Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Begleittherapie und Modifikationen der Zytostatikadosierung in der Behandlung des Mammakarzinoms

Autor/en: A.C. Regierer, K. Possinger
Letzte Änderung: 17.10.2005

Antiemetika

Bei zytostatischen Monotherapien und nicht anthrazyklinhaltigen Polychemotherapien sind Antiemetika wie Metoclopramid, Alizaprid, 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason ausreichend. Bei hochgradig emtogenen Substanzen und vielen Polychemotherapien sind Kombinationen von Antiemetika notwendig, z.B. 5-HT3-Antagonisten mit Steroiden. Durch den frühzeitigen konsequenten Einsatz von Antiemetika kann das Auftreten eines antizipatorischen Erbrechens vermieden werden.

Wachstumsfaktoren

Wachstumsfaktoren (G-CSF, GM-CSF) sind bei konventionellen Behandlungsprotokollen nicht erforderlich. Ihr Einsatz beschränkt sich auf intensivierte oder hoch dosierte Polychemotherapien im Rahmen von Studienprotokollen.

Verhinderung von Urotoxizität

Zur Reduktion urotoxischer Nebenwirkungen ist bei Cyclophosphamid-Dosen >1,0 g/m² und bei Verabreichung von Ifosfamid die Gabe von Uromitexan erforderlich.

Anwendung von Zytostatika

Zytostatika haben eine geringe therapeutische Breite. Die Dosisangaben erfolgen entweder in Bezug auf das Körpergewicht (KG) in Kilogramm (kg) oder auf die aus KG und Körpergröße bestimmte Körperoberfläche (KOF; angegeben in m²). Die KOF kann Normogrammen entnommen werden.
Bei zytostatischen Therapien mit kurativem Ansatz (adjuvante Situation) sollte möglichst die für die individuelle Situation errechnete Zytostatikadosis verabreicht werden. Bei palliativer Chemotherapie genügt eine dem Idealgewicht angepasste Dosis. Dosisanpassungen müssen die Funktion des Knochenmarks, der Leber und der Nieren berücksichtigen.

Zytostatika und Knochenmarkfunktion

Die Leistungsfähigkeit des Knochenmarks kann letztlich nur durch die Verlaufsbeobachtung der Anzahl terminal differenzierter Zellen im Blut erfasst werden. Die niedrigsten gemessenen Werte werden als Nadir bezeichnet.

Die Dosierung des folgenden Therapiezyklus kann nach der Höhe des Nadirs modifiziert werden (s. Tab. 12.1). Auch die Blutzellwerte vor dem nächsten Zyklus können zur Dosisanpassung herangezogen werden (s. Tab. 12.2)

Tab. 12.1: Nadir-angepasste Zytostatikadosierung

Minimale Zellzahl im Intervall (Nadir)

Leukozyten/mm3 

Thrombozyten/mm3 

Zytostatikadosis im nächsten Zyklus

>2.000

>100.000

Dosissteigerung um 20% möglich

2.000-1.000

100.000-50.000

keine Dosismodifikation

<1.000

<50.000

Dosisreduktion um 20% erforderlich

Tab. 12.2: Dosisanpassung an Blutzellwerte bei Zyklusbeginn

Zellzahl bei Zyklusbeginn

Zytostatikadosis in diesem Zyklus

Leukozyten/mm3 

Thrombozyten/mm3 

 

>3.500

>100.000

100%

3.500-3.000

100.000-70.000

75%

3.000-2.000

70.000-50.000

50%

Zytostatika und Nierenfunktion

Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind die Zytostatikadosen nicht an die Kreatininspiegel, sondern besser an die renale Clearance anzupassen (s. Tab. 12.3).
Ausnahme: Methotrexat: hier besser Serumspiegelbestimmungen und entsprechende Folinsäure-Gabe bis MTX-Spiegel <10-7.

Tab. 12.3: Dosisanpassung gemäßglomerulärer Filtrationsrate

Glom. Filtrationsrate

>60 ml/min

30-60 ml/min

10-30 ml/min

<10 ml/min

Bleomycin 

100%

75%

75%

50%

Cisplatin 

100%

50%

0%

0%

Carboplatin 

100%

70%

50%

0%

Cyclophosphamid 

100%

100%

75%

50%

Methotrexat (HD) 

100%

0%

0%

0%

Methotrexat (LD) 

100%

50%

0%

0%

Mitomycin C 

100%

75%

75%

50%

Die Kreatinin-Clearance kann nach der Cockroft'schen Formel abgeschätzt werden:

Kreatinin-Clearance [ml/min] =
(140 - Alter) x Körpergewicht [kg] x n /72 x Serumkreatinin [mg/dl]
(n=1 für Männer; n=0,85 für Frauen)

Zytostatika und Leberfunktion

Vinca-Alkaloide, Anthrazykline, Anthrachinone und Taxane können bei eingeschränkter Leberfunktion akkumulieren. Als Adaptierungsparameter für die Zytostatikadosierung dienen Bilirubin und ASAT [Perry MC 1992] (s. Tab. 12.4).

Tab. 12.4: Dosisreduktion bei eingeschränkter Leberfunktion

Bilirubin

<1,5 mg/dl

1,5-3 mg/dl

3,1-5 mg/dl

>5 mg/dl

ASAT 

<60 U/l

60-180 U/l

>180 U/l

 

Doxorubicin 

100%

50%

25%

0%

m-AMSA 

100%

40%

0%

0%

Cyclophosphamid 

100%

100%

75%

0%

Daunorubicin 

100%

75%

50%

0%

Etoposid 

100%

50%

0%

0%

Methotrexat 

100%

100%

75%

0%

5-FU 

100%

100%

100%

0%

Vincristin 

100%

50%

0%

0%

Vinblastin 

100%

50%

0%

0%

Literaturreferenzen:

  • Perry MC.
    Chemotherapeutic agents and hepatotoxicity.
    Semin Oncol 1992;19:551-565. PM:1411653
    [Medline]


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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