Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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9.3 Therapie bei Niedrig- und Intermediär-1-Risiko-MDS

Autor/en: F. Nolte, S. Klein, H.-J. Fricke, A. Fabarius, W.-K. Hofmann
Letzte Änderung: 30.05.2012

Im Folgenden sollen einige Substanzen vorgestellt werden, die Wirksamkeit in der Behandlung verschiedener MDS-Subtypen gezeigt haben.

9.3.1 Immunmodulierende Substanzen (IMiDs)

Die Wirkungsweise der IMiDs ist noch nicht vollständig verstanden, beinhaltet jedoch neben der Inhibierung von TNF-alpha auch eine Aktivierung von T- und NK-Zellen sowie direkte proapoptotische Mechanismen. Lenalidomid hat in Studien exzellente Erfolge bei Patienten mit Deletion 5q gezeigt, wobei ca. 75% der behandelten Patienten auf eine Therapie ansprachen und ca. 60% transfusionsfrei wurden. Das Ansprechen war unabhängig von der Transfusionsfrequenz der Patienten, was gerade bei den häufig schwer anämischen Patienten mit Deletion 5q von großer Bedeutung ist. Standardbehandlung ist 10 mg/Tag mit entsprechender Anpassung der Dosis in Abhängigkeit der Thrombozytenzahl [List AF 2005] [List AF 2006].

Neben den Patienten, die eine Deletion 5q aufweisen, zeigen Patienten ohne diese Veränderung in ca. 30% der Fälle ein Ansprechen auf eine Therapie mit Lenalidomid [Raza A 2008]. Lenalidomid ist in den USA, jedoch nicht in Europa, zur Behandlung von transfusionsbedürftigen Patienten mit Deletion 5q zugelassen, allerdings steht in Deutschland Lenalidomid sowohl für Patienten mit Deletion 5q als auch ohne diese Chromosomenveränderung im Rahmen von klinischen Studien zur Verfügung.

9.3.2 Histondeacetylase-Inhibitoren (HDAC-Inhibitoren)

Weitere interessante therapeutische Ansätze sind die Verwendung von HDAC-Inhibitoren wie Valproinsäure oder dem sehr wirksamen Inhibitor Panobinostat. Für Valproinsäure konnte bei Patienten mit Niedrig-Risiko-MDS in bis zu 75% der Fälle ein hämatologisches Ansprechen erreicht werden. Valproinsäure wird dabei in der üblichen Dosierung wie bei antikonvulsiver Prophylaxe angewandt [Kündgen A 2005].

9.3.3 Immunsuppressive Therapie

Antithymozytenglobulin

Bei Frühformen der MDS liegt eine deutlich gesteigerte intramedulläre Apoptose vor, die durch proapoptotische Zytokine vermittelt wird. Darüber hinaus konnte in vitro gezeigt werden, dass zytotoxische T-Zellen das erythroide und granulozytäre Wachstum hemmen. Diese Beobachtungen waren die Rationale für den Einsatz von Antithymozytenglobulin (ATG) und Ciclosporin in der Therapie der MDS.

Die Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten (ähnlich zur Therapie der schweren aplastischen Anämie) beruht auf den positiven Erfahrungen bei einer Subgruppe von Patienten, die wie folgt charakterisiert sind:

  • hypozelluläres Knochenmark
  • Frühform des MDS (IPSS niedrig und intermediär-1)
  • geringe Transfusionsbedürftigkeit

Etwa 30% dieser Patienten erreichen Transfusionsfreiheit, wobei insbesondere Patienten, die HLA-DR15-positiv sind, von dieser Behandlung profitieren. Wegen der teilweise starken Nebenwirkungen und dem noch nicht klar definierten Patientengut sollte eine immunsuppressive Behandlung beim MDS ausschließlich an einem hämatologischen Zentrum und im Rahmen kontrollierter klinischer Studien durchgeführt werden [Molldrem JJ 2002] [Passweg J 2011] [Stadler M 2004].

Alemtuzumab

Bei Alemtuzumab handelt es sich um einen Antikörper gegen das Oberflächenantigen CD52, welches auf T- und B-Lymphozyten, auf natürlichen Killer-(NK)-Zellen sowie Monozyten, Makrophagen und eosinophilen Granulozyten exprimiert wird. Die genaue Selektion der Patienten für eine immunsuppressive Therapie mit Alemtuzumab führt zu einer Ansprechrate von etwa 80% bei Niedrig-Risiko-MDS. Eine Therapie außerhalb von Studien ist bei MDS nicht empfohlen und sollte nur an spezialisierten hämatologischen Zentren erfolgen [Sloand EM 2009].

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