Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Autologe Stammzelltransplantation (ASZT) bei multiplem Myelom in Zeiten der "neuen Medikamente": Eine Phase-III-Studie der Intergroupe Francophone Du Myelome (IFM/DFCI 2009 Trial)

Titel des Originals:

Autologous Transplantation for Multiple Myeloma in the Era of New Drugs: A Phase III Study of the Intergroupe Francophone Du Myélome (IFM/DFCI 2009 Trial)

Abstract-Nr.:

391

Jahr:

2015

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2015 126: Abstract 391

Autor/en:

Michel Attal, 1, Valerie Lauwers-Cances, MD2*, Cyrille Hulin, MD3*, Thierry Facon4, Denis Caillot5*, Martine Escoffre6*, Bertrand Arnulf7*, Margaret MACRO, MD8,9*, Karim Belhadj, MD10*, Laurent Garderet, MD11, Murielle Roussel, MD12*, Claire Mathiot, MD13*, Herve Avet-Loiseau14*, Nikhil C. Munshi, MD15, Paul G. Richardson, MD16, Kenneth C. Anderson, M.D17, jean Luc Harousseau18* and Philippe Moreau, MD19*

Institution/en:

1 Institut Universitaire du Cancer de Toulouse-Oncopole, Toulouse, France; 2 CHU Toulouse, Toulouse, France; 3 CHRU Hopitaux de Brabois, NANCY CEDEX, France; 4 Maladies du Sang, Hôpital Claude Huriez, CHRU Lille, Lille, France; 5 Hôpital du Bocage, Dijon, France; 6 CHU Rennes, Rennes, France; 7 Saint Louis Hosp., Paris, France; 8 CHU Caen, Caen, France; 9 CHU Caen, CAEN, France; 10 CHU Henri Mondor, Creteil, France; 11 Hopital St Antoine, Paris, France; 12 Institut Universitaire du Cancer and University Hospital, Hematology department, Toulouse, France; 13 IFM, Paris, France; 14 IUCT-Oncopole, Toulouse, France; 15 LeBow Institute for Myeloma Therapeutics and Jerome Lipper Multiple Myeloma Center, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, MA; 16 Division of Hematologic Malignancy, Department of Medical Oncology, Jerome Lipper Multiple Myeloma Center, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Medical School, Boston, MA; 17 Medical Oncology, Dana-Farber Cancer Institute, Boston, MA; 18 HAS, paris, France; 19 Department of Hematology, Nantes University Hospital, Nantes, France

Zusammenfassung des Berichts

Die Hochdosistherapie mit ASZT nach 3 Zyklen Induktion mit Lenalidomid-Bortezomib-Dexamethason (RVD) und 2 Zyklen RVD-Konsolidierung zeigt im Vergleich zu 8 Zyklen RVD einen signifikanten Vorteil in Bezug auf Ansprechraten und progressionsfreies Überleben. Ein Vorteil bezüglich des Gesamtüberlebens wurde nicht beobachtet.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Hochdosis-Chemotherapie plus autologe Stammzelltransplantation (ASZT) wird bei jüngeren (unter 65 Jahren), neu diagnostizierten Myelom-Patienten als Standardtherapie angesehen. Aufgrund der beträchtlichen Wirksamkeit und hohen Raten an kompletten Remissionen (CR), die durch die Dreifachkombination aus einem Proteasom-Inhibitor, einem IMiD und Dexamethason erreicht werden, stellt sich die Frage, ob eine ASZT noch erforderlich ist.

Fragestellung der Studie

In der vorliegenden Studie sollte überprüft werden, ob in Anbetracht der hohen Wirksamkeit der neuen Substanzen eine ASZT bei jüngeren Patienten mit multiplem Myelom überhaupt noch erforderlich ist.

Art der Studie

Randomisierte, multizentrische Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Insgesamt wurden 700 Patienten eingeschlossen und anhand von ISS-Stadium und zytogenetischem Risikoprofil stratifiziert in zwei Studienarme randomisiert. Im konventionellen Arm erhielten die Patienten 8 Zyklen Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason (RVD). Weiter wurden Stammzellen gesammelt, wobei die Mobilisation mit Cyclophosphamid und G-CSF erfolgte. Im Transplantationsarm wurden 3 Zyklen Induktionstherapie mit RVD, gefolgt von einer Stammzellsammlung und einer ASZT mit Melphalan 200 mg/m², sowie einer Konsolidierungstherapie mit 2 Zyklen RVD verabreicht. Patienten in beiden Studienarmen erhielten eine einjährige Erhaltungstherapie mit Lenalidomid.

Ergebnisse, Toxizität

93% der Patienten, die in den Transplantationsarm randomisiert wurden, wurden tatsächlich transplantiert. Während der Mobilisation oder im Rahmen der Transplantation kam es zu 5 Todesfällen.

Der Vergleich beider Gruppen zeigt eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS) im Studienarm mit ASZT (p<0,0002). Die progressionsfreie Rate nach drei Jahren betrug 61% im Transplantationsarm und 48% im RVD-Arm. Die Verbesserung im PFS war im Transplantationsarm in allen Subgruppen, die verglichen wurden (Alter, Geschlecht, Immunglobulin-Isotyp, ISS-Stadium, Zytogenetik und Ansprechraten nach den ersten 3 Zyklen RVD), zu beobachten. Die Überlebensraten nach 3 Jahren waren in beiden Studiengruppen hoch und lagen bei 88%. Jedoch war die Anzahl an kompletten Remissionen im Transplantationsarm signifikant höher als im RVD-Arm (58% versus 46%, p<0,01).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Studie zeigt die Überlegenheit einer Hochdosistherapie mit autologer Transplantation (RVD x3, ASZT, RVD x2) gegenüber 8 Zyklen RVD in Bezug auf Remissionsrate und PFS, nicht jedoch hinsichtlich des Gesamtüberlebens (OS). Die Autoren sind der Meinung, dass die ASZT nach wie vor die Standardtherapie für transplantierfähige Patienten mit multiplem Myelom bleiben soll.

Kommentar / Beurteilung

Die Hochdosistherapie mit ASZT bleibt die Standardtherapie bei jungen Patienten mit multiplem Myelom. Allerdings ist trotz höherer Ansprechrate und längerem PFS bisher keine Verlängerung des OS nachweisbar.


Autor des Berichts:

Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig

Institution:

Wilhelminen Krebsforschungsinstitut, c/o 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin, Wilhelminenspital, Montleartstraße 37, 1160 Wien, Österreich

Letzte Änderung:

29.01.2016