Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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15.2 Supportive Maßnahmen in der Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich: Osteoradionekrose und Kieferklemme

Autor/en: W. Dörr, K.A. Grötz, D. Riesenbeck
Letzte Änderung: 10.10.2012

Die latente Osteoradionekrose bzw. histologische Veränderungen des Knochens sind klinisch kaum fassbar. Die infizierte Osteoradionekrose (IORN) ist dagegen für den Kiefer-Gesichts-Bereich die schwerste lokale Strahlenfolge und hat klinisch eine sehr hohe Relevanz [Peterson D 2010].

Klinische Symptomatik

Die Inzidenz der IORN beträgt aktuell etwa 2% [Grötz KA 2001a]. Klinisch tritt sie als chronische Schleimhautulzeration mit freiliegendem Kieferknochen in Erscheinung, die länger als 3 Monate besteht (siehe Abb. 15.2.3). Sehr viel seltener geht sie mit extraoralen, kutanen Epitheldefekten einher. Im Verlauf unterscheidet man eine eher unproblematische, z.T. selbstlimitierende Minorform und eine nahezu therapieresistente Majorform, die mit progredienten Osteolysen bis hin zu Kontinuitätsdefekten und orokutanen Fisteln einhergeht.

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Abb. 15.2.3: Infizierte Osteoradionekrose (IORN). Patientin mit Zustand nach Extraktion von Zahn 46 ohne epiperiostal-plastische Kieferkammdeckung 16 Monate nach Strahlentherapie (60 Gy) eines Zungengrundkarzinoms. Weichteil-Knochen-Wunde ohne Anzeichen der Sekundärheilung und lokale IORN.

Ätiologie

Keimeintrittspforten in den bestrahlten Kiefer stellen den wichtigsten Pathomechanismus dar. Dentogene Ursachen (Strahlenkaries, avitale Zähne, Zahnentfernungen, Prothesendruckstellen) stehen gegenüber Epitheldefekten (knochennahes Tumorwachstum, Perforationen durch scharfe Knochenkanten, radiogene Ulzera), hämatogenen Keimbesiedlungen und der sogenannten spontanen IORN im Vordergrund. Zahnextraktionen bedingen etwa 50% [Reuther T 2003], "ZMK"(Zahn-Mund-Kiefer)-Ursachen insgesamt >60% der Fälle [Curi MM 1997]. Durch eine adäquate periradiotherapeutische Betreuung kann die Häufigkeit sogenannter "ZMK"-Ursachen um den Faktor 3 vermindert werden [Grötz KA 2001a].

Supportivtherapie

Wichtigste Supportivmaßnahme ist die präradiotherapeutische Sanierung der Mundhöhle mit Entfernung aller nicht erhaltungswürdigen Zähne und sicherem Wundverschluss. Post radiationem müssen alle Operationen unter speziellen Kautelen (systemische antiinfektiöse Therapie, epiperiostal-plastische Deckung, atraumatische Operation) erfolgen. Langfristig gilt es bei der kaufunktionellen Wiederherstellung besonders die Verhinderung von Prothesendruckstellen zu beachten, was durch Implantate nachhaltig erreicht werden kann [Grötz KA 1999]. Kommt es zur Manifestation einer IORN sind eine eingehende chirurgische Revision mit sicherem Wundverschluss sowie eine kombinierte lokale und systemische antiinfektiöse Therapie erforderlich. Resultierende Kontinuitätsdefekte müssen sekundär durch Ersatzosteoplastiken rekonstruiert werden.

Kieferklemme

Der Trismus ist meist nicht die Folge einer radiogenen Läsion des Kieferknochens, sondern einer Schädigung der im Zielvolumen lokalisierten Kiefergelenkanteile und beteiligten Kaumuskulatur. Prophylaktisch sind bei entsprechenden Strahlenfeldern aktive und passive Mundöffnungsübungen sehr wichtig, da eine bereits manifeste Kieferklemme intra und post radiationem ausgesprochen therapieresistent bzw. rezidivgefährdet ist.


Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation u. Sozialmedizin d. Deutschen Krebsgesellschaft e.V. [Mehr]
Nach wie vor online verfügbar: die noch nicht aktualisierten Kapitel des Buches "Supportiv- therapie bei malignen Erkrank- ungen", bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag", 2006. [Mehr]
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