopische Chirurgie

Die chirurgische Resektion ist der entscheidende Part in der Therapie des Kolon- und Rektumkarzinoms. Nach wie vor ist eine Heilung nur durch eine vollständige Resektion des Primärtumors nach tumorchirurgischen Kriterien möglich. Bereits längere Zeit sind laparoskopische Eingriffe in der Chirurgie nichtonkologischer Indikationen üblich. Erst relativ spät erfolgte die Ausweitung der Indikation auf das Kolonkarzinom.

Kolonkarzinom

Grundsätzlich sind die Ergebnisse aus prospektiven Studien mit dem Vergleich der konventionellen und laparoskopischen Chirurgie gleich. Die Operation dauert allerdings länger und erfordert einen geübten Experten, um diese guten Daten im Vergleich zur konventionellen Kolonresektion zu erzielen. Die Vorteile des weniger invasiven Eingriffs liegen bei möglicherweise geringer immunologischer und definitiv geringerer entzündlicher Reaktion.

Dieses Verfahren steht in Konkurrenz zur Weiterentwicklung der "Fast-track"-Chirurgie mit sehr früher Mobilisierung und früher Entlassung des Patienten. Der Unterschied ist allerdings weiterhin die "große" Operation mit Bauchschnitt und entsprechend ausgedehnter entzündlicher und möglicherweise immunologischer Reaktion.

Rektumkarzinom

Eine kürzlich publizierte randomisierte Studie [Leung KL 2004] zeigte auch für das Rektumkarzinom bei entsprechender Expertise der durchführenden Chirurgen eine Äquivalenz in Form von Funktion und Kurzzeitergebnissen für die laparoskopische Rektumresektion. Wegen des aufwändigeren Verfahrens und dafür notwendiger besonderer Expertise sollte die laparoskopische Resektion nur an Expertenzentren und nach Möglichkeit innerhalb prospektiver Studien durchgeführt werden.

Multiviszerale Resektion

Bei Adhärenz eines Tumors am Nachbarorgan ist makroskopisch nicht sicher zu klären, ob es sich um eine Infiltration des malignen Tumors oder eine peritumoröse Entzündungs-reaktion handelt; in solchen Fällen sollten Biopsien und Schnellschnittuntersuchungen vermieden werden, da hierbei die Gefahr einer örtlichen Tumorzelldissemination besteht. Es sollte eine En-bloc-Resektion der befallenen Organe durchgeführt werden. Im Falle des Rektumkarzinoms kann eine totale Beckenexenteration notwendig werden; allerdings sollte diese im Ausmaß reduziert und in solchen Fällen immer eine präoperative Chemo-/Strahlentherapie durchgeführt werden.

Mehrfachkarzinome des Kolon-Rektums

In Fällen mit Mehrfachkarzinomen sollte keine regelhafte Kolektomie erfolgen, sondern das Vorgehen unter Berücksichtigung der Erfordernisse der einzelnen Karzinome geplant werden.

Notfalloperation

Bei Ileus, Tumorperforation oder Darmperforation bei stenosierendem Tumor ist das Vorgehen abhängig von der vorliegenden Situation. Nach Möglichkeit ist eine onkologische Radikalresektion entsprechend dem elektiven Vorgehen anzustreben. In geeignet erscheinenden Fällen kann bei einem Ileus die Einlage eines endoluminalen Stents evaluiert werden. Ein Ileus bei Rektumkarzinom ist immer mit einem fortgeschrittenen Karzinom assoziiert, so dass daher eine neoadjuvante Strahlen-/Chemotherapie die Primärtherapie der Wahl ist. In dieser Situation sollte primär ein Transversusstoma angelegt werden.

Karzinome bei genetischen Syndromen

Familiär adenomatöse Polypose (FAP)

Standard ist die restaurative Proktokolektomie mit Darmpouch und Lymphknotendissektion entsprechend der Lokalisation des Karzinoms. In Abhängigkeit von einer eventuellen Sphinkterinsuffizienz oder einer nicht kurablen Tumorerkrankung kann auch eine Proktokolektomie oder limitierte Resektion durchgeführt werden.

Bei einer attenuierten FAP mit diskretem Rektumbefall ist eine Ileorektostomie zu empfehlen.

Hereditäres kolorektales Karzinom ohne Polypose (HNPCC)

Die Vorgehensweise entspricht derjenigen beim sporadischen Karzinom.

Karzinom bei Colitis ulcerosa

Die restaurative Proktokolektomie mit Dünndarmpouch ist das beste Vorgehen, falls unter onkologischen und funktionellen Aspekten machbar und sinnvoll.

Chirurgie von Leber- und/oder Lungenmetastasen

Postoperative Prognosefaktoren für Rezidivrisiko von Lebermetastasen

Prognosefaktoren:

  • Alter
  • Durchmesser der größten Metastase
  • CEA-Spiegel
  • Stadium des Primärtumor
  • krankheitsfreies Intervall
  • Anzahl der Lebermetastasen
  • Resektionsgrenzen

Jedem dieser Faktoren wurde 1 Wertungspunkt gegeben:

2-Jahres-Überleben

0-2 Punkte

79

3-4 Punkte

60

5-7 Punkte

43

Kurative Resektion von Lebermetastasen

Bei synchronen und metachronen Lebermetastasen besteht die einzige kurative Chance in einer Resektion. Allerdings hängt die Wahrscheinlichkeit einer Heilung durch eine Operation ab von den Faktoren:

  • Anzahl der Metastasen,
  • Grading,
  • Zeitintervall zwischen Primäroperation und auftretenden metachronen Lebermetastasen,
  • Wachstumsgeschwindigkeit der Metastasen.

Obwohl alle diese Faktoren nicht ausreichend gesichert sind, da keine prospektiven randomisierten Studien durchgeführt worden sind, gilt als Regel, dass eine Resektion von synchronen oder metachronen Lebermetastasen sinnvoll ist, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • keine extrahepatischen Metastasen,
  • =/< (3-)5 Metastasen (bei Metastasierung in beiden Leberlappen),
  • bei mehreren Metastasen (>/= 5) Beschränkung auf einen Leberlappen.

In diesen Fällen besteht bei kompletter Resektion eine realistische Chance für eine Heilung von ca. 10-20% (Tabelle 24).

5-Jahres-Überlebensraten nach Leberresektion

Gruppe

Patienten
(n)

Solitärmetastase
(%)

2-3 Metastasen
(%)

>3 Metastasen
(%)

Mailand
(Doci et al. 1991)

95

38

-

40

Paris
(Elias et al. 1992)

97

45

50

88

Rotterdam
(van Oijen et al. 1992)

117

26

10

0

Hughes et al. 1986

789

37

37

18

Eine gute Möglichkeit für Onkologen und Chirurgen, die Entscheidung bezüglich einer Operation zu evaluieren, ist "Oncosurge" [Poston GJ 2005].

Neoadjuvante Chemotherapie bei Lebermetastasen

Kombinationschemotherapien unter Einschluss von 5-FU/Folinsäure und Oxaliplatin oder Irinotecan mit/ohne Bevacizumab führen zu einer Remissionsrate von ca. 50%. Möglicherweise kann durch eine neoadjuvante Chemotherapie die Rate an R0-Resektionen erhöht und/oder die intrahepatische Rezidivrate verringert werden. Aus diesem Grund wurde eine prospektive Studie der EORTC durchgeführt, in der das Standardvorgehen mit alleiniger Resektion verglichen wurde mit einer präoperativen 3-monatigen Chemotherapie mit 5-FU/Folinsäure/Oxaliplatin, gefolgt von Resektion und postoperativer Therapie von 3 Monaten. Die Studie hat gezeigt, dass das Vorgehen sicher ist; Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor. Somit ist die alleinige Operation bei R0-resezierbaren Lebermetastasen weiterhin Standard.

Rezidiv nach Lebermetastasenresektion (R0-Resektion)

Bei Rezidiv in der resezierten Leber mit einem Abstand von (mindestens) mehreren Monaten nach der primären Resektion und weiterhin Fehlen extrahepatischer Metastasen kann die erneute Resektion erwogen werden, die noch einmal eine - wenn auch deutlich kleinere - kurative Chance bietet. In diesen Fällen sollte allerdings eine präoperative Chemotherapie durchgeführt werden.

Palliative (R1/R2-)Resektion von Lebermetastasen

Palliative Lebermetastasenresektionen (R1/R2-Resektionen) sind ohne Wert, da sie keinen Überlebensvorteil ermöglichen.

Neoadjuvante präoperative Chemotherapie bei nicht R0-resektablen Lebermetastasen

Sollte eine R0-Resektion von Lebermetastasen nicht möglich sein, ist der Versuch einer kurativ orientierten Therapie sinnvoll; in diesen Fällen sollte - bei Ausschluss von extrahepatischen Metastasen (außer wenigen Lungenmetastasen) - eine neoadjuvante Chemotherapie mit einem Chemotherapieprotokoll durchgeführt werden, das eine hohe Remissionsrate ermöglicht (z. B. 5-FU/Folinsäure/Oxaliplatin oder 5-FU/Folinsäure/Irinotecan) mit/ohne einer neuen molekularen, optimierte, Therapie. Nach Remissionsinduktion und einer Therapiedauer von 4-6 Monaten, d.h. nach Erreichen der maximalen Remission, sollte die sekundäre Resektion der Metastasen durchgeführt werden [Adam R 2004].

Es ist offen, ob postoperativ die Chemotherapie weitergeführt oder der Verlauf ohne adjuvante Therapiemodalität abgewartet werden sollte.

Adjuvante Chemotherapie nach Lebermetastasenresektion

Der Effekt einer adjuvanten systemischen Chemotherapie nach Lebermetastasenresektion konnte kürzlich in einer kleinen Studie für ein 5-FU/Folinsäure-Therapie gezeigt werden. In der FFCD-Studie ACHDTH AURC 9002 führte die adjuvante Therapie zu einer Verlängerung des krankheitsfreien 5-Jahres-Überlebens von 26,7% für alleinige Chirurgie auf 33,5% [Portier G 2006]. Daten zu dem Effekt der Kombinationstherapie mit Oxaliplatin oder Irinotecan liegen noch nicht vor.

Lokoregionäres Rezidiv

Reoperationen für lokoregionäre oder systemische Rezidive können in Einzelfällen zu einer Heilung führen; aus diesem Grund ist eine Nachsorge beim kolorektalen Karzinom wichtig, ebenso wie ein frühzeitiges chirurgisches Eingreifen mit dem Ziel einer Heilung.

Beim Kolonkarzinom sind lokoregionäre Rezidive selten; beim Rektumkarzinom ist - in Abhängigkeit vom primären Stadium und von der Radikalität der Operation - mit einer lokoregionären Rezidivrate von 8-10% (unter optimalen neoadjuvanten Bedingungen) zu rechnen. Diese sind zudem häufig ausgedehnt mit Infiltration von Beckenwandstrukturen, regionalem Peritoneum oder Organen wie Blase, Uterus etc. Weniger als 10% dieser Patienten sind durch eine erneute Radikaloperation kurativ behandelbar, in besonderen Einzelfällen kann aber auch hier der Versuch gemacht werden, z.B. bei Infiltration des Os sacrum (Resektion) ohne weitere Metastasen. Empfehlenswert ist in solchen Fällen aber immer die präoperative Radio-/Chemotherapie zur Verringerung der Ausdehnung des lokoregionären Rezidivs. Die Operabilität und operationsbedingte Morbidität werden durch dieses Vorgehen nur unwesentlich beeinträchtigt.

Ausgedehnte Eingriffe zur Behandlung eines lokoregionären Rezidivs sind allerdings nur gerechtfertigt, wenn Fernmetastasen mit subtiler Diagnostik (Computertomographie) von Thorax, Skelettszintigraphie und CT/MRT der Leber (sowie PET) ausgeschlossen sind.

Auf die Anastomose selbst beschränkte Rezidive sind zumeist kurativ resektabel, daher ist die lokale Kontrolle im Rahmen der Nachsorge wichtig.

Literaturreferenzen:

  • Adam R, Delvart V, Pascal G.
    Rescue surgery for unresectable colorectal liver metastases downstaged by chemotherapy: A model to predict long-term survival.
    Ann Surg 2004;240:644-657. PM:15383792
    [Medline]


  • Hohenberger W, Dürsch M.
    Chirurgische Therapie des kolorektalen Karzinoms.
    In: Schölmerich J, Schmiegel W (Hrsg.)
    Leitfaden kolorektales Karzino; 2. Auflage
    2005; Uni-Med:108-123


  • Leung KL, Kwok SPY, Lam SCW.
    Laparoscopic resection of rectosigmoid carcinoma: prospective randomised trial.
    Lancet 2004;363:1187-1192. PM:15081650
    [Medline]


  • Messmann H.
    Polypenmanagement
    In: Schölmerich J, Schmiegel W (Hrsg.)
    Leitfaden kolorektales Karzinom. 2. Auflage
    2005; Uni-Med:60-73


  • Portier G, Elias D, Bouche O, Rougier P, Bosset JF, Saric J, Belghiti J, Piedbois P, Guimbaud R, Nordlinger B, Bugat R, Lazorthes F, Bedenne L.
    Multicenter randomized trial of adjuvant fluorouracil and folinic acid compared with surgery alone after resection of colorectal liver metastases: FFCD ACHBTH AURC 9002 trial.
    J Clin Oncol. 2006;24(31):4976-82. PM:17075115
    [Medline]


  • Poston GJ, Adam R, Alberts S, Curley S, Figueras J, Haller D, Kunstlinger F, Mentha G, Nordlinger B, Patt Y, Primrose J, Roh M, Rougier P, Ruers T, Schmoll HJ, Valls C, Vauthey NJ, Cornelis M, Kahan JP.
    OncoSurge: a strategy for improving resectability with curative intent in metastatic colorectal cancer.
    Clin Oncol. 2005;23(28):7125-34. PM:16192596
    [Medline]


Interdisziplinäre S3-Leitlinie 2004: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des kolo-
rektalen Karzinoms [Mehr]
ONKODIN ASCO-Reports
ASCO-Berichte zum Kolo-
rektalen Karzinom: 2006, 2005, 2004
Sponsoren
Das ONKODIN Projekt wird gefördert durch:
mehr 
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]