Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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1.4.6 Mantelzell-Lymphom

Autor/en: Harald Stein
Letzte Änderung: 15.08.2011

Definition

Das Mantelzell-Lymphom (MCL) ist eine Neoplasie kleiner bis mittelgroßer B-Zellen der Follikelmantelzone (s. Abb. 1.9 b). Zur Definition gehört die Präsenz der Cyclin-D1-Translokation und die nukleäre Expression des Cyclin-D1-Proteins (s. Abb. 1.9 d). Selten kann die Cyclin-D1-Expression fehlen. In diesen Fällen kann die Diagnose eines MCL durch Nachweis einer Expression von SOX11 gesichert werden [Ek et al. 2008].

ICD-O-Code: 9673/3

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Abb. 1.9 a

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Abb. 1.9 b

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Abb. 1.9 c

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Abb. 1.9 d

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Abb. 1.9 e

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Abb. 1.9 f

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Abb. 1.9 g

Epidemiologie

Circa 3-10% der Non-Hodgkin-Lymphome sind MCL. Der mediane Altersgipfel liegt bei 60 Jahren. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Lokalisation des Befalls

Lymphknoten sind am häufigsten primär befallen. Andere wichtige Lokalisationen sind der Waldeyer-Rachenring, die Milz, das Knochenmark und das Blut. Lymphommanifestationen im Darm unter dem Bild der "multiplen lymphomatösen Polypose" werden meist durch ein MCL verursacht.

Histologie und Immunphänotyp

Es werden drei morphologische Varianten unterschieden: klassisches, pleopmorphes und blastoides MCL.

Das klassische MCL präsentiert sich in vier verschiedenen Wuchsformen:

  • angedeutet nodulär
  • diffus
  • mantelzonenartig (s. Abb. 1.9 a, d)
  • follikulär

Diese verschiedenen Wuchsformen können nebeneinander vorkommen. Sie lassen sich am überzeugendsten mit dem Homing-Verhalten der MCL-Zellen erklären: Die Vermehrung der MCL-Zellen beginnt meist in der Mantelzone (Mantelzonenwachstum). Das mantelzonenartige Wuchsbild kann relative lange erhalten bleiben, wenn die Keimzentren vom Befall ausgespart bleiben und sich die die Tumorzellen in Richtung Peripherie bzw. Interfollikulärzone ausbreiten. Bei vornehmlicher Kolonisierung der Keimzentren entsteht das follikuläre Wachstumsbild. Kommt es sowohl zur Kolonisierung der Keimzentren als auch zur Ausbreitung in die Interfollikulärzonen, entsteht das Bild eines angedeutet nodulären und schließlich eines diffusen Wachstumsbildes. Die Reste präexistenter Keimzentren werden bei Darstellung des Maschenwerks follikulärer dendritischer Zellen erkennbar. Hyalinisierte Gefäße kommen häufig vor. Eine plasmazelluläre Differenzierung ist extrem selten. Vorkommende Plasmazellen gehören nicht zum Tumorzellklon.

Die pleomorphen und blastoiden Varianten zeichnen sich durch eine Zunahme der Kerngröße, Pleomorphie, Aufhellung des Kernchromatins und Zunahme der mitotischen Aktivität aus.

Der Immunphänotyp mit der Koexpression von CD20, CD5 und Cyclin D1 bei Fehlen von CD23 ist hochspezifisch für das MCL (s. Tab. 1.2). CD5-negative MCL wurden beobachtet, sind aber selten. Die Cyclin-D1-Immunfärbung hat zur Entdeckung von Fällen geführt, in denen der Lymphknoten keine sichtbare Abweichung von der Norm (s. Abb. 1.9 e), aber eine schüttere Infiltration von wenigen Cyclin-D1-positiven Zellen in der Mantelzone aufwies (s. Abb. 1.9 f). Wenn sich kein voll entwickeltes MCL an anderer Lokalisation nachweisen lässt, wird ein solcher Befund als In-situ-MCL interpretiert. Genexpressionsanalysen haben Hinweise darauf ergeben, dass es MCL ohne Cyclin-D1-Expression gibt. Diese Fälle sind selten. Sie können jetzt auch immunhistologisch durch Nachweis einer nukleären Expression des SOX11-Proteins diagnostiziert werden.

Genetik/Pathogenese

Die Immunglobulin-Gene sind klonal umgelagert. In den meisten Fällen enthalten die variablen Genregionen keine somatischen Hypermutationen. Dieser Befund passt zu der Hypothese, dass das MCL aus einer transformierten Mantelzelle hervorgeht, da reaktive Mantelzellen auch keine somatischen Hypermutationen in ihren umgelagerten V-Genen aufweisen.

Die t(11;14)(q13;q32) definiert nicht nur das MCL, sondern scheint auch die entscheidende primäre genetische Veränderung für die Entwicklung des MCL zu sein. Diese Translokation verursacht eine konstitutive Expression des Cyclin-D1-Proteins, das eine ungehemmte Proliferation auslöst, indem es die zellzyklussupprimierenden Gene RB1 und p27kip1 ausschaltet. Im MCL finden sich zusätzlich viele sekundäre chromosomale Aberrationen. Tetraploide Klone kommen gehäuft in den pleomorphen und blastoiden MCL-Varianten vor.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
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