Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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9.4 Therapie bei Intermediär-2- und Hoch-Risiko-MDS

Autor/en: F. Nolte, S. Klein, H.-J. Fricke, A. Fabarius, W.-K. Hofmann
Letzte Änderung: 30.05.2012

9.4.1 Intensive Chemotherapie

Ähnlich wie bei der allogenen Stammzelltransplantation (SZT) ist der Nutzen einer intensiven Chemotherapie (ICT) bei älteren Patienten kontrovers zu diskutieren. Üblicherweise werden Anthrazykline (Doxorubicin, Idarubicin, Daunorubicin etc.) in Kombination mit Cytosinarabinosid eingesetzt, wie man es aus der Therapie der AML kennt. Obwohl in ca. 50-60% der Fälle der Patienten mit fortgeschrittenem MDS eine Komplettremission (CR) mit diesen Protokollen erreicht werden können, findet dies oft keinen Niederschlag in einerm verbesserten Gesamtüberleben dieser Patienten.

Die intensive Chemotherapie analog der Behandlung einer AML ist außerhalb von Studien keine etablierte Therapieoption für Hoch-Risiko-MDS-Patienten im typischen Erkrankungsalter [Kripp S 2007]. Ob eine intensive Chemotherapie im Einzelfall sinnvoll ist (z.B. zur Remissionsinduktion vor geplanter allogener Stammzelltransplantation), kann nur individuell unter Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses entschieden werden [Hofmann WK 2004].

9.4.2 Nicht intensive Chemotherapie

Mit der erfolgreichen Etablierung der demethylierenden Substanzen (s.u.) in der Therapie der fortgeschrittenen MDS spielt die nicht intensive Chemotherapie wie Cytarabin, Hydroxyurea oder niedrig dosiertes Melphalan nur noch eine nachgestellte Rolle. Allerdings kann eine solche Behandlung nach Ausschöpfung anderer Optionen - wie der epigenetischen Therapie - im Einzelfall durchaus eine sinnvolle Alternative darstellen.

9.4.3 Demethylierende Substanzen

Für Patienten mit Hoch-Risiko-MDS steht mit 5-Azacytidin ein zugelassenes Medikament zur Verfügung, welches einen deutlichen Überlebensvorteil gegenüber dem Best-Supportiv-Care-Ansatz und den konventionellen Therapieansätzen wie niedrig dosiertem Cytarabin und intensiver Chemotherapie gezeigt hat [Fenaux P 2009].

5-Azacytidin wird in einer Dosierung von 75 mg/m2 über 7 Tage s.c. in einem 28-Tage-Zyklus gegeben. Wesentliche unerwünschte Nebenwirkungen sind vor allem leichte Übelkeit, sowie Leukopenie und Thrombopenie. Hautrötungen um die Einstichstelle herum lassen sich durch eine streng subkutane Injektion vorbeugen. Kommt es dennoch zu Rötungen, hat sich Nachtkerzenöl, lokal auf die Stelle nach Injektion aufgetragen, als sehr wirksam erwiesen [Platzbecker 2010].

In einer Analyse von Patienten über 75 Jahre erhielten über 75% der Patienten 5-Azacytidin alle 4-5 Wochen, also nur mit geringer Therapieverzögerung (wenn man den standardmäßigen 28-Tage-Zyklus zugrunde legt). Das zeigt, dass 5-Azacytidin ein - gerade auch für die typische Altersgruppe der MDS-Patienten - sehr gut verträgliches Medikament ist.

Aufgrund der überzeugenden Daten muss 5-Azacytidin inzwischen als die Standardtherapie der fortgeschrittenen MDS angesehen werden. 5-Azacytidin ist zugelassen für die Behandlung von Patienten mit Intermediär-2- oder Hoch-Risiko-MDS, CMML mit <13.000 /µl Leukozyten (dysplastische Variante) und AML nach WHO mit multilineärer Dysplasie und bis zu 30% Blasten im Knochenmark, wenn sie nicht für eine allogene Stammzelltransplantation in Frage kommen.

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