Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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1.5 Prophylaxe und Therapie urogenitaler Nebenwirkungen: Antihormonelle Therapien

Autor/en: K. Oechsle, M.W. Beckmann, M. Heck, J.T. Hartmann, C. Bokemeyer
Letzte Änderung: 02.04.2012

Vaginale Atrophie

Die vaginale Atrophie ist eine häufig vorkommende Nebenwirkung bei Patientinnen unter einer antihormonellen Therapie beim Mammakarzinom und durch Östrogenmangel bedingt. In einer Studie mit 97 Patientinnen berichteten 58% der Patientinnen unter einem Aromatasehemmer und 32% der Patientinnen unter Tamoxifen über Beschwerden einer vaginalen Atrophie. Bei Patientinnen mit einem Mammakarzinom stellen z.B. Gele, welche keine Hormone enthalten, das Mittel der Wahl der Therapie dar, deren Nutzen in einer randomisiert kontrollierten Studie belegt werden konnte. Die Symptome sind Trockenheit, Juckreiz, Dyspareunie, gesteigerte Miktionsfrequenz und daraus folgend sexuelle Dysfunktion, rezidivierende Harnwegsinfekte und postkoitale Blutungen. Zur Therapie empfehlen sich feuchtigkeitsspendende Gele ohne Hormone oder Ovula. Bei Versagen dieser Therapie und falls keine absoluten Kontraindikationen vorliegen, können östrogenhaltige Cremes oder Gele, Ovula, Inserts oder Vaginaltabletten eingesetzt werden. [Baumgart J 2011] [Lee Y 2011].

Endometriumhyperplasie, Polypen, Endometrium-neoplasien

Durch den Östrogen-agonistischen Effekt von Tamoxifen kann die Entstehung von Endometriumhyperplasien, Polypen und Endometriumkarzinom erhöht sein. In der Literatur ist ein 1- bis 2,7-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Endometriumkarzinoms unter Tamoxifen beschrieben. Es existieren keine evidenzbasierten Empfehlungen für einen Routine-Ultraschall zur Detektion von Endometriumveränderungen oder Endometriumkarzinomen unter Einnahme von Tamoxifen. Der Nutzen der transvaginalen Sonografie ist nicht belegt. Bis zu 25% aller asymptomatischen Patientinnen unter Tamoxifen weisen Veränderungen des Endometriums in der gynäkologischen Sonografie auf, welche auf ein Vorliegen eines Endometriumkarzinoms hinweisen könnten, operativ jedoch konnten keine pathologischen Veränderungen gefunden werden. Eine prospektive Studie evaluierte den Nutzen der transvaginalen Sonografie bei 247 asymptomatischen Patientinnen unter Tamoxifen und konnte nach einem Einnahmezeitraum von 3 Jahren eine signifikante Zunahme der Dicke des Endometriums von im Mittel 3,5 mm auf 9,2 mm zeigen. Auch bei einem cut-off Level der Endometriumhöhe von 10 mm resultierten die sonografischen Erkenntnisse in einer hohen falsch positiven Rate und iatrogenen Morbidität. Bei 52 asymptomatischen Patientinnen mit einem hoch aufgebauten oder suspekt erscheinenden Endometrium wurde eine Hysteroskopie mit Kürettage durchgeführt. Es konnte jedoch nur in einem Fall ein histologisch gesichertes Endometriumkarzinom nachgewiesen werden.
Ein gering erhöhtes Risiko besteht auch für die Entwicklung von Uterussarkomen und malignen Müllerschen Mischtumoren.

[Fisher B 1994] [Chalas E 2005] [Kedar R 1994] [Lahti E 1993] [Osborne C 1998] [Braithwaite R 2003] [Dijkhuizen F 1996] [Bertelli G 1998] [Fung M 2003] [Gerber B 2000] [Wickerham D 2002] [Wysowski D 2002] [Curtis R 2004].


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
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