Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Quantifizierung der BCR-ABL-Transkripte mittels digitaler PCR führt im Vergleich zu RT-qPCR zu einer signifikant niedrigeren Zahl an tiefem molekularen Ansprechen bei CML-Patienten, die in der ENEST1st-Studie behandelt worden sind

Titel des Originals:

Quantification of BCR-ABL with Digital PCR Results in a Significantly Lower Rate of Deep Molecular Responses When Compared to RT-qPCR in CML Patients Treated in the ENEST1st Trial

Abstract-Nr.:

135

Jahr:

2015

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2015 126: Abstract 135

Autor/en:

Georg-Nikolaus Franke, MD1, Jacqueline Maier, PhD1*, Kathrin Wildenberger1*, Michael Cross, PhD1*, Oliver Frank, PhD2*, Frank Giles, MD MB3*, Andreas Hochhaus, MD4, Christian T. Dietz, PhD5*, Martin C. Müller5*, Dietger Niederwieser, MD1 and Thoralf Lange, MD1

Institution/en:

1Abteilung für Hämatologie/Onkologie, Universität Leipzig, Leipzig, Germany; 2Novartis Pharma GmbH, Nuernberg, Germany; 3NMDTI, Robert H. Lurie Comprehensive Cancer Center of Northwestern University, Chicago; 4Universitätsklinikum Jena, Jena, Germany; 5III. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim der Ruprechts-Karl-Universität Heidelberg, Mannheim, Germany; 6Asklepios Klinikum Weißenfels, Weißenfels, Germany

Zusammenfassung des Berichts

cDNA von 230 Patienten, die im Rahmen der ENEST1st-Studie Nilotinib erhalten haben, wurde mittels quantitativer (qPCR) und digitaler PCR (dPCR) vor Beginn der Therapie und nach 18 Monaten in zwei nach EUTOS zertifizierten Labors untersucht. Dabei ergeben sich durch dPCR verglichen mit qPCR signifikant schlechtere MR-Klassen entsprechend der internationalen Skala nach 18 Monaten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Zur quantitativen Erfassung der BCR-ABL-Transkripte sowie zur Erfassung der Remissionstiefe unter der Therapie der chronisch myeloischen Leukämie ist heute die quantitative Real-Time-PCR (qPCR) etabliert. Dieses Verfahren basiert darauf, dass die Amplifikation der Nukleinsäuren exponentiell verläuft. Somit entspricht die Menge der zu testenden Nukleinsäuren der Zahl der Amplifikationszyklen und der Menge des PCR-Endproduktes im Vergleich zu einer Referenzgröße. Jedoch ist dieses System der qPCR anfällig, weil die initialen Amplifikationszyklen der qPCR nicht unbedingt exponentiell arbeiten, der Amplifikationsprozess nach einer unvorhersehbaren Zyklenzahl stoppen kann sowie bei niedriger Zahl der Nukleinsäuren es zu keiner signifikanten Amplifikation kommt. Die 1992 erstmals beschriebene digitale PCR (dPCR) beruht auf dem Prinzip der Verdünnung, so dass am Ende des PCR-Prozesses entweder ein negatives oder ein positives Signal steht. Da sich die gelösten Nukleinsäuren während der Verdünnung nach dem Poisson-Prinzip verteilen, lässt sich daraus eine Quantifizierung der betreffenden Nukleinsäure errechnen, welche im Ergebnis deutlich weniger störanfällig ist. Somit könnte durch die Anwendung der dPCR eine bessere Toleranz gegenüber solchen Störfaktoren und damit eine geringere Erfordernis zu einer Standardisierung als Konversion der BCR-ABL/ABL-Ratio nach der Internationalen Skala erreicht werden.

Fragestellung der Studie

Das Ziel der Studie war die BCR-ABL- sowie ABL-Kopienzahl und -Ratio gemessen mit qPCR im Vergleich zu dPCR bei CML-Patienten unter Therapie mit Nilotinib im Verlauf der Enest1st-Studie in zwei EUTOS (European Treatment Outcome Study) zertifizierten Labors (Leipzig und Mannheim) sowie auch die Tiefe des molekularen Ansprechens zu erfassen.

Art der Studie

Begleitende Analyse aus vorhandenen Patientenmaterialien, die im Rahmen der durchgeführten klinischen Studie ENEST1st gewonnen worden sind.

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Für 259 Patienten mit Philadelphia-positiver CML aus der ENEST1st-Studie wurden in den zwei Labors die BCR/ABL-Transkripte nach 18 Monaten Nilotinib-Behandlung vergleichend per dPCR und qPCR quantitativ bestimmt. Die Remissionstiefen wurden nach Konversion entsprechend des IRIS-Standards eruiert.

Ergebnisse, Toxizität

Die direkten Ergebnisse der beiden Verfahren dPCR und qPCR für die BCR/ABL-Transkripte waren nicht signifikant unterschiedlich. Ebenso ergab sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Verteilung von Patienten in molekularer gegen die ohne molekulare Remission. Dagegen ergab sich bei der Bestimmung der Remissionstiefe nach Konversion entsprechend des IRIS-Standards ein signifikanter Unterschied im Hinblick auf die Verteilung der tiefen Remissionen. Während nach der Standardisierung der qPCR 29% bzw. 14% in molekularer Remission 4,5 bzw. 4 eingeordnet werden konnten, ergab sich bei der Bestimmung per dPCR nur ein Anteil von 18% bzw. 15%. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant (p<0,05).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die digitale PCR scheint höhere Ergebnisse für die BCR/ABL-zu-ABL-Verhältnisse zu produzieren als die standardisierte qPCR, so dass die Patienten mit CML unter Behandlung in schlechtere Remissionstiefen eingeordnet werden. Dieser Effekt wurde unabhängig in beiden Labors beobachtet und war für die hohen Remissionsklassen 4 und 4,5 statistisch signifikant. Eine zukünftige Verwendung der digitalen PCR zur Bestimmung der BCR/ABL-zu-ABL-Ratio sollte aber nicht ohne weitere sorgfältige Auswertung und Vergleich zur standardisierten qPCR angewendet werden.

Kommentar / Beurteilung

Die vorsichtige Schlussfolgerung der Autoren ist hier sicher hervorzuheben. Gerade bei einem so anfälligen Untersuchungssystem wie der quantitativen PCR auf BCR/ABL bedarf es weiterer sorgfältiger Auswertungen, bevor dieses Verfahren als Ergebnisleitfaden in der Behandlung der CML-Patienten unter Therapie angewendet werden kann.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik II, Elblandklinikum Riesa, Weinbergstraße 8, 01589 Riesa

Letzte Änderung:

06.01.2016