Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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3.8 Klinische Formen des Melanoms

Autor/en: R. Dummer, M. Beyeler
Letzte Änderung: 01.12.2006

3.8.1 Einleitung

Das primäre Melanom der Haut ist der wichtigste dermatologische Tumor, da er für die meisten Todesfälle durch Hautkrebs verantwortlich ist und dennoch in Frühstadien durch einfache operative Eingriffe geheilt werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die Früherkennung des Melanoms unerlässlich. Die Dermatologen sind durch ihre intensive Ausbildung in der Lage, die Frühdiagnose zu stellen, wenn sie die verschiedenen klinischen Präsentationsformen des Melanoms kennen und ggf. zusätzliche diagnostische Verfahren wie die Auflichtmikroskopie einsetzen.

Fast jeder Mensch weist melanozytäre Läsionen an der Haut auf. Durchschnittlich erwarten wir 20 klinisch unauffällige melanozytäre Nävi pro Person in der erwachsenen Bevölkerung. Die Läsionen stellen in vielen Fällen embryonale Entwicklungsstörungen dar. Man vermutet, dass bei der Auswanderung der melanozytären Vorläufer in die Haut Fehlabläufe zu Ansammlungen von abgerundeten Melanozyten (Nävuszellen) führen, die sich dann klinisch - je nach Verteilung der Nävuszellen in Epidermis und Dermis - als melanozytärer Nävus vom Junktionstyp (Nävuszellen in der unteren Schicht der Epidermis), vom Compound-Typ (Nävuszellen in Epidermis und Dermis) und dermalen Typ (Nävuszellen nur in der Dermis) äußern. Diese gewöhnlichen melanozytären Nävi weisen kaum ein Risiko für eine Melanomentwicklung auf und stellen deshalb keine Indikation für die Exzision dar. Dies gilt auch für andere hyperpigmentierte Läsionen, wie z.B. die Lentigo simplex, dem Naevus bleu, Halo-Nävus, Becker-Nävus, Naevus spilus und dem kleinen, oft behaarten kongenitalen melanozytären Nävus (Naevus pilosus et pigmentosus). Schwieriger ist die Situation bei sog. atypischen melanozytären Nävi, die durch eine variierende Pigmentierung, unscharfe und unregelmäßige Begrenzung charakterisiert sind. Diese Form der Nävi kommt bei 5-10% der Bevölkerung vor und weist ein gewisses Risiko auf, sich in ein malignes Melanom weiter zu entwickeln. Diese Läsionen sollten sorgfältig auflichtmikroskopisch untersucht und bei Auffälligkeiten komplett exzidiert werden.

Obwohl sich die Mehrzahl der Melanome aus klinisch unauffälliger Haut und nicht aus Nävuszellnävi entwickelt, stellt die Zahl der benignen melanozytären Nävi einen wichtigen Risikofaktor für das individuelle Melanomrisiko dar. Andere Risikofaktoren hierfür sind die Zahl der aktinischen Lentigines, der Hauttyp (I und II), die Haarfarbe (rötlich, blond) und die Zahl der Sonnenbrände in Kindheit und Jugend. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine konsequente Photoprotektion die Zahl der melanozytären Läsionen und somit möglicherweise auch das Melanomrisiko günstig beeinflussen kann. Auch weisen epidemiologische Untersuchungen aus Australien daraufhin, dass dort die Melanominzidenz bei jüngeren Altersgruppen langsam zurückgeht, während sie bei älteren Altersgruppen noch ansteigt. Das könnte bedeuten, dass die Maßnahmen im Bereich der primären Prävention (Sonnenschutzmaßnahmen), die nur die Jüngeren erreichen konnten, Erfolg zeigen [Garbe C 1994].

Bei der Beurteilung melanozytärer Läsionen wird zunächst klinisch die ABCDE-Regel herangezogen, mit der die Asymmetrie, die Begrenzung, die Farbe (Color), der Durchmesser und die Erhabenheit der Läsion beurteilt werden. Möglicherweise ist es günstiger, "Erhabenheit" durch "Evolution (Entwicklung)" zu ersetzen. Dies gilt insbesondere für kleine pigmentierte Hautveränderung, die noch unter 5 mm Durchmesser liegen. Sind drei der fünf Kriterien auffällig, handelt es sich zunächst um einen atypischen Nävuszellnävus. Dieser Nävuszellnävus wird dann verglichen mit der klinischen Präsentation weiterer pigmentierter Läsionen und eventuell auflichtmikroskopisch beurteilt, wodurch die diagnostische Treffsicherheit in der Hand des Geübten verbessert wird [Binder M 1997]. Die Auflichtmikroskopie (Dermatoskopie mittels eigens für die Dermatologie entwickelter optischer Instrumente) hat die differenzialdiagnostische Beurteilung pigmentierter Hautveränderungen wesentlich verbessert (s. Kap. 3.2). Sie erlaubt zunächst mit großer Sicherheit die Unterscheidung melanozytärer Tumoren bzw. Nävi von andersartigen Läsionen, wie z.B. pigmentierten Basaliomen, seborrhoischen Keratosen und Histiozytomen, sowie die exakte Abtrennung von angiomatösen Läsionen (z.B. Angiokeratom). Innerhalb der melanozytären Läsionen sind dann maligne Melanome mit großer Sicherheit von gewöhnlich melanozytären Nävi zu differenzieren. Allerdings ist gerade die Unterscheidung zwischen dysplastischen Nävi und Melanomen nicht mit letzter Sicherheit möglich. In Zweifelsfällen sollte eine histologische Diagnosesicherung erfolgen. Falls mehrere verdächtige Läsionen vorliegen, ist unseres Erachtens eine Verlaufsbeobachtung sinnvoll, wobei durchaus computergestützte Systeme (wie z.B. Molemax) eingesetzt werden können [Dummer R 2002].

Das primäre Melanom der Haut imponiert in 4 Hauptformen (s. Tab. 3.4): superfiziell- spreitendes Melanom, noduläres Melanom, Lentigo-maligna-Melanom sowie akral-lentiginöses Melanom. Daneben existieren seltenere Formen wie das verruköse Melanom, das Melanom der Schleimhäute, das amelanotische Melanom oder das okuläre Melanom. In bis zu 10% der Fälle liegt eine Metastasierung vor bei unbekanntem Primärmelanom.

Tab. 3.4: Klinisch-histologische Subtypen kutaner maligner Melanome im deutschsprachigen Raum.Ergebnisse des Zentralregisters Malignes Melanom 1983-1995 (n = 30.015) [Garbe C 1995]

Typ

Abkürzung

Prozentualer Anteil

Medianes Alter

Superfiziell spreitendes Melanom

SSM

57,4%

51 Jahre

Noduläres Melanom

NM

21,4%

56 Jahre

Lentigo-maligna-Melanom

LMM

8,8%

68 Jahre

Akral-lentiginöses Melanom

ALM

4,0%

63 Jahre

Nicht klassifizierbares Melanom

UCM

3,5%

54 Jahre

Sonstige

 

4,9%

54 Jahre

3.8.2 Superfiziell spreitendes Melanom

Klinik: Das superfiziell spreitende Melanom (SSM; s. Abb. 3.19) beginnt mit einer intraepidermalen horizontalen Ausbreitungsphase zunächst als Fleck, entwickelt sich dann invasiv flach erhaben und zeigt sekundär knotige Anteile. Charakteristisch ist das Vorkommen verschiedener Farbtöne in der Läsion, wobei schwarzbraune Farbtöne und rosa bis graue Farbtöne besonders typisch sind. Letztere sind charakteristisch für Regressionszonen, die beim SSM recht häufig vorkommen. Das SSM ist derjenige Subtyp, der im frühesten Lebensalter auftritt. Differenzialdiagnostisch müssen andere pigmentierte Läsionen wie Lentigo-maligna-Melanom, atypischer melanozytärer Nävus, pigmentiertes Basaliom, pigmentiertes Dermatofibrom, solare Keratose, seborrhoische Keratose oder ein thrombosiertes Hämangiom sowie nicht pigmentierte Läsionen wie Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom, Adnextumor, Angiosarkom, Kaposi-Sarkom, malignes fibröses Histiozytom in Betracht gezogen werden.

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Abb. 3.19: Superfiziell spreitendes Melanom.

Histologie: Histologische Merkmale sind: unregelmäßige Nestbildung, atypische pagetoide Melanozyten, Transmigration von Melanozyten und Nestern durch die Epidermis, unscharf begrenzte Invasion von Zellen in die Tiefe, unscharfe, seitliche, asymmetrische Begrenzung mit intraepidermaler Tumorkomponente im Randbereich (s. Abb. 3.20) sowie dichtes lymphomononukleäres Infiltrat in der Tiefe mit reichlich Melanophagen.

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Abb. 3.20: Histologie eines superfiziell spreitenden Melanoms.

3.8.3 Noduläres Melanom

Klinik: Das noduläre Melanom (NM; s. Abb. 3.21) imponiert hingegen mit einem primär vertikalen Wachstum. Es beginnt mit der Ausbildung einer flachen oder prominenten, überwiegend schwarzbraunen Papel und geht im Verlauf in ein exophytisches Knötchen über. Es können auch gestielte Läsionen vorkommen. Die Tumoren werden oft erst diagnostiziert, wenn sie ulzeriert sind, bluten oder nässen. Die Differenzialdiagnose umfasst andere pigmentierte Läsionen (pigmentiertes Basalzellkarzinom, Naevus bleu, seborrhoische Keratose, thrombosiertes Hämangiom, Granuloma pyogenicum, pigmentiertes Histiozytom, pigmentiertes Dermatofibrosarcoma protuberans) und nichtpigmentierte Läsionen (Plattenepithel- und Basalzellkarzinom, Adnex-Tumoren, Merkelzellkarzinom, Dermatofibrosarkom, Angiosarkom, Kaposi-Sarkom, atypisches Fibroxanthom, kutanes T-Zell-Lymphom, malignes fibröses Histiozytom). Aufgrund des primär vertikalen Wachstums fehlt die Möglichkeit zur Frühdiagnose.

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Abb. 3.21: Noduläres Melanom.

Histologie: Histologisch charakteristisch sind: knotige, relativ scharf begrenzte Tumorformation, darüber liegende atrophe Epidermis, fehlende oder geringe intraepidermale Ausbreitung zu den Seiten, fehlende Zellreifung zur Tiefe, polymorphe atypische Zellen mit Mitosen und z.T. Riesenzellen (s. Abb. 3.22).

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Abb. 3.22: Histologie eines nodulären Melanoms.

3.8.4 Lentigo-maligna-Melanom

Klinik: Das Lentigo-maligna-Melanom (LMM; s. Abb. 3.23) entsteht oft erst nach vielen Jahren aus einer Lentigo maligna (In-situ-Melanom), nahezu ausschließlich im Gesichtsbereich älterer Patienten. Auf einer braunen bis dunkelbraunen oder schwarzen Pigmentläsion entwickelt sich ein papulöser Anteil oder eine Ulzeration. LMM entwickeln sich sehr langsam. Differenzialdiagnostisch muss an ein SSM, eine Lentigo maligna, einen atypischen melanozytären Nävus, eine flache seborrhoische Keratose, ein pigmentiertes Basalzellkarzinom oder eine solare Keratose gedacht werden. Des Weiteren kommen das Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom, Adnextumoren oder Nervenscheidentumoren in Frage.

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Abb. 3.23: Lentigo-maligna-Melanom.

Histologie: Histologisch zeigen sich eine atrophe Epidermis mit verstrichenen Reteleisten, solare Elastose in der oberen Dermis, unregelmäßige junktionale Nestbildung, Melanozytenhyperproliferation zu den Seiten hin sowie ein lymphomononukleäres Infiltrat mit Melanophagen (s. Abb. 3.24).

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Abb. 3.24: Histologie eines Lentigo-maligna-Melanoms.

3.8.5 Akral-lentiginöses Melanom

Klinik: Das akral-lentiginöse (akrolentiginöse) Melanom (ALM; s. Abb. 3.25) findet sich vorwiegend palmoplantar, aber auch als suboder periunguales Melanom. Das ALM zeigt in der initialen Phase weitgehend ähnliche klinische Erscheinungsbilder wie das SSM. Ein relativ hoher Prozentsatz dieser Melanome ist amelanotisch. Das ALM zeichnet sich in seiner intraepidermalen Frühphase meist durch unscharf begrenzte, inkohärente Pigmentierungen aus, ehe die knotigen Anteile das invasive Wachstum signalisieren.
Die Differenzialdiagnose umfasst pigmentierte Läsionen wie atypische melanozytäre Nävi, subkorneale Blutung, ein Klavus oder eine Interdigitalmykose sowie trophische Ulzera, Epithelioma cuniculatum, Plattenepithelkarzinom, Adnextumoren, atypisches Fibroxanthom, Angiosarkom oder Kaposi-Sarkom.

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Abb. 3.25: Akral-lentiginöses Melanom.

Histologie: Histologisch sind folgende Merkmale charakteristisch: für die Lokalisation typische Akanthose und Orthohyperkeratose, atypische Melanozyten mit Mitosen, unregelmäßige Nester, Transmigration von Melanozyten und Nestern durch die Epidermis sowie lentiginöses Wachstumsmuster (vor allem an den seitlichen Anteilen der Läsion) (s. Abb. 3.26).

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Abb. 3.26: Histologie eines akral-lentiginösen Melanoms.

3.8.6 Verruköses Melanom

Klinik: Das verruköse Melanom ist ein seltener Tumor. Diese Melanome zeigen eine hyperkeratotische Oberfläche und ein relativ uniformes Aussehen mit gut definierter unregelmäßiger Begrenzung. Die uniforme Pigmentierung variiert von dunkelbraun bis schwarz mit gräulichem Ton. Die typische hyperkeratotische, verruköse Oberfläche zeigt Hornzapfen. Besonders bei Patienten mit vielen seborrhoischen Keratosen kann die klinische Differenzierung zwischen verrukösem Melanom und seborrhoischer Keratose schwierig sein. Beide haben gemeinsame Merkmale wie z.B. monomorphe Pigmentierung, leicht unregelmäßige Begrenzung und die verruköse Oberfläche. Ein wichtiges hilfreiches Merkmal ist die Konsistenz der zwei Tumoren. Im Gegensatz zu den seborrhoischen Keratosen weist das verruköse Melanom keine bröcklige Konsistenz auf. Bei der Kürettage zeigt das verruköse Melanom eine derbe, fleischige Konsistenz, welche sich deutlich von der einer seborrhoischen Keratose unterscheidet [Steiner A 1988].

Histologie: Unter einer verrukösen hyperkeratotischen Epidermis finden sich neoplastische Melanozyten, welche vor allem an der dermo-epidermalen Junktionszone proliferieren. Knotenbildung ist selten. In der Dermis findet sich ein spärliches entzündliches Infiltrat [Kuehnl-Petzoldt C 1982] [Blessing K 1993].

3.8.7 Subunguales Melanom

Als Differenzialdiagnose eines subungualen Melanoms kommen subunguale Nävi, subunguale Blutungen, Onychomycosis nigricans, chronische Paronychie, ein Panaritium oder ein Granuloma pyogenicum in Frage.

3.8.8 Sonderformen

Amelanotisches Melanom

Ca. 1,8-8,1% aller kutanen Melanome sind primär amelanotisch (s. Abb. 3.27). Der Begriff amelanotisch impliziert, dass der Tumor keine durch das bloße Auge sichtbare Pigmentierung aufweist. Das Fehlen von Melanin kann in primären Melanomen sowie Lokalrezidiven oder Metastasen von initial pigmentierten primären Melanomen auftreten. Alle klinischen Melanomformen können als amelanotische Variante vorkommen. Am häufigsten trifft dies jedoch für subunguale und desmoplastische Melanome zu. Bei subungualen Melanomen sind bis zu 25% amelanotisch, bei desmoplastischen Melanomen mehr als die Hälfte der Tumoren [Koch SE 2000].

Gelegentlich können amelanotische Melanome am Rand der Läsion eine Pigmentierung aufweisen, wobei das Zentrum jedoch pigmentfrei bleibt.

Die der verminderten Pigmentbildung zugrunde liegenden Mechanismen bleiben unklar. Mehrere Studien wiesen unreife Melanosomen in amelanotischen Melanomen nach [Gibson LE 1988]. Die Expression von Schlüsselenzymen in der Pigmentbildung wie z.B. Tyrosinase ist bei der amelanotischen Variante oft vermindert [Hofbauer GF 1998].

Klinik: Klinisch imponiert das amelanotische Melanom als erythematöse Macula, Patch oder Knoten mit unregelmäßiger Begrenzung. Daher schließt die Differenzialdiagnose eine Reihe von benignen Läsionen wie Ekzem, intradermaler Nävus, Verruca vulgaris, Granuloma pyogenicum wie auch von malignen Läsionen wie aktinische Keratose, Basalzellkarzinom, Keratoakanthom, M. Bowen, Merkelzellkarzinom oder atypisches Fibroxanthom mit ein [Adler MJ 1997].

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Abb. 3.27: Amelanotisches Melanom.

Histologie: Während sich die klinische Diagnose schwierig gestalten kann, können amelanotische Melanome histopathologisch leicht diagnostiziert werden. Wie die pigmentierten Formen weisen sie Asymmetrie, unscharfe seitliche Begrenzung der epidermalen Melanozyten, melanotische Nester unterschiedlicher Größe mit Tendenz zur Konfluenz sowie atypische Melanozyten mit Ausbreitung entlang der Adnexstrukturen auf [Adler MJ 1997].

Die Prognose amelanotischer Melanome unterscheidet sich nicht von der von pigmentierten Formen [Schuchter L 1996]. Jedoch befinden sich diese Tumoren zum Zeitpunkt der Diagnosestellung häufiger in einem fortgeschritteneren Stadium, wahrscheinlich aufgrund einer verspäteten Diagnosestellung. Die Patienten sind häufig mit topischen Therapien oder Kryotherapie vorbehandelt, bevor die Diagnose amelanotisches Melanom gestellt wird.

Desmoplastisches Melanom

Klinik: Die Diagnose eines desmoplastischen Melanoms kann nur histologisch gestellt werden. Die klinische Manifestation kann entweder einem SSM oder einem LMM ähneln. Daneben kommen aber auch erythematöse Knötchen vor. Die desmoplastischen Anteile liegen in der Regel im mittleren und tiefen Korium, weshalb die Diagnose nur gestellt werden kann, wenn die Läsion tief exzidiert wird. Desmoplastische Melanome haben eine hohe Rezidivrate. Dies kann z.T. durch ihren Neurotropismus erklärt werden, da sie perineural wachsen und sich über die scheinbaren Tumorgrenzen hinaus ausdehnen können.

Histologie: Charakteristische histologische Merkmale sind: dermaler Knoten von Faszikeln und Spindelzellen mit pleomorphen hypochromatischen Kernen, lentiginöse Melanozytenhyperplasie oberhalb der Läsion mit meist nur geringer zellulärer Atypie, Affinität zu dermalen Nerven, immunhistologisch oft HMB-45-negativ, aber S-100- und Vimentin-positiv.

Melanom mit Regressionszeichen

Klinik: In 25% aller Melanome finden sich histologische Hinweise auf partielle Regression [Barnetson RS 1997]. Eine komplette Regression ist jedoch selten. Diese Läsionen stellen gelegentlich Probleme bei der klinischen und histologischen Beurteilung dar. Die klinischen Merkmale sind Areale von Depigmentierung, begleitet von bläulicher Farbe.

Histologie: Histologisch können nur wenige - oder keine - Hinweise für atypische Melanozyten in der dermo-epidermalen Junktionszone vorliegen. Hingegen können in der Dermis Aggregate von atypischen, z.T. nekrotischen Melanomzellen mit einem lymphozytären Infiltrat sowie reparativer Fibrose gefunden werden.

Okkultes Melanom

Als primär okkultes Melanom werden solche Melanome bezeichnet, bei denen zuerst Metastasen diagnostiziert werden und ein Primärtumor nicht zu finden ist. Metastasen bei unbekanntem Primärtumor treten sehr häufig als Weichteilmetastasen auf, die sich entweder subkutan oder als Lymphknotenmetastasen manifestieren. Nur in wenigen Fällen finden sich zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Fernmetastasen. Bei Vorliegen von Weichteilmetastasen ist die Prognose der Patienten mit primär okkultem Melanom vergleichbar der Prognose bei regionärer Metastasierung.

Primär okkulte Melanome gehen wahrscheinlich darauf zurück, dass aufgrund immunologischer Mechanismen eine vollständige Rückbildung des Primärtumors stattgefunden hat. Dieser Verlauf konnte in einigen Fällen auch dokumentiert und rekonstruiert werden.

Okuläres Melanom

Okuläre Melanome finden sich hauptsächlich an Aderhaut, Ciliarkörper und der Konjunktiva, wobei die Aderhautmelanome bei weitem die häufigste Form eines okulären Melanoms darstellen.

Die Inzidenz beträgt 6/1 Million. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung beträgt 55 Jahre. Die Ätiologie ist unbekannt. Aderhautmelanome werden häufig erst spät entdeckt und sind z.T. ophthalmologische Zufallsbefunde. Je weiter sich der Tumor an seiner Basis dem hinteren Augenpol und damit der Makula nähert, um so frühzeitiger wird der Patient eine Visusveränderung bemerken und einen Augenarzt konsultieren. Liegt das Melanom im Bereich der mittleren oder äußeren Fundusperipherie, weit von der optischen Achse entfernt, wird sich der Patient erst dann in seinem Sehvermögen beeinträchtigt fühlen, wenn der Tumor durch sein Vordringen in Richtung auf die Makula zu einer zentralen Visusverminderung oder zu Störungen im Bereich des Gesichtsfeldes geführt hat.

Prognostisch ungünstig ist ein Befall der episkleralen Venen oder eine Perforation der Sklera mit nachfolgendem Einwachsen von Tumorgewebe in den retrobulbären Raum. Bei einer Sklera-Ruptur mit Einbruch des Tumors in die Orbitaspitze besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit auf eine generalisierte Ausbreitung. Leber, Gehirn und Knochenmark sind die bevorzugten Organe der Metastasierung [Inskip PD 2003] [Hurst EA 2003].

Schleimhautmelanome

Melanome können auch im Bereich der Schleimhäute des Anogenitalbereichs, der Mund- und Gaumenschleimhaut vorkommen. Mit einem Anteil von 1,5-1,7% an der Gesamtzahl aller Melanome bilden die mukosalen Melanome hinter der mit Abstand größten Gruppe der kutanen Melanome und den okularen Melanomen eine Minorität. Aufgrund des unterschiedlichen Aufbaus der Schleimhäute im Vergleich zur Haut kommt die Einteilung mittels Tumordicke nach Breslow und Clark Level nicht zur Anwendung. Als klinische Stadien werden unterschieden: Stadium I (lokalisierter Tumor), Stadium II (Metastasen in regionalen Lymphknoten) und Stadium III (Fernmetastasen).

Anogenitale Melanome: Im Gegensatz zu den kutanen Melanomen ist eine Tumorinitiation über die direkte Lichtexposition eher unwahrscheinlich. Melanozytäre Läsionen, wie die in der Mundschleimhaut bekannte Melanose, der melanotische Fleck oder der "orale" Nävus, wurden vom Analkanal nicht berichtet. Die Klinik ist oftmals uncharakteristisch: perianale/-genitale Blutungen, schmerzhafte Defäkation, Fremdkörpergefühl, selten Juckreiz. Oft fallen anogenitale Melanome erst durch Lymphknotenmetastasen auf. Makroskopisch stellen sie sich als breitbasiger, gelegentlich auch gestielter polypöser Tumor unterschiedlicher Größe dar, welcher ulzerieren kann. Am seitlichen Tumorrand kann ein lentiginöses Wachstumsmuster vorliegen. Differenzialdiagnostisch müssen undifferenzierte Karzinome, Sarkome, Lymphome und sekundäre Tumoren (z.B. bei Prostatakarzinom oder auch Metastase eines kutanen Melanoms) in Betracht gezogen werden. Histologisch zeigen sich pleomorphe Melanomzellen, z.T. in Zellverbänden, mit relativ häufigem Vorkommen von Riesenzellen und variabel ausgeprägter schwärzlicher Pigmentierung [Helmke BM 2004].

Schleimhautmelanome von Kopf und Hals: Die Ätiologie dieser Melanome ist unbekannt, wobei verschiedene genetische Veränderungen diskutiert wurden. Die Diagnose wird in den meisten Fällen als Zufallsbefund gestellt. Es kann sich um einen rasch wachsenden pigmentierten Tumor oder um eine sich verändernde vorbestehende pigmentierte Läsion handeln. Pigmentierte Mundschleimhautveränderungen erfordern eine histologische Abklärung, wenn sie plötzlich aufgetreten sind und als umschrieben tumorförmige oder auch plane Veränderungen mit Wachstumstendenz einhergehen. Neben vaskulären Veränderungen kommen differenzialdiagnostisch auch umschriebene exogene Pigmentablagerungen z.B. als intramukosale Amalgaminkorporation in Betracht. Histologisch kommen atypische Melanozyten, Tumornester, Pigmentinkontinenz und Invasion in die Submukosa zur Darstellung. Die Prognose der Schleimhautmelanome ist mit Vorsicht zu stellen. Oft erfolgt eine rasche Metastasierung in regionäre Lymphknoten, Lunge und Leber. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben liegt bei 15-18%. Wahrscheinlich ist die schlechte Prognose auf die gute Durchblutung der Schleimhäute mit rascher Dissemination des Melanoms zurückzuführen [Prasad ML 2004].

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
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