Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


CUP-Syndrom: Diagnostik

Autor/en: G. Hübner
Letzte Änderung: 09.05.2005

Mit der Feststellung einer Metastase bei unbekanntem Primärtumor muss eine konzentrierte zügige Diagnostik eingeleitet werden, die sich an den therapeutischen Konsequenzen orientiert.

Anforderungen an die Diagnostik:

  • Zeit (und Kosten) sparend, wenig belastend, wenig aufwändig
  • einschließlich Histologie/Zytologie und Immunhistologie
  • Trennung lokalisierter von disseminierten Formen
  • Erfassung der prognostisch günstigen Gruppen
  • Orientierung an den limitierten Therapieoptionen
  • Erstellung einer Arbeitsdiagnose als Grundlage für die Therapie

In jedem Fall sollte zügig Tumormaterial gewonnen werden, da die histologische bzw. zytologische Beurteilung einschließlich der Immunhistologie wegweisend ist für die weitere Diagnostik und die Therapie (siehe unter "Histologie" in dem Dokument "Klassifikation").

In der Praxis bewährt sich ein diagnostisches Basisprogramm. Weitere Untersuchungen sollten gezielt entsprechend Anamnese, Befund und klinischem Verdacht durchgeführt werden:

Notwendige und ergänzende Diagnostik bei CUP-Syndrom

Diagnostisches Basisprogramm [Abbruzzese JL 1995] [Losa Gaspa F 2002]

  • Gründliche Anamnese, gründliche körperliche Untersuchung; bei Männern inkl. Hodenpalpation, bei Frauen inkl. Mammauntersuchung
  • Histologie/Zytologie mit Immunhistologie
  • CT-Thorax, Sonographie und CT des Abdomens
  • 3x Hämokkult
  • Bei Frauen: gynäkologische Untersuchung, Mammographie, vaginale und Mamma-Sonographie
  • Tumormarker: LDH, AFP; bei Männern zusätzlich PSA, ß-hCG

Ergänzende Untersuchungen

  • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, Koloskopie (bei entsprechender Klinik, Fe-Mangel-Anämie oder positivem Hämokkult, entsprechender Immunhistologie)
  • Skelettszintigraphie, Röntgen oder MRT schmerzhafter Skelettabschnitte (bei Knochenschmerzen)
  • MRT Schädel (bei klinischem Verdacht auf Hirnmetastasen)
  • Bronchoskopie (bei chronischer Heiserkeit oder suspektem CT-Befund)
  • usw.

Die Untersuchung klinisch asymptomatischer Regionen über das Basisprogramm hinaus ist nicht sinnvoll und sollte unterbleiben.

Tumormarker (mit Ausnahme von PSA, AFP, ß-hCG und - bei neuroendokrinen Tumoren - Calcitonin) werden beim CUP-Syndrom häufig unspezifisch exprimiert und haben in der Diagnostik keinen hohen Stellenwert [Milovic M 2002]. Als Verlaufsparameter hingegen sind sie - besonders bei schwer quantifizier- bzw. messbaren Tumormanifestationen - hilfreich. Die LDH ist prognostisch relevant [Culine S 2002b]. Insgesamt hilft das Tumormarkermuster bei der Eingrenzung des Primärtumors sehr viel weniger als entsprechende immunhistologische Untersuchungen am Tumormaterial!

Die Positronenemissionstomographie (PET, optimalerweise als PET-CT) ist insbesondere bei solitären zervikalen Lymphknotenmetastasen indiziert: eine primär nicht bekannte weitere Metastasierung wird in ca. 15-35% der Fälle aufgedeckt, der Primärtumor in ca 25-40% [Bohuslavizki KH 2000] [Kole AC 1998] [Rades D 2001] [Wax MK 2002].
Bei disseminierter Metastasierung ist der Stellenwert des PET noch unklar; bisher gibt es nur sehr kleine publizierte Studien [Alberini JL 2003] [Mantaka P 2003]. Danach ist ein Nutzen wahrscheinlich - sowohl hinsichtlich der Identifikation des Primärtumors als auch der Diagnose weiterer Metastasen.

Problematisch ist die hohe Rate falsch positiver Ergebnisse, sie liegt bei ca. 20%.

PET-Befunde sollten grundsätzlich bildgebend verifiziert werden!

Ist bei lokalisierten Stadien (solitäre Organmetastase oder Befall einer Lymphknotenregion) eine Operation und/oder Radiatio in kurativer Intention geplant, ist über das diagnostische Basisprogramm hinaus der Befall anderer Organsysteme auszuschließen (Abb. 2):

CUP-Syndrom_CUP_Abb2_Diagnostik.gif

Abbildung 2: Ergänzende Diagnostik beim CUP-Syndrom.

Spezielle Diagnostik, die sich aus Histologie und Befallsmuster ergibt, wird bei der jeweiligen Therapieempfehlung aufgeführt (s.u. Therapie).

Eine Wiederholung von diagnostischen Maßnahmen zur Primärtumorsuche zu einem späteren Zeitpunkt ist nicht sinnvoll und für den Patienten belastend. Nur in wenigen Fällen wird der Primärtumor im Laufe der Erkrankung symptomatisch - dann ist natürlich eine entsprechende Diagnostik und Therapie angezeigt.

Nach Abschluss der Untersuchungen wird der Primärtumor trotz aller Bemühungen bei gut drei Viertel der Patienten weiter unbekannt sein. In vielen Fällen ist es aber möglich, das Spektrum der möglichen Primärlokalisationen einzuengen und eine Arbeitsdiagnose zu stellen, die zur Therapieentscheidung hilfreich ist.

Insgesamt gilt: diagnostischer Ehrgeiz ist meist fehl am Platze. Bei jeder diagnostischen Maßnahme ist nach der therapeutischen Konsequenz zu fragen!

Literaturreferenzen:

  • Abbruzzese JL, Abbruzzese MC, Lenzi R, Hess KR, Raber MN.
    Analysis of a diagnostic strategy for patients with suspected tumors of unknown origin.
    J Clin Oncol 1995;13:2094-2103. PM:7636553
    [Medline]


  • Alberini JL, Belhocine T, Hustinx R, Daenen F, Rigo P.
    Whole-body positron emission tomography using fluorodeoxyglucose in patients with metastases of unknown primary tumours (CUP syndrome).
    Nucl Med Commun 2003;24:1081-1086. PM:14508164
    [Medline]


  • Bohuslavizki KH, Klutmann S, Kroger S, Sonnemann U, Buchert R, Werner JA, et al.
    FDG PET detection of unknown primary tumors.
    J Nucl Med 2000;41:816-822. PM:10809197
    [Medline]


  • Kole AC, Nieweg OE, Pruim J, Hoekstra HJ, Koops HS, Roodenburg JL, et al.
    Detection of unknown occult primary tumors using positron emission tomography. Cancer 1998;82:1160-1166. PM:9506364
    [Medline]


  • Losa Gaspa F, Germa JR, Albareda JM, Fernandez-Ortega A, Sanjose S, Fernandez T, V. [Metastatic cancer presentation. Validation of a diagnostic algorithm with 221 consecutive patients].
    Rev Clin Esp 2002;202:313-319. PM:12093395
    [Medline]


  • Mantaka P, Baum RP, Hertel A, Adams S, Niessen A, Sengupta S, et al.
    PET with 2-[F-18]-fluoro-2-deoxy-D-glucose (FDG) in patients with cancer of unknown primary (CUP): influence on patients' diagnostic and therapeutic management.
    Cancer Biother Radiopharm 2003;18:47-58. PM:12667308
    [Medline]


  • Milovic M, Popov I, Jelic S.
    Tumor markers in metastatic disease from cancer of unknown primary origin.
    Med Sci Monit 2002;8:MT25-30. PM:11859288
    [Medline]


  • Rades D, Kuhnel G, Wildfang I, Borner AR, Knapp W, Karstens JH.
    [The value of positron emission tomography (PET) in the treatment of patients with cancer of unknown primary (CUP)].
    Strahlenther Onkol 2001;177:525-529. PM:11680017
    [Medline]


  • Wax MK, Myers LL, Gabalski EC, Husain S, Gona JM, Nabi H.
    Positron emission tomography in the evaluation of synchronous lung lesions in patients with untreated head and neck cancer.
    Arch Otolaryngol Head Neck Surg 2002;128:703-707. PM:12049568
    [Medline]


Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]