Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Langzeitergebnisse der COMFORT-Studie, einer Phase-III-Studie, die Ruxolitinib mit der besten verfügbaren Therapie bei Osteomyelofibrose vergleicht: 5-Jahres-Auswertung

Titel des Originals:

Long-Term Efficacy and Safety in COMFORT-II, a Phase 3 Study Comparing Ruxolitinib with Best Available Therapy for the Treatment of Myelofibrosis: 5-Year Final Study Results

Abstract-Nr.:

59

Jahr:

2015

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2015 126: Abstract 59

Autor/en:

Claire N. Harrison, 1, Alessandro M. Vannucchi, MD2, Jean-Jacques Kiladjian3, Haifa Kathrin Al-Ali, MD4*, Heinz Gisslinger, MD5, Laurent Knoops, MD, PhD6*, Francisco Cervantes7, Mark M. Jones, MD8*, Kang Sun, PhD8*, Laurence Descamps, PhD9*, Viktoriya Stalbovskaya, PhD10*, Prashanth Gopalakrishna, MBBS, MRCS10* and Tiziano Barbui, MD11*

Institution/en:

1Guy's and St. Thomas' NHS Foundation Trust, London, United Kingdom; 2University of Florence, Florence, Italy; 3Hôpital Saint-Louis and Paris Diderot University, Paris, France; 4University of Leipzig, Leipzig, Germany; 5Medical University of Vienna, Vienna, Austria; 6Cliniques Universitaires Saint-Luc and de Duve Institute, Université catholique de Louvain, Brussels, Belgium; 7Hospital Clinic, IDIBAPS, University of Barcelona, Barcelona, Spain; 8Incyte Corporation, Wilmington, DE; 9Novartis Pharma S.A.S, Rueil-Malmaison, France; 10Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland; 11Hospital Papa Giovanni XXIII and Research Foundation, Bergamo, Italy

Zusammenfassung des Berichts

Ruxolitinib zeigt im Langzeitverlauf in einer prospektiv randomisierten Studie bei Patienten mit Osteomyelofibrose eine rasche und andauernde Reduktion der Milzgröße, Verbesserung von Symptomen sowie des Gesamtüberlebens.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Ruxolitinib ist ein potenter JAK1/JAK2-Inhibitor, der zu einer raschen und andauernden Reduktion von Milzgröße, Krankheitssymptomen und zu einer Verlängerung der Überlebenszeit bei Patienten mit Osteomyelofibrose führt.

Fragestellung der Studie

Einfluss von Ruxolitinib auf Milzgröße (primärer Endpunkte ≥35% Größenreduktion), Krankheitssymptome und Überleben im Langzeitverlauf.

Art der Studie

randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Ruxolitinib-Dosierung in Abhängigkeit von Thrombozytenzahl 15 oder 20 mg 2x/Tag, individuelle Dosisanpassung je nach Verträglichkeit. Bei Progression konnten Patienten aus dem Kontroll-Arm in den Verum-Arm wechseln. Alle Patienten im Kontroll-Arm waren zum November 2011 in den Verum-Arm gewechselt. Endauswertung der Studie erfolgte zum 20. April 2015.

Ergebnisse, Toxizität

Patienten wurden in den Ruxolitinib-Arm (n=146) oder den Kontroll-Arm (n=73) randomisiert. Die Grundcharakteristika waren balanciert zwischen den Gruppen [Harrison C 2012]. Am Studienende (medianes Follow-up 4,3 Jahre), hatten 39 Patienten (26,7%) im Verum-Arm und 11 von 45 Patienten, die in den Verum-Arm wechselten, 5 Jahre Therapie mit Ruxolitinib erhalten. Vorzeitige Beendigung der Therapie erfolgte wegen Nebenwirkungen (Adverse Events; 24,0%) und Krankheitsprogression (21,9%) im Ruxolitinib-Arm sowie Rücknahme der Einwilligung sowie anderer Gründe im Kontroll-Arm (je 12,3%).

78 Patienten (53,4%) erzielten unter Ruxolitinib eine Verkleinerung der Milzgröße von ≥35%, diese hielt im Median 3,2 Jahre an. Ca. ein Drittel der JAK2-V617F-positiven Patienten erzielte eine Reduktion >20% der Allellast nach 3,2 Jahren (38,3%) und 3,7 Jahren (31,0%). Mit Ruxolitinib erzielten 23 Patienten (15,8%) eine Verminderung der Fibrose (4 erreichten Grad 0), 47 hatten eine stabile Fibrose, und 27 zeigten eine Verschlechterung der Fibrose.

Die Nebenwirkungen nahmen über die Dauer der Therapie nicht zu. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Thrombozytopenie (52,4%), Anämie (49,2%), Durchfall (35,6%), und Ödeme (33,0%); Grad-3/4-Nebenwirkungen waren Anämie (22,5%), Thrombozytopenie (15,2%), Pneumonie (5,8%), Verschlechterung des Allgemeinzustands (4,2%) und Atemnot (4,2%). 8 (5,5%) und 5 Patienten (6,8%) entwickelten eine Leukämie im Verum- und Kontroll-Arm, unerwartete Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Insgesamt verstarben im Ruxolitinib-Arm 59 (40,4%) und im Kontroll-Arm 35 (47,9%) Patienten. Das mediane Überleben betrug 4,1 Jahre im Kontroll-Arm und wurde im Ruxolitinib-Arm bislang nicht erreicht. Das Risiko zu versterben konnte durch Ruxolitinib um 33% verringert werden (HR 0,67; 95% CI 0,44-1,02; p=0,06). Das Cross-over in den Ruxolitinib-Arm hatte einen Einfluss auf das Gesamtüberleben.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Der rasche Nutzen der Ruxolitinib-Behandlung (z.B. Verkleinerung der Milzgröße) dauerte über die lange Therapiedauer an. Patienten unter Ruxolitinib zeigten trotz Cross-over vom Kontroll-Arm in den Verum-Arm ein verlängertes Überleben. Ruxolitinib erwies sich auch bei langer Anwendung als sicher und gut verträglich.

Kommentar / Beurteilung

Ruxolitinib führt zu einer raschen Verkleinerung der Milzgröße, verbessert krankheitsspezifische Symptome und das Gesamtüberleben.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Holger Hebart

Institution:

Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd, Zentrum für Innere Medizin, Wetzgauer Str. 85, 73557 Mutlangen

Letzte Änderung:

15.12.2015


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Harrison C, Kiladjian JJ, Al-Ali HK, Gisslinger H, Waltzman R, Stalbovskaya V, McQuitty M, Hunter DS, Levy R, Knoops L, Cervantes F, Vannucchi AM, Barbui T, Barosi G.
    JAK inhibition with ruxolitinib versus best available therapy for myelofibrosis.
    N Engl J Med. 2012 Mar 1;366(9):787-98. PMID:22375970
    [Medline]