Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Randomisierte Studie zur Thromboseprophylaxe mit Dalteparin bei Hochrisiko-Tumorpatienten

Titel des Originals:

Dalteparin Thromboprophylaxis in Cancer Patients at High Risk for Venous Thromboembolism: A Randomized Trial

Abstract-Nr.:

427

Jahr:

2015

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2015 126: Abstract 427

Autor/en:

Alok A. Khorana, MD1, Charles W. Francis2*, Nicole M. Kuderer, M.D.3*, Marc Carrier, MD4, Thomas L. Ortel, M.D., Ph.D.5, Ted Wun, MD6, Derick Peterson2*, Renuka Iyer7* and Gary H. Lyman, MD, MPH8

Institution/en:

1Cleveland Clinic, Cleveland, OH; 2University of Rochester, Rochester, NY; 3University of Washington, Seattle, WA; 4University of Ottawa, Ottawa, ON, Canada; 5Thrombosis and Hemostasis Center, Division of Hematology, Duke University Medical Center, Durham, NC; 6University of California, Sacramento, CA; 7Roswell Park Cancer Institute, Buffalo, NY; 8Division of Medical Oncology/Department of Medicine, University of Washington, Seattle, WA

Zusammenfassung des Berichts

Die Thromboseprophylaxe mit Dalteparin bei ambulanten Hochrisiko-Tumorpatienten erreicht eine nicht signifikante Verminderung des VTE-Risikos. Klinisch relevante Blutungen sind mit Dalteparin aber häufiger. Der Khorana-Score identifiziert Hochrisikopatienten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Ambulante Tumorpatienten haben ein erhöhtes Risiko, eine venöse Thrombose oder Embolie (VTE) zu erleiden als Nichttumorpatienten. Mit dem Khorana-Score [Khorana AA 2008] kann man ambulante Tumorpatienten mit besonders hohem VTE-Risiko identifizieren.

Fragestellung der Studie

Welchen Nutzen hat eine Thromboseprophylaxe mit Dalteparin bei ambulanten Tumorpatienten mit besonders hohem Risiko?

Art der Studie

Multizentrisch, randomisiert

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Tumorpatienten mit einem hohem Risiko (Khorana-Score >3), die eine systemische Chemotherapie neu begannen, wurden zunächst auf das Vorliegen einer VTE (Ultraschall, Thorax-CT) untersucht und, falls keine VTE vorlag, randomisiert zu Dalteparin 5000 E s.c./Tag oder zur Kontrollgruppe ohne Prophylaxe. Die Prophylaxe wurde für 12 Wochen gegeben.

Beide Patientengruppen erhielten alle 4 Wochen eine Ultraschalluntersuchung der Beinvenen und am Ende der Studie auch ein weiteres Thorax-CT, ob eine VTE neu aufgetreten ist.

Primärer Wirksamkeitsendpunkt war das Auftreten einer VTE während der 12 wöchigen Prophylaxe, primärer Sicherheitsendpunkt das Auftreten klinisch relevanter Blutungen während 13 Wochen (12 Wochen Studie plus 1 Woche). Die Studie wurde wegen schlechter Rekrutierung vorzeitig geschlossen (Studienschluss nach 98 Patienten, geplant 229).

Ergebnisse, Toxizität

  • 117 Patienten wurden zunächst eingeschlossen, davon aber 19 nicht randomisiert, weil 10 beim initialen Screening bereits eine venöse Thrombose oder Embolie hatten (8,5%), weitere 9 Patienten wurden aus anderen Gründen nicht randomisiert. Mittleres Alter 59 Jahre, 54% Männer.
  • Die häufigsten Tumoren waren Pankreas, Ösophagus/Magen, Lunge, NHL. 75% hatten einen guten Allgemeinzustand (ECOG 0-1)
  • 98 Patienten wurden randomisiert, 50 zu Dalteparin, 48 erhielten keine Prophylaxe.
  • VTE ereigneten sich bei 6 (12%) der Dalteparin-Patienten und bei 10 (21%) in der Kontrollgruppe (Hazard-Ratio 0,69, allerdings nicht signifikant, Number Needed to Treat = 12).
  • Asymptomatische, nur durch die Kontrolluntersuchungen entdeckte VTE traten in der Dalteparin-Gruppe bei 4 und in der Kontrollgruppe auch bei 8 Patienten auf.
  • Symptomatische VTE traten in der Dalteparin-Gruppe bei 2 und in der Kontrollgruppe auch bei 2 Patienten auf.
  • Es gab keine tödlichen Lungenembolien.
  • Schwere Blutungen (≥ Grad 3) traten bei 1 Dalteparin- und 1 Kontrollpatienten auf. Klinisch relevante Blutungen (≥ Grad 2) bei 7 Dalteparin- und 1 Kontrollpatienten (Hazard-Ratio 7,0).
  • Das Gesamtüberleben war in beiden Gruppen gleich.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Eine Thromboseprophylaxe mit Dalteparin bei ambulanten Hochrisiko-Patienten erreicht eine nicht-signifikante Reduzierung des VTE-Risikos, ohne dass mehr schwere Blutungen auftreten. Auch das Gesamtüberleben ist gleich. Klinisch relevante Blutungen sind mit Dalteparin aber häufiger. Der Khorana-Score ist geeignet, Hochrisiko-Patienten zu identifizieren. Die hohe Zahl venöser Thrombosen und Embolien bei der Eingangsuntersuchung legt nahe, alle Hochrisiko-Patienten zukünftig auf VTE zu untersuchen.

Kommentar / Beurteilung

Ambulante Tumorpatienten haben venöse Thrombosen und Embolien und es wäre schön, wenn ein Score diese Patienten frühzeitig erkennen und eine Prophylaxe die VTE verhindern könnte. In dieser Studie werden aber nur asymptomatische venöse Thromboembolien reduziert, die Zahl der symptomatischen blieb gleich.

Nach Meinung des Autors und im Gegensatz zum Autor der Studie ist zu bezweifeln, ob die Reduktion asymptomatischer Thrombosen zum Preis vermehrter klinisch relevanter Blutungen ein ausreichender Grund ist, Hochrisiko-Patienten eine Dalteparin-Prophylaxe anzubieten.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Axel Matzdorff

Institution:

Asklepios-Klinikum Uckermark, Medizinische Klinik II, Hämatologie Onkologie, Auguststr. 23, 16303 Schwedt

Letzte Änderung:

15.12.2015


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Khorana AA, Kuderer NM, Culakova E, Lyman GH, Francis CW.
    Development and validation of a predictive model for chemotherapy-associated thrombosis.
    Blood 2008;111:4902-4907. PMID:18216292
    [Medline]