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3.4 Bedeutung des hochauflösenden Ultraschalls für das Melanom-Staging

Autor/en: U. R. Hengge
Letzte Änderung: 01.12.2006

Zusätzlich zur Sentinel-Lymphknotenbiopsie wurde die Bedeutung des hochauflösenden Ultraschalls für das Melanom-Staging untersucht [Testori A 2005]. Bei 106 Lymphknoten gelang der Nachweis von Metastasen im Ultraschall in 25 Fällen (23,6%). Von den übrigen 81 Lymphknoten, die sonographisch als negativ beurteilt wurden, waren nach histologischer Analyse 80 (98,8%) immunhistologisch negativ. Die Autoren folgern, dass durch den hochauflösenden Ultraschall eine Methode zur Verfügung steht, um diejenigen Patienten nicht einer Sentinel-Lymphknotenbiopsie zuführen zu müssen, deren Lymphknoten im Ultraschall unauffällig waren [Testori A 2005]. Diese Schlussfolgerung wird jedoch unterschiedlich bewertet [Hocevar M 2004].

Die Wertigkeit der Lymphknoten-Ultraschalluntersuchung regionaler Lymphknoten im Rahmen des Follow-up von Melanompatienten wurde an 1.288 Patienten prospektiv untersucht [Blum A 2000]. Insgesamt wurden 6.328 Lymphabflussstationen mittels des 7,5- bzw. 10-MHz-Ultraschalls untersucht. Bei insgesamt 263 metastatisch verdächtigen Lymphknoten bestätigte sich nach histopathologischer Untersuchung in 90,9% eine Melanommetastase. Bei den restlichen Befunden lag eine benigne Lymphadenopathie bzw. ein Zweittumor vor. Die alleinige Palpation subkutaner Lymphknoten ergab falsch negative Resultate in 68 von 238 Fällen (28,6%) bei histologisch nachgewiesener Metastasierung. Die klinische Untersuchung zeigte die geringste Sensitivität in supraklavikulärer, axillärer und infraklavikulärer Lokalisation. Die Sensitivität und Spezifität der Ultraschalluntersuchung belief sich auf 89% bzw. 99,7%, während die klinische Untersuchung eine Sensitivität von 71,4 und eine Spezifität von 99,7% besaß [Blum A 2000]. Zusammenfassend zeigte sich in dieser Arbeit, dass die Ultraschalluntersuchung der klinischen Untersuchung für die frühe Diagnose von In-transit- und regionalen Lymphknotenmetastasen überlegen war. Eine neuere Metaanalyse untersuchte den Ultraschall gegenüber der Palpation von Lymphknotenbefall bei Melanompatienten [Bafounta ML 2004]. Hierzu wurden in 12 verfügbaren Studien 6.642 Patienten mit 18.610 parallelen Palpations- und Lymphknoten-Ultraschalluntersuchungen ausgewertet. Hierbei zeigte sich die Ultraschallanalyse hinsichtlich der diskriminatorischen Aussagekraft der Palpation deutlich überlegen (p=0,0001). Außerdem waren die Detektionsraten des positiven Befalls mit 41,9 für Ultraschalluntersuchungen deutlich höher als für Palpation (4,55). Diese Untersuchungen zeigen eindeutig den Stellenwert der Ultraschalluntersuchung von Melanompatienten mit potenziellem Lymphknotenbefall. Während eine französische Studie die größere Sensitivität der Ultraschalluntersuchung im Verhältnis zur klinischen Untersuchung bestätigte, wurde jedoch nur für eine geringe Anzahl von Patienten (1,3%) ein Vorteil (z.B. frühere Detektion von Lymphknotenmetastasen oder Vermeiden unnötiger chirurgischer Eingriffe) durch die zusätzliche Ultraschalluntersuchung erzielt [Machet L 2005]. So empfanden 5,9% der Patienten die häufige Wiederholung der Ultraschalluntersuchung bei unklaren Befunden als unnötigen Stress. Stringente Kriterien für die Beurteilung der Lymphknoten-Ultraschalluntersuchung beim malignen Melanom wurden kürzlich erarbeitet [Saiag P 2005].

Während vergrößerte und verhärtete Lymphknoten bei der Palpation als metastatisch angesehen wurden, entwickelten die Autoren die folgenden Ultraschall-Kriterien für einen metastatischen Befall der Lymphknoten: Zirkuläre oder ovale Lymphknoten mit abgeschwächtem Ultraschallsignal ohne signalverstärkte Filiae. Diese Kriterien waren in der Analyse von 160 konsekutiven Patienten mit Stadium I- bis Stadium III-Melanom am aussagefähigsten. Lymphknoten mit 2 oder weniger dieser Kriterien oder anderen Zeichen der Metastasierung (z.B. intranodale knotige Schallabschwächung, lokale Schallabschwächung und irreguläre Lymphknotenbegrenzung) führten zur Diagnose eines Verdachts auf Lymphknotenbefall. Über einen 6-Jahreszeitraum entwickelten 33 Patienten eine Lymphknotenmetastasierung. Hierdurch errechnete sich eine Sensitivität von 76,9% vs. 41,5% für Ultraschalluntersuchung bzw. Palpation (p<0,001), während die Spezifität für beide Methoden über 95% betrug.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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