Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Anhaltende Remissionen nach CD19+ CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit refraktären und rezidivierten CD19+ Non-Hodgkin-Lymphomen

Titel des Originals:

Sustained Remissions Following Chimeric Antigen Receptor Modified T Cells Directed Against CD19 (CTL019) in Patients with Relapsed or Refractory CD19+ Lymphomas

Abstract-Nr.:

183

Jahr:

2015

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2015 126: Abstract 183

Autor/en:

Stephen J. Schuster, MD1, Jakub Svoboda, MD1, Sunita Dwivedy Nasta, MD1, David L. Porter, MD1, Elise A. Chong, MD1, Daniel J. Landsburg, MD1, Anthony R. Mato, MD, MSCE1, Simon F. Lacey, PhD, BS2*, Jan J. Melenhorst, PhD3*, Anne Chew, PhD3*, Jens Hasskarl, MD, PhD4*, Gaurav D. Shah, MD5*, Mariusz A. Wasik, MD6*, Katherine T. Marcucci, PhD3*, Zhaohui Zheng, MS2*, Bruce L. Levine, PhD3 and Carl H. June, MD3

Institution/en:

1Lymphoma Program, Abramson Cancer Center, University of Pennsylvania, Philadelphia, PA; 2Center for Cellular Immunotherapies, University of Pennsylvania, Philadelphia, PA; 3Center for Cellular Immunotherapies, Perelman School of Medicine at the University of Pennsylvania, Philadelphia, PA; 4Novartis, Basel, Switzerland; 5Novartis, East Hanover, NJ; 6Pathology and Laboratory Medicine, Abramson Cancer Center, University of Pennsylvania, Philadelphia, PA

Zusammenfassung des Berichts

Sehr gute Ergebnisse der CD19 CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit refraktären und rezidivierten CD19+ B-Zell-Lymphomen. Die Toxizität (Cytokine Release Syndrom, Neurotoxizität) war geringer als in den Vorgängerstudien zur ALL und CLL. Eine Bestätigung der Ergebnisse durch eine multizentrische Studie wäre wünschenswert.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

CTL019-Zellen sind autologe T-Zellen, die durch genetische Modifkation einen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) tragen, der aus einer extrazellulären Anti-CD19-Einzelkette und intrazellulären CD3ζ- und 4-1BB-Signaldomänen besteht. Eine Therapie mit CTL019-Zellen kann bei Patienten mit refraktärer und rezidivierter ALL und CLL anhaltende Remissionen bewirken. Diese Phase-II-Studie untersucht die Effektivität und Sicherheit von CTL019-Zellen bei Patienten mit refraktären oder rezidivierten CD19+ B-Zell-Lymphomen.

Fragestellung der Studie

Toxizität, Effektivität

Art der Studie

Prospektive Phase-II-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten mit refraktären oder rezidivierten CD19+ diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL), Mantelzelllymphom (MCL) oder follikulärem Lymphom (FL) ohne kurative Option und <2 Jahre Lebenserwartung konnten eingeschlossen werden.
Patienten mit DLBCL hatten nach Rezidiv residuelle Erkrankungen und waren für eine autologe Stammzelltransplantation ungeeignet oder waren nach einer autologen Stammzelltransplantation rezidiviert.
FL-Patienten hatten ein Rezidiv innerhalb von 2 Jahren nach der zweiten oder noch späteren Rezidivtherapie.
MCL-Patienten waren auf eine Rituximab-haltige Chemoimmuntherapie refraktär oder rezidiviert und waren für eine autologe Transplantation ungeeignet oder waren nach einer autologen Transplantation rezidiviert.

Nach einer Leukapherese aus Ruhe, um Leukozyten zu gewinnen, erhielten die Patienten eine lymphodepletierende Chemotherapie. Nach 1-4 Tagen nach dieser Therapie erhielten die Patienten eine Einzeldosis CTL019-Zellen i.v. Nach 3 Monaten wurde das Ansprechen nach den "International Working Group response criteria" bestimmt. Der erste Patient wurde 02/2014 eingeschlossen. Es wurden die Ergebnisse bis zum 26.7.2015 berichtet.

Ergebnisse, Toxizität

38 Patienten (DLBCL 21; FL 14; MCL 3) wurden eingeschlossen. Medianes Alter 56 Jahre (Spanne 25-77), 22 männliche Patienten, mediane Vortherapien 4, Patienten mit früherer Transplantation 12 (11 autolog, 1 allogen). Ann Arbor Stadium IV bei 23 Patienten, III bei 7 Patienten, II bei 6 Patienten, IE bei 2 Patienten. Elf Patienten (29%) hatten eine Knochenmarkbeteiligung, die LDH war bei 28 (74%) Patienten erhöht, ECOG 0 hatten 16 (42%) Patienten und ECOG 1 22 (58%) Patienten.

24 Patienten erhielten die vorgesehene Dosis an CTL019-Zellen (13 DLBCL; 9 FL; 2 MCL). Die lymphodepletierende Chemotherapie war Bendamustin (6 Patienten), Cyclophosphamid (11 Patienten), Cyclophosphamid-Fludarabin (1 Patient), modifiziertes EPOCH (3 Patienten) und Bestrahlung plus Cyclophosphamid (3 Patienten). Die absolute mediane CTL019-Zelldosis war 5,00x108 (Spanne: 1,79x108 - 5,00x108); die mediane CTL019-Zelldosis/kg war 5,84x106 (Spanne: 3,08x106 - 8,87x106).

Der maximale Peak der CTL019-Expansion im Blut trat 7 Tage (Spanne 2-14 Tage) nach der Infusion auf. Ein Cytokine Release Syndrome (CRS) trat bei 16 Patienten auf (14 Grad 2; 1 Grad 3; 1 Grad 4) und war unabhängig vom Ansprechen auf die Therapie. Eine Neurotoxizität trat bei 3 Patienten auf: 2 Delir (1 Grad 2, 1 Grad 3) und eine möglicherweise assoziierte Grad-5-Enzephalitis.

Bei 22 Patienten (DLBCL 13, FL 7, MCL 2) konnte das Ansprechen bestimmt werden. Die Gesamtansprechrate nach 3 Monaten ist 68% (15/22): DLBCL 54% (7/13); FL 100% (7/7); MCL 50% (1/2). Nach einem medianen Follow-up von 11,7 Monaten ist das progressionsfreie Überleben 62% (DLBCL 43%; FL 100%). Die Remissionsdauer nach dem medianen Follow-up ist 83% für DLBCL und 100% für FL.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

CTL019-Zellen können bei Patienten mit stark vorbehandelter NHL generiert werden und können anhaltende Remission erzielen. Die beobachtete Toxizität war geringer als bei Patienten mit ALL und CLL.

Kommentar / Beurteilung

Sehr gute Ergebnisse der CD19 CAR-T-Zell-Therapie bei Patienten mit refraktären und rezidivierten CD19+ B-Zell-Lymphomen. Eine Bestätigung der Ergebnisse durch eine multizentrische Studie wäre wünschenswert.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Mathias Witzens-Harig

Institution:

Medizinische Klinik V (Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie), Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg

Letzte Änderung:

21.12.2015